Zum Hauptinhalt springen

Der rote Verkaufspunkt

Der Winterthurer Künstler Mario Sala liess sich zum Thema Erfolg in der Kunst befragen. Die Ausstellung «Home Grown» im Museum Oskar Reinhart bot dazu den aktuellen Rahmen.

Die Rollen waren am frühen Donnerstagabend im Museum Oskar Reinhart ein wenig undankbar. Der Hausherr, Marc Fehlmann, lag mit einer Grippe darnieder; seine beiden Assistenten, Andrea Lutz und David Schmidhauser, sprangen in die Bresche und hatten ­einzig den 49-jährigen Winterthurer Künstler Mario Sala auf dem Podium, den sie zu seinem Erfolg oder – je nach Warte – Misserfolg befragen konnten.

Um diese letztlich kommerzielle Thematik geht es auch in der aktuellen Ausstellung «Home Grown», die erfolgreiche Winterthurer Kunstschaffende aus der Vergangenheit und der Gegenwart auf sehr anregende Weise zusammenführt und mit neusten Arbeiten von Sala einen faszinierenden Schwerpunkt hat. Wer den Begleitkatalog zur Ausstellung liest, trifft dort auf die These Fehlmanns, wonach Winterthurer Kunstschaffende, wenn sie Erfolg hatten, diesen nicht zu Hause, sondern auswärts errungen haben.

Erfolg als Zufall?

Der Porträtist Anton Graff und der Avantgardist Max Bill sind Fehlmanns Kronzeugen dafür. Sala relativierte diese Behauptung mit Blick auf die heute gänzlich veränderte Si­tua­tion als Folge der Globalisierung, Internetvernetzung und Reisemöglichkeiten. Winterthur sei der zu ihm passende Arbeits- und Wohnort, gestand Sala.

Woran liegt es, ob ein Künstler erfolgreich ist oder nicht? Diese Frage durchzog als roter Faden das Gespräch. Über Mutmassungen kam man indes nicht hinaus. Was letztlich zähle, so Sala, sei der rote Verkaufspunkt. Und solche leuchteten doch einige von den Wänden des Museums. Sala ist einer der wenigen Winterthurer Kunstschaffenden, die von ihrer Arbeit leben können. Gleichwohl stand die Frage im Raum, war­um es keinen Hype um dieses Werk gibt, das doch mit seiner glänzenden Lackoberfläche, den fiktiven Storys und dem unterschwelligen Zynismus – Sala kommt ursprünglich aus der Werbegrafik – bestens in den Zirkus der internationalen Kunstmessen passt, wo heute über Sein oder Nichtsein entschieden wird.

Marc Fehlmann hätte da sicher die Anekdote eingeflochten, wonach die internationale Karriere von Anton Graff von einer zufälligen Begegnung abhing. Auf diesen Zufall wartet Sala noch. Er verlässt sich indes lieber auf die tägliche solide Arbeit in seinem Atelier, vernachlässigt darob zuweilen sogar das wichtige gesellschaftliche und professionelle Networking und ist dabei ganz zufrieden, wie er zum Schluss des gut besuchten Gesprächs bekannte.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch