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Der schier unmögliche Spagat

Porsche hat den Cayenne überarbeitet. Das Design wurde moderat ­geschärft, die Effizienz der Motoren verbessert und die Ausstattung erweitert. ­Geblieben ist das Staunen über die Fähigkeiten dieses Fahrzeugs – besonders in der bärenstarken Turbo-Version.

Welch Spektakel! Wie aus der Kanone geschossen fliegt das Teil davon, die über 2,2 Tonnen scheinen der Physik zu trotzen, ja sie regelrecht zu verhöhnen. Massenträgheit? Von wegen: In 4,4 Sekunden überschreitet die Tachonadel die Hundertermarke, nach weiteren sechs Sekunden steht 160 auf der Anzeige, und noch immer wird der Körper ohne Unterlass ins Polster gedrückt, während das Fahrzeug unbändig und wie vom Gummiband gezogen in Richtung Topspeed sprintet. Um ein solch grosses, schweres SUV derart brachial zu beschleunigen, bedarf es einer grossen Portion Power – und Power hat der Porsche Cayenne Turbo en masse. Acht Zylinder in 90-Grad-V-Form mit 4,8 Liter Hubraum, 550 PS Leistung, 750 Newtonmeter Dreh­moment, Biturbo-Aufladung mit variabler Schaufelgeometrie, vier oben liegende Nockenwellen, eine kontinuierliche Verstellung von Einlassnocken und Ven­til­hub­um­schal­tung, Motorblock und Zylinderköpfe aus Aluminium, Trockensumpfschmierung – das alles klingt nach Rennsport. Nicht nach einem geländegängigen Koloss, der primär zum Einkaufen in der Innenstadt, für die Fahrt zum Geschäftstermin oder zum Ab­holen der Kinder vom Sportunterricht genutzt wird. Und genau dieser unmöglich erscheinende Spagat macht den Reiz des Cayenne Turbo aus. Die Faszination des technisch Machbaren, die beachtliche Ingenieurs­leistung, die ungeheure Präzision bis ins kleinste Detail. Denn nicht nur der Antriebsstrang hat es in sich. Die riesigen, innenbelüfteten Bremsen, vorne mit Sechskolben-, hinten mit Vierkolben-Alu-Monobloc-Sätteln, packen derart gnadenlos zu, dass es einen bei einer Vollbremsung schier vom Sitz haut. Die Lenkung ist messerscharf und genauso exakt, wie man es sich von einem Porsche wünscht. Das Fahrwerk mit höhenverstellbarer Luftfederung ist auf langen Strecken sehr komfortabel, ermöglicht per Tastendruck aber bei­nahe wankfreies Kurvenräubern. Und auf langen Strecken ist das SUV äusserst komfortabel. Gleichzeitig bietet dieser Tausendsassa beachtliche Offroad-Fähigkeiten, die freilich kaum je genutzt werden. Aber es ist gut zu wissen, das man könnte, wenn man denn wollte. Gerade im Winter oder bei Nässe ist man froh um den variablen Allradantrieb – die enorme Power wäre mit nur einer Antriebsachse sehr anspruchsvoll zu handhaben. Und obwohl ein solch gewaltiges Aggregat nach reichlich Treibstoff verlangt, überrascht auch die Effizienz: Im Stillstand schaltet sich der Motor aus, im Schiebbetrieb klinkt sich der Antriebsstrang aus, und das Fahrzeug «segelt» äusserst reibungsarm dahin. So sind Verbrauchswerte um 12 Liter auf 100 Kilometer möglich – freilich nur, wenn behutsam mit dem feinfühligen Gaspedal umgegangen wird. Alles in allem ist der Cayenne Turbo also ein wirklich beeindruckendes Fahrzeug, und in seiner aktuellen, überar­bei­te­ten Version mit neu gestalteten Heckleuchten, die dem kleinen Bruder Macan gleichen, sieht er noch etwas schärfer aus. Vieles spricht also für dieses Modell. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die berechtigte Frage, wieso ein SUV derart potent motorisiert sein muss. Auf die Rennstrecke geht man damit nicht, und im Strassenverkehr kann ein Zucken des Gasfusses ausreichen, um blitzschnell die Grenze der Legalität zu überschreiten – besonders hierzulande, wo ein Cayenne Turbo nicht einmal ansatzweise zeigen kann, was er draufhat. Auf deutschen Autobahnen freilich, wo stellenweise noch ungeniert geblocht werden darf, macht ein solches Geschoss enorm Spass – wenn denn mal ausreichend freie Bahn zur Verfügung steht, was selten der Fall ist. Und auch dann würde die etwas weniger brachiale, aber immer noch sehr leistungsstarke S-Version, der äusserst druckvolle Diesel oder die spannende Plug-in-Hybridversion allemal ausreichen. Es ist wohl eher das Streben zum Superlativ, der Wunsch nach dem Besten und Stärksten und sicher­lich auch das eindeutige Statement, das ein solches Fahrzeug abgibt, was die Kunden zu dieser Version greifen lässt. Der neidische Blick des Nachbarn, das anerkennende Nicken der anderen Cayenne-Fahrer auf der Strasse. Und auch das mächtige Bollern des V8 beim Starten des Motors, das einem die Gewissheit gibt, das Topmodell zu besitzen. Wobei, nicht ganz – über dem ab 170?500 Franken angebotenen Turbo rangiert nämlich noch der Turbo S für 221?400 Franken, mit 550 PS und noch brachialeren Fahrleistungen. Für all jene, die einfach nie genug kriegen.

Porsche Cayenne Turbo + Überragender Antrieb + Beeindruckende Vielseitigkeit + Luxuriöse Ausstattung + Vorzügliche Qualität - Hoher Verbrauch - Abgehobener Preis

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