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Der seltsame Alleskönner

Ein Nutzfahrzeug als Allrad-Lifestyle-Kombi: VW baut mit dem Cross Caddy ein Auto, das in kein Schema passt. Den überraschend guten Fahreigenschaften steht ein happiger Anschaffungspreis gegenüber.

In einer klassischen Folge der Zeichentrickserie «Die Simpsons» wird Familienvater Homer von seinem in der Automobilindustrie erfolgreichen Bruder gebeten, ein Auto für den Mann aus dem Volk zu entwerfen. Das Resultat heisst gleich wie sein Schöpfer, und es ist so etwas wie die automobile eierlegende Wollmilchsau. Alles, was sich Homer von einem Auto nur wünschen konnte, wurde in ein einziges Modell gepackt. Dieses ist entsprechend monströs und kaum zu bezahlen – und führt die Firma des Bruders in den Ruin. So weit wird es mit dem VW Cross Caddy und dem notorisch erfolgreichen Volkswagenkonzern freilich nicht kommen. Ein bisschen aber erinnert der zu einem Familienkombi mit Offroad-Chic verwandelte Kastenwagen dennoch an die Simpsons-Folge. So kostet der Testwagen mit allen Extras nicht weniger 49?860 Franken und tritt mit dem Anspruch an, eine Fülle von Bedürfnissen abzudecken. Für den stolzen Preis wird von VW allerdings auch einiges geboten. Angetrieben vom 2.0-TDI mit 170 PS und in Kombination mit dem bewährten Sechsgang-Dopppelkupplungsgetriebe hat der behäbig aussehende Familientransporter einen überraschend munteren Charakter und einen spontanen Antritt. Und dank dem Allradantrieb 4Motion wirkt das knapp 1,9 Meter hohe Gefährt auch in Kurven nicht überfordert. Zu den an sich schon guten Fahreigenschaften passt auch die Lenkung, die sich ähnlich direkt anfühlt wie bei einem VW Golf. Allerdings ist die übermannshohe Karrosserie windanfällig und drückt auch auf die Effizienz: Mit gegen acht Litern Diesel pro 100 Kilometer muss man bei neutraler Fahrweise schon rechnen. Im Innenraum ist viel Platz für Fahrer, Beifahrer und drei Mitreisende in Reihe zwei. Vor allem aber ist da auch ein enormes Transportvolumen, das sich bei Bedarf mit verhältnismässig geringem Aufwand ausschöpfen lässt. Der Zufall will es, dass eine Freundin just zur Testzeit einen Kleiderschrank zu transportieren hat – also raus mit den hinteren Sitzen! Der Umbau nötigt den Caddy-Novizen nicht mehr als fünf Minuten ab. Allerdings muss man schon zu zweit sein, um die Doppelrückbank aus dem Wagen in die Garage zu tragen. Und der spätere Wiedereinbau braucht nicht nur einen kräftigen Rücken und starke Arme, sondern auch etwas Geschick. Der Schrank jedoch hat in einem Stück im Heck Platz gefunden, zusammen mit zahlreichen Umzugskisten. Zur Ausstattung mit den VW-Standard-Elementen muss man nicht allzu viele Worte verlieren. Wer es bunt mag, wählt die bequemen, hoch platzierten Stoffsitze in der Farbkombination Grün-Anthrazit. Neutraler ist die Kombination Grau-Anthrazit. Eine Sitzheizung in der ersten Reihe ist ab Serie an Bord, ebenso wie Tempomat und Berganfahrassistent. Den Unterschied zum normalen Caddy macht aber vor allem das Aussenkleid, mit schwarzen Radlaufblenden im Robusto-Look, Seitenschwellern, serienmässigen 17-Zoll-Leitmetallfelgen, abgedunkelten hinteren Scheiben und abgedunkelten Rückleuchten. Das sieht alles nicht schlecht, aber doch etwas seltsam aus. Denn, und das schleckt kein Offroad-Zierrat weg, für ein echtes Lifestyle-Auto ist die Caddy-Basis einfach zu klobig. Wer sich nichtsdestotrotz dafür begeistert: Ohne Allradantrieb und mit einem bescheidenen, 86 PS leistenden 1,2-Liter-Benziner mit manueller Fünfgangschaltung gibt's den Caddy zum Einstiegspreis von 25?810 Franken. Cross Caddy 2.0 TDI 4 Motion+ Üppiges und variables Platzangebot+ Erstaunlich flotte Fahreigenschaften+ Komfortable Ausstattung– Stattliche Anschaffungskosten– Klobiges Erscheinungsbild– Hoher Luftwiderstand

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