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Der Spion, der aus der Luft kam

Drohnen mit ­eingebauten Kameras erfreuen sich bei Privaten steigender Beliebtheit. Das weckt Bedenken in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit des Luftraums.

«Ich war schockiert. Eine Drohne fotografierte mich im Schlafanzug», liess sich eine Frau aus der Luzerner Innenstadt kürzlich in den Medien zitieren. Sie informierte die Polizei, um sich über die Verletzung ihrer Privatsphäre zu beschweren. Doch für die Drohnenaufnahmen lag eine Genehmigung vor. Sie waren von der Stadt Luzern in Auftrag gegeben worden, um allfällige Schäden an Fassaden durch anstehende Bauarbeiten feststellen zu können. Doch Drohnen mit eingebauter Kamera werden längst nicht nur von Behörden eingesetzt. Zunehmend fliegen sie zum Vergnügen von Privatpersonen. «Wir sind mit dem Verkauf des Modells DJI Phantom 2 Vision sehr zufrieden», sagt Stefanie Hynek vom Internet-Versandhändler Galaxus. Quadrocopter – Drohnen mit vier Rotoren – erfreuten sich bei den Kunden grosser Beliebtheit. Zahlen kommuniziere man aber nicht. Galaxus habe bereits mehrere Drohnenmodelle mit eingebauter Kamera im Angebot und passe das Sortiment laufend an. Neben dem erwähnten Modell, das mit einer neigbaren 14-Megapixel-Kamera Videoaufnahmen und Fotos direkt aufs Smartphone übermitteln könne, würden auch kleine Quadrocopter verkauft. Deren Aufnahmen könnten aber nicht live verfolgt werden. Laut Hynek führen auch andere Händler Drohnen im Angebot. Einfach und günstig

In der Schweiz können Drohnen nicht nur einfach – und mittlerweile auch relativ günstig – erworben werden. Es gibt auch kaum Gesetze, die deren Einsatz einschränken. In der Verordnung über Luftfahrzeuge besonderer Kategorien (VLK) heisst es, dass für Fluggeräte mit einem Gewicht bis 30 Kilogramm keine Bewilligung nötig ist. Verboten ist lediglich der Einsatz in Flughafennähe und ohne Sichtkontakt. Werden mit einer Drohne Aufnahmen gemacht, gelten die Bestimmungen des Datenschutzes. Sind Personen oder Örtlichkeiten identifizierbar, dürfen Aufnahmen nur mit Zustimmung der Betroffenen gemacht werden. Missbrauch lässt sich damit kaum verhindern. Voyeure und Kriminelle, die sich Bilder oder Informationen beschaffen wollen, haben leichtes Spiel.

Das Gefährdungspotenzial liege auf der Hand, da man mit Drohnen Balkone, Zimmer oder abgeschiedene Gärten filmen könne, die dem gewöhnlichen Passanten verborgen blieben, sagt Francis Meier, wissenschaftlicher Mitarbeiter des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür. Solche Aufnahmen seien ein ernster Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen. «Wir sind deshalb der Auffassung, dass der Gesetzgeber Massnahmen prüfen sollte, um die missbräuchliche Verwendung ziviler Drohnen zu verhindern.» Zur Diskussion stehen laut Meier etwa die Regelung dieser Art der Überwachung im Luftfahrtrecht oder die Einführung einer Bewilligungspflicht. Personen, die von einer Drohne gefilmt wurden, hätten die Möglichkeit, auf dem Rechtsweg gegen den Besitzer der Drohne vorzugehen. Insbesondere könnten sie die Löschung der gemachten Aufnahmen verlangen, sagt Meier.

Auch der Genfer SP-Nationalrat Manuel Tornare sieht in zivilen Drohnen eine Gefahr für die Privatsphäre. In einem Postulat, das er Ende September eingereicht hat, verlangt er vom Bundesrat einen Bericht über die Problematik der zivilen Drohnen in der Schweiz. Mit der zivilen Verwendung von Drohnen müsse sich auch die Gesetzgebung weiterentwickeln, damit die Privatsphäre der Bürger geschützt bleibe, begründet Tornare seinen Vorstoss. Probleme ortet er zudem in Bezug auf die Sicherheit des Luftraums.

Bisher kein Hochrisiko-Vorfall

Im Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verfolgt man die Entwicklung aufmerksam. «Ein Hochrisiko-Vorfall im Zusammenhang mit Drohnen wurde uns bislang noch nicht gemeldet», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger. Pro Jahr gebe es einige Meldungen von Luftfahrzeugen, die Drohnen und Flugmodelle gesichtet hätten. Diese hätten sich bis jetzt aber alle im Low-Risk-Bereich bewegt. Um gefährliche Zwischenfälle mit Drohnen zu vermeiden, setze das Bazl primär auf eine Sensibilisierung der Szene. Eine entsprechende Medienmitteilung sei nicht nur von mehreren Medien aufgegriffen, sondern auch in Fachgeschäften aufgelegt und sogar von einem grossen europäischen Internethändler ins Netz gestellt worden. In Vorbereitung ist laut Holderegger aber auch eine Anpassung der VLK. Demnach soll der Einsatz von Drohnen an öffentlichen Veranstaltungen künftig bewilligungspflichtig sein. Das Bazl sei daran, diesen Entscheid umzusetzen.

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