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Der Star der Hinterbänkler

Chaka Khan auf der Bühne, Karel Gott im Publikum – mit grossem Tamtam hat Skoda in Prag den neuen Superb vorgestellt. Das Flaggschiff mit dem üppigen Fond ist technisch und optisch in der Gegenwart angekommen.

Grosser Bahnhof für ein grosses Auto: Über 500 Journalisten und an die 300 weitere Gäste hat Skoda nach Prag eingeladen, um dem Stapellauf des neu aufgelegten Flaggschiffs Superb beizuwohnen – wohlgemerkt nur wenige Tage, bevor dieser in Genf ohnehin der Weltpresse vor die Linse fährt. Es ging also um etwas anderes als blosse Aufmerksamkeit, es ging um die Inszenierung von Grösse. «Grösse bedeutet uns alles», sagte Chef-Designer Jozef Kaban denn auch programmatisch. Und ein bisschen klang es, als adressierte der Mann mit der wallenden Mähne die chinesische Delegation. Schliesslich geht es im Reich der Mitte beim Autokauf vorab ums Blech. Wer etwas auf sich hält, fährt nicht selbst, sondern lässt fahren. Dafür ist ein Auto mit üppigem Fond wie der Skoda Superb genau das Richtige. Der Rückraum ist seit 2001, seit der ersten Generation, das Markenzeichen des Superb. Auch hier­zu­lande. Die Verkäufer sind angewiesen, Interessenten erst hinten einsteigen zu lassen. Keimt der Verdacht auf, die Frontsitze seien weit vorgerückt, gehts hinters Lenkrad, wo ein durchschnittlich grosser Fahrer den Sitz dann – welche Überraschung – meist noch etwas vorrücken muss. Dieses Drehbuch für die Verkäufer bleibt in der neuen, dritten Generation gleich. Sie ist zwar nur minimal gewachsen, weil der vordere Überhang verkürzt wurde. Der Radstand aber hat noch einmal zugelegt, um 8 auf 284 Zentimeter. Hinten beträgt die Kniefreiheit 15,7 Zentimeter und bewegt sich damit fernab der Mitbewerber. Das Konzept des Superb wurde also nicht angerührt, wohl aber das Design. Zu brav waren die beiden Vorgänger gestylt. Zwar wurde der Superb in zwei Generationen 750?000 Mal verkauft. Aber im Vergleich zum kleineren Octavia spielte er in Europa, zumal in der Schweiz, nur eine Nebenrolle. Mehr Emotionen lautete darum die Vorgabe für Designer Kaban, der die Aufgabe erst einmal mit einer Studie anging. «Vision C» hiess diese und wurde vor einem Jahr in Genf gezeigt und lautstark bejubelt. Als offene Frage blieb, wie sehr das Design bei der Übersetzung in die Serie erodiert. Die Antwort wurde jetzt in Prag gegeben, mit grossem Tamtam – unter den Augen von Schlagerlegende Karel Gott und musikalisch eingerahmt von Soulsängerin Chaka Khan. Und der Superb enttäuschte nicht: Bis auf die konventionelleren Frontleuchten bildet er die Studie fast 1:1 ab. Prägende Merkmale sind schmale Scheinwerfer in Kristalloptik, ein tief platzierter Kühlergrill, die coupé-artige Dachlinie und ein schlankes Heck, das die Grafik der LED-Leuchten für sich wirken lässt. Das alles ergibt einen selbst­bewussten, etwas unterkühlten Look, wie er auch andere Marken im VW-Konzern kennzeichnet. Designer Kaban arbeitete ein paar Jahre bei Audi, bevor er zu Skoda zurückberufen wurde. Er selbst habe auf eine unmittelbare Sinnlichkeit gezielt, sagte der Slowake. Winfried Vahland, Vorstandsvorsitzender von Skoda, fasste es so zusammen: «Der Superb bringt etwas Neues, das wir noch nicht hatten: Emotionen, Dynamik.» Und er strich heraus, dass das neue Flaggschiff zu 100 Prozent in Tschechien entwickelt wurde. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit. Der Superb basiert auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) von VW, der Wolfsburger Wunderwaffe. Die fünf TSI-Benziner in einer Leistungsspanne von 125 bis 280 PS und die drei Diesel mit 120 bis 190 PS, mit denen die Limousine im Juni in den Handel kommt (der Kombi folgt später), stammen aus dem VW-Regal. So auch die Elektronik, wozu nun ein üppiges Paket von Assistenten gehört, vom Totwinkelwarner über den Stau- bis zum Ausparkassistenten. Exklusiv hat Skoda seine «Simply ­Clever»-Lösungen, kleine Gimmicks wie den Eiskratzer im Tankdeckel. 29 solche Details listet Skoda auf, nicht alle innovativ, aber alle praktisch, wie das Schirmfach in den Vordertüren. Das Interieur ist ansprechend, es wirkt aber weniger modern als beispielsweise jenes des VW Passat mit seinem grossflächigen Digitaltacho. Die Tschechen mussten hier wohl im Dienste der Konzerninteressen zurückstehen. Un­gehemmt bedienen durften sie sich in Sachen Konnektivität: Das Multimediasystem steht wie bei VW in vier Varianten zur Verfügung und soll mit allen drei aktuellen Handystandards klarkommen. In der höchsten Ausstattung verfügt es über einen Wi-Fi-Hotspot und lässt sich so auch aus dem Fond bedienen. Damit sind wohl wiederum die Chinesen angesprochen. Denn hierzulande rekrutieren sich die privilegierten Hinterbänkler des Superb aus der eigenen Familie. Und wer will die Kontrolle über Musik, Videos und Internet schon seinen Kindern anvertrauen?

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