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Der Traum vom Krönchen

Chantal Lüthi aus Dinhard möchte dieses Jahr zur schönsten Schweizerin gekrönt werden. 2007 hatte die gebürtige Rorbaserin Claudia Wambululu dasselbe Ziel. Doch vom Modelgeschäft hatte sie irgendwann die Nase voll.

«Man hofft, denkt und glaubt, dass es klappen könnte», sagt Chantal Lüthi. «Aber am Ende bleiben immer Zweifel.» Man wisse schliesslich nie, ob man vielleicht doch nicht gefalle, nicht schön genug sei. Schliesslich liege Schönheit auch im Auge des Betrachters. Die 19-Jährige aus Dinhard ist eine von 18 Kandidatinnen, die es in die Endrunde der Miss-Schweiz-Wahl geschafft haben. Am 8. Juni entscheidet sich, wer die Krone von der amtierenden Miss Alina Buchschacher übernimmt. Chantal Lüthi hofft mit der Wahl auf eine Chance, im Modelgeschäft Fuss zu fassen. Seit zwei Jahren bekommt sie immer wieder kleinere Aufträge als Model. Aber die junge Frau bleibt realistisch. Nach wie vor setzt sie auf ihren Beruf. Im März beginnt die Fachangestellte Gesundheit eine Weiterbildung zur Pflegefachfrau. «Als Model ist man nicht mehr gefragt, wenn man erst mal 30 ist, und auch nach Schwangerschaften ist es in diesem Geschäft schwierig», sagt sie. Deshalb wolle sie einen Beruf haben, in dem sie auch mit einer Familie noch arbeiten könne. «Ich will nämlich irgendwann unbedingt Kinder haben.» In der Schule gemobbt Zur Miss-Wahl angemeldet hat sie sich selbst. Dann kam sie unter die ersten 100, dann 50, dann 18. «Mein Umfeld findet meine Teilnahme toll und unterstützt mich sehr dabei», sagt Lüthi. Ausserdem würden ihr viele Bekannte, die sie schon lange nicht mehr gesehen habe, Nachrichten schreiben oder ihr auf Facebook Glück wünschen. «Das ist unglaublich.» Auch ihr erstes Autogramm hat die 19-Jährige einem Fan schon gegeben. Mit ihrer Teilnahme an der Miss-Wahl möchte sie auch ihren ehemaligen Kritikern etwas beweisen: «Ich war schon immer grösser als alle anderen in meiner Klasse und wurde dafür in der Schule gemobbt.» Jetzt gefällt es ihr, dass sie – auch wegen ihrer Körpergrösse von 1,80 Meter – schon so weit gekommen ist. Angst habe sie lediglich vor dem Zeitmangel, der bei einem Gewinn der Wahl auf sie zukommen könnte. «Auf die vielen spannenden Termine würde ich mich zwar freuen, aber ich müsste unbedingt ein wenig Zeit für meine Familie haben.» Denn ohne ihre Familie ginge gar nichts, sagt sie. Vor den kritischen Blicken von Jury und Öffentlichkeit hat die Miss-Anwärterin keine Angst. «Das macht mir nichts aus», sagt sie. «Schönheit ist auch Geschmackssache, wenn ich jemandem nicht gefalle, kann ich damit gut leben.» Sie achte schon immer auf ihre Ernährung und treibe viel Sport, da habe sich mit ihrer Kandidatur nicht viel verändert. «Wenn ich wirklich Miss Schweiz werden würde, dann ginge für mich ein Traum in Erfüllung.» Kleidergrösse 34 gefragt Den Traum, zur schönsten Schweizerin gekürt zu werden, hatte auch Claudia Wambululu. Sie nahm 2007 als erste dunkelhäutige Kandidatin an der Miss-Schweiz-Wahl teil – mit Erfolg. Sie erreichte den dritten Platz. Der erhoffte Durchbruch im Modelgeschäft blieb jedoch aus. «Ich hatte danach natürlich mehr Aufträge und habe für ein Shooting auch mehr verdient», sagt die 28-Jährige. «Aber der Markt für dunkelhäutige Models ist in der Schweiz begrenzt, da war es schwierig, wirklich Fuss zu fassen.» Heute arbeitet Claudia Wambululu, die in Rorbas aufgewachsen ist, als Elektroplanerin. Vor zwei Monaten hat sie ihren Sohn Yanis geboren. Modeln tut sie nur noch nebenbei. «Ich werde immer wieder über Facebook angefragt, bin aber nicht mehr in einer Agentur unter Vertrag.» Das Modelgeschäft habe ihr irgendwann «abgelöscht». «Man sagte mir immer, dass ich abnehmen müsse, Kleidergrösse 34 war das Ziel, 38 Realität.» Sie selbst fand, dass sie mit ihrer Körpergrösse von 1,84 Meter und 65 Kilo Gewicht gute Masse habe. Offenbar nicht für das Modebusiness. «Ich wurde aber zunehmend unzufrieden mit mir selbst, nie genügte ich.» Sie habe an sich gezweifelt, ihr Selbstbewusstsein habe gelitten. «Da habe ich aufgehört, mich um diesen Beruf zu bemühen, jetzt mache ich noch Aufträge, die mir Spass machen.» Chance, aber keine Garantie Zur Miss-Wahl würde sie sich heute nicht mehr anmelden. «Ich wollte nicht mehr im Bikini vor anderen herumlaufen und mich beurteilen lassen.» Dennoch: Sie bereut ihre Teilnahme nicht. «Ich hätte wohl nicht zu meinem heutigen Beruf gefunden, hätte weiterhin versucht zu modeln und nicht aufgegeben.» Fotomodel zu werden, war ihr Mädchentraum. Seit sie als Achtjährige eine Dokumentation über ein Model im Fernsehen gesehen hatte, wollte sie auch so werden. «Sicher ist da auch Eitelkeit mit dabei, man möchte im Mittelpunkt stehen, das hat mir damals einfach gefallen, ich kann nicht erklären, warum.» Ausserdem habe sie tolle Shootings erlebt, mit fantastischen Kleidern. Die Bilder erschienen dann in einem Hochglanzmagazin. «Das war genial», sagt sie und lächelt. Ihre Kandidatur hatte aber auch negative Seiten. Ihr Privatleben war oft in der Öffentlichkeit – jede Trennung, jeder neue Freund und auch ihre Schwangerschaft. «Das ist o. k., aber man muss aufpassen, dass man sich noch genug abschotten kann.» Von ihrem Baby wollte sie zum Beispiel keine Bilder in der Zeitung sehen. «Für mich ist die Wahl lange her und dennoch werde ich oft dar­auf reduziert, so als ob ich im Leben nichts anderes gemacht hätte», sagt sie. «Von mir aus erzähle ich nie, dass ich Miss-Schweiz-Kandidatin war.» Viele würden sie dann für eingebildet halten. «Meine Person macht so viel mehr aus als meine Teilnahme an der Miss-Wahl. Ich bin berufstätig, kann Websites programmieren und habe einen Sohn.» Auf keinen Fall drehe sich ihr Leben nur ums Schönsein. Die Miss-Schweiz-Wahl könne ein Sprungbrett sein, ist die alleinerziehende Mutter sicher. «Man sieht viel und lernt viel. Es ist eine Chance, aber keine Garantie für Erfolg.» Den Teilnehmerinnen empfiehlt sie, sehr dar­auf zu achten, was man in der Öffentlichkeit erzählt. «Man ist auch interessant, wenn man nicht sagt, mit wie vielen Männern man geschlafen hat – und solche Fragen kommen.»

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