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Der Unbekannte aus dem Norden

Dem finnischen Sinfoniker Jean Sibelius widmet das Musikkollegium Winterthur in der kommenden Saison einen thematischen Schwerpunkt. Vereinspräsidentin Maja Ingold würdigte gestern die Leistung des abgetretenen Intendanten Thomas Pfiffner.

Den Erfolg seiner Musik nannte der Philosoph Theodor W. Adorno «ein Störungssymptom des musikalischen Bewusstseins». Unter diesem fragwürdigen Verdikt scheinen die Werke des finnischen Komponisten Jean Sibelius (1865–1957) bis heute zu leiden, jedenfalls in den deutschsprachigen Ländern, wo sie – im Gegensatz zu Grossbritannien – selten gespielt werden. Gelegenheit, sich ein eigenes Urteil zu bilden, bieten Chefdirigent Douglas Boyd und das Musikkollegium Winterthur in der kommenden Saison. Boyd dirigiert sechs Werke von Sibelius, dar­un­ter die Sinfonien 2 und 3 und das Violinkonzert, aber auch Werke für kammermusikalische Besetzung. Die Grösse des Orchesters eigne sich für beides gut, sagte Boyd gestern an der Medienkonferenz. Auf zwei Jahre verteilt, sollen alle sieben Sinfonien von Sibelius aufgeführt werden. Ungewohnt war der Ort der Medienorientierung: Sie fand für einmal im Pfarrhaus neben der Stadtkirche statt, weil Boyd am Morgen in der Kirche das Abonnementskonzert probte. Weitere Schwerpunkte bilden die Kammermusik, wozu auch vier Auftritte eines «Artist in Resonance» zählen, Joseph Haydn sowie die Vokalmusik. Den Saisonbeginn markiert ein «Opernwettstreit» zwischen Mozart und Salieri. Highlights sind ferner Gastspiele des Pianisten Radu Lupu, Solist in Beethovens Klavierkonzert Nr. 5, und des Flötisten James Galway. Schliesslich erhält das Konzertprogramm eine neue Struktur, wie Pfiffner erklärte: Die Reihen «Happy New Ears» und «Piano plus» werden aufgegeben, stattdessen tragen die Extra-, Abonnements- und Hauskonzerte neu ein Motto. Zum Beispiel «Surprise» für Überraschendes und «Puls!» für «Musik am Puls der Zeit». Würdigung Pfiffners Die Saison 14/15 ist die letzte, die noch vom langjährigen Direktor Thomas Pfiffner gestaltet wurde; er hat bereits Anfang April die Leitung der Orpheo-Stiftung übernommen. «Thomas Pfiffner hat das Ansehen des Musikkollegiums weit über die Region hinausgetragen und sich für seine spezifischen Stärken eingesetzt», sagte Maja Ingold, Präsidentin des Vereins Musikkollegium. Pfiffner hatte den Posten des Direktors Ende 2005 von seinem Vorgänger Karl Bossert übernommen. Einen Nachfolger hofft Ingold innert der kommenden sechs Monate zu finden. Neben dem Intendanten hat das Musikkollegium seit Anfang Jahr neu einen Verwaltungs­direktor; beide Jobs sind mit 60 Stellenprozenten dotiert. Verwaltungsdirektor Samuel Roth präsentierte sich gestern als Brückenbauer, der das Licht des «Leuchtturms» Musikkollegium nicht nur gegen aussen, sondern auch in der Stadt leuchten lassen will, wie er sagte. Das findet seinen Niederschlag etwa auf dem Cover des neuen Saisonprogramms, wo das Stadthaus «by night» abgebildet ist. «Das Stadthaus ist unser Haus», sagte Roth. Das im letzten Herbst erfolgreich durchgeführte Open-Air-Konzert im Rychenbergpark wird das nächste Mal zum Saisonende im Juli 2015 stattfinden, möglicherweise mit Unterstützung des kantonalen Lotteriefonds, wie Roth hofft, und als grosses Volksfest. Ein Geschenk für die Winterthurer Bevölkerung sind auch die Freikonzerte, eine Tradition, die aus dem 19. Jahrhundert stammt: Zehn leicht zugängliche Programme für Kinder und Familien sind in der kommenden Saison geplant. Solidaritätswelle Die von Seiten der Stadt erfolgte Subventionskürzung um 3 Prozent werde sich im nächsten Jahr bei den Gastsolisten bemerkbar machen, sagte Roth. Die Einbusse könne jedoch teilweise durch Zuwendungen privater Gönner wettgemacht werden. «Wir haben in der Bevölkerung eine grosse Solidarität gespürt», sagte Roth. Die privaten Gelder und der Anteil des Hauptsponsors Credit Suisse eingerechnet, erreiche das Musikkollegium einen Eigenwirtschaftlichkeitsgrad von 40 Prozent, sagte Roth weiter. 60 Prozent der Mittel werden von der Stadt Winterthur und vom Kanton Zürich bereitgestellt. In Winterthur erhält das Musikkollegium im laufenden Jahr rund 53 Prozent der gesamten Kultursubventionen, die rund 9,15 Millionen Franken betragen; rechnet man die zum Teil beträchtlichen Nebenkosten ein, beträgt der Anteil des Musikkollegiums 42 Prozent.

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