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Der vergoldete Abschluss

leogang. Zum Rücktritt hatte sich Roger Rinderknecht schon lange entschieden. An der Fourcross-WM in Österreich, in seinem letzten Rennen, vergoldete er ihn mit dem ersten Weltmeistertitel.

2006, 2008 und 2011 Zweiter, dazu «noch etwa dreimal in einem Final ohne Medaille» war die bisherige Fourcross-WM-Bilanz des Roger Rinderknecht. Am Samstag im Salzburger Land krönte der 31-jährige Winterthurer Bikeprofi die Karriere in seinem allerletzten Wettkampf. Nach dem Sturz des Winterthurers David Graf und des Tschechen Tomas Slavik, der beiden Schnellsten in der Qualifikation, war im WM-Final freie Bahn für ihn. «Ich hörte, wie sie links von mir stürzten», beschrieb er. Rinderknecht, Vierter in der Qualifikation, behauptete sich anschliessend bis ins Ziel sicher vor dem Tschechen Michael Mechura. «Schade, konnten wir das Rennen nicht zu viert ausfahren.» Aber den Weltmeistertitel nahm er natürlich auch so gerne. «Endlich war das Wettkampfglück einmal auf meiner Seite», freute sich Rinderknecht, der seine gute Form von den Olympischen Spielen halten konnte. «Ich war an einer WM schon oft gestürzt oder knapp an einer Medaille vorbeigefahren. Jetzt hatte es offenbar einfach sein müssen. Ich bin extrem glücklich.» «Der perfekte Zeitpunkt» Rinderknecht hatte sich schon lange entschieden, die Karriere Ende dieser Saison zu beenden. Wie die berufliche Zukunft genau aussieht, wird sich in den nächsten Wochen weisen; wahrscheinlich wird er im Bikesport engagiert bleiben. «Es ist der perfekte Zeitpunkt, aufzuhören. Als Weltmeister», sagte der zweifache Vater. «Ich könnte noch ein oder zwei Jahre vorne mitfahren. Aber es ist anstrengend, sich immer wieder zu motivieren und auch Risiken einzugehen. Dazu bin ich nicht mehr länger bereit», meinte er gestern nach der sechsstündigen Heimreise am Steuer seines Kleinbusses. Samstagnacht in Österreich war seine erste Goldmedaille im Kreise von Familie und Fahrerkollegen noch ausgiebig gefeiert worden. «Er musste», sagte David Graf, «ja lange genug dar­auf warten.» David Grafs Pech David Graf, sein Wülflinger Nachbar und Klubkollege von Powerbike Winterthur, hatte in Leogang die Qualifikation auf dem 1. Rang beendet und anschliessend alle Läufe für sich entschieden – auch den Halbfinal, in dem er Rinderknecht auf den 2. Platz verwies. Dann aber im Final touchierten sich Graf und Slavik, die Nummer 2 der Weltrangliste und Weltmeister 2010, gleich nach dem Start und stürzten über den ersten Sprung. Beide rappelten sich gleichzeitig wieder auf. Während Slavik mit einer verletzten Schulter (was er erst nach der Zieldurchfahrt bemerkte) auf den Bronzeplatz fuhr, musste Graf aufgeben: Der Lenker seines Bikes hatte sich beim Sturz verdreht, zudem war eine Bremsleitung defekt. «Das kann passieren», sagte der 23-Jährige zum Zwischenfall. «Es ist halt einfach sehr schade, dass es geschieht, wenn man so nahe am WM-Titel ist.» Bis zum Final sei «alles perfekt gelaufen», meinte Graf. «Die Vorbereitung stimmte.» Und mit dem Sieg in der Qualifikation konnte er immer auf der bevorzugten Innenbahn starten. «Die Läufe konnte ich kontrollieren.» Ausser den letzten. «Es ist sicher nicht befriedigend, wenn man als Favorit ins Rennen geht und dann ohne Medaille nach Hause reist», bedauerte er. Für Rinderknecht und Graf ging am Samstag die Rennsaison 2012 zu Ende; für beide folgen nun Film- und Fotoaufnahmen für die Sponsoren. Aber nur für Graf beginnt später die Vorbereitung auf die nächste Saison. In den kommenden beiden Jahren möchte er Fourcross- und BMX-Rennen bestreiten. Anschliessend wird er sich aufs BMX konzentrieren, um das nächste grosse Ziel, die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, zu schaffen. Die beiden Biker, die in Wülflingen mit Sichtkontakt zueinander wohnen, lieferten sich vor London ein enges Duell um den einzigen Schweizer Olympiaplatz im BMX; Rinderknecht entschied es knapp für sich, Graf war in London als Ersatzfahrer dabei. Letzte Saison feierten sie im Fourcross von Fort William (Schottland) den ersten Winterthurer Doppelsieg in einem Weltcup; wieder lag Rinderknecht vor Graf. Aber der «Junge» ist seinem einstigen Vorbild näher gerückt; er hat sich als dessen erster Nachfolger etabliert. «Er hat definitiv einen Schritt vorwärts gemacht», betont Rinderknecht. «Wenn er dranbleibt, wird er weitere machen. Er hat noch Potenzial nach oben.»

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