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«Der Wegzug aus Seuzach fällt nicht leicht»

Die Nachricht vom geplanten Auszug der Firma Baltensperger aus Seuzach trifft die Gemeinde hart. «Wir haben es zu verhindern versucht, leider ohne Erfolg», sagt Gemeindepräsident Christian Moos.

Es ist ein Drama. Zumindest aus Seuzacher Sicht. Einer der ganz grossen Arbeitgeber in der Gemeinde, die Bau- und Holzbaufirma Baltensperger, plant per 2016 den Auszug nach Oberwinterthur, («Landbote» von gestern). Damit gehen der Gemeinde 250 Arbeitsplätze und im Moment noch ­unbezifferbare Steuergelder verloren, wie Gemeindepräsident Christian Moos sagt. «Wir haben den Weggang zu verhindern versucht, aber leider ohne Erfolg.» Die steuerlichen Konsequenzen kann Moos im Moment noch nicht abschätzen. Seuzach sei aber im Bereich der juristischen Personen zum Glück von keiner einzelnen Firma abhängig. Der Verlust wiegt aber nicht nur in finanzieller Hinsicht schwer: Die Firma Baltens­perger habe Gemeinde und Vereine bei Festen und Feiern jeweils kräftig unterstützt. «Zuletzt durften wir dies bei der 750-Jahr-Feier erfahren», sagt Moos. Vier Jahre lang gesucht Die Suche nach einem neuen Standort nahm laut Beat Baltens­perger, CEO und VR-Präsident der Baltensperger AG, etwa vier Jahre in Anspruch. «Wir haben schon früh angekündigt, dass wir unter Platznot leiden.» In dieser Zeit hätten diverse Vorgespräche mit der Gemeinde stattgefunden. «Dort gab man sich grosse Mühe, unseren Weggang zu verhindern.» Die Gemeinde habe jedoch lediglich Kontakte zu Landbesitzern schaffen können, sagt Moos. So vermittelte sie der Baltensperger AG den Kontakt zu den Besitzern eines Grundstückes im Industriegebiet, das für den neuen Firmensitz von der Lage und Grösse her in Frage gekommen wäre. Leider hätten diese das Land dann aber nicht verkaufen wollen, weshalb man sich nach einem neuen Standort umsehen musste, sagt Baltensperger. «Aus Seuzach wegzugehen, tut aber schon weh.» Vor 40 Jahren gegründet Das Bau- und Holzbaugeschäft, das Beat Baltensperger im Jahr 2000 von seinem Vater Hans Baltensperger übernommen hat, existiert seit 1974. «Damals ist mein Vater bei der Baufirma Lutz eingestiegen, die bis vor 14 Jahren Lutz & Baltensperger hiess.» 1984 zog die Firma von der Stationsstrasse an die heutige Adresse an der Alten Poststrasse. Mitten im Wohngebiet gelegen, kann sie sich dort aber nicht vergrössern. «Der neue Standort ist für unsere Mitarbeiter ideal wegen der guten ÖV-Erschliessung, der Nähe zum jetzigen Arbeitsplatz und weil er für Kunden von auswärts gut zu erreichen ist», sagt Baltensperger. Dar­über hinaus sei diese Investition langfristig angelegt. «Die Gefahr, irgendwann wieder mitten in einem Wohnquartier zu stehen, besteht nicht.» Diese Gründe sowie die Aussicht auf modernisierte Produktionsabläufe wiegen laut Baltensperger die um 35 Prozentpunkte höhere steuerliche Belastung auf. «Auf so engem Raum wie heute produzieren zu müssen, verlängert die Arbeitsabläufe.» Am jetzigen Standort sollen Eigentumswohnungen gebaut werden, um einen Teil der Investitionskosten zu kompensieren. Warten auf das Parlament Die Umsiedlung nach Winterthur kann aber erst als sicher gelten, wenn der Grosse Gemeinderat den Landkauf bewilligt hat. Baltensperger rechnet damit, dass dies in etwa einem Monat der Fall sein könnte. Die Fertigstellung der neuen Produktionshallen der Baltensperger AG ist per Frühling 2016 geplant. Die beiden Bürogebäude, welche die Bauunternehmung gemeinsam mit der 3-Plan-Haustechnik AG bauen will, ­sollen Ende 2016 fertiggestellt werden. «2016 wären wir dann vermutlich aus Seuzach weg.» Michael Domeisen, Geschäftsführer der Standortförderung der Region Winterthur, schätzt die Chancen, dass das Winterthurer Parlament den Landkauf absegnet, als «sehr gross» ein. «Der Marktpreis wird bezahlt und das spült viel Geld in die Stadtkasse, zudem bringt das neue Arbeitsplätze nach Winterthur.» Es sei zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich, dass sich gewisse Kreise im Parlament für die Abgabe des Landes im Baurecht starkmachen würden. Dass Unternehmen aus der Region in Winterthur investieren, sei schön und weise auf wirtschaftliche Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum hin, sagt der Standortförderer. Ein Wermutstropfen sei aber, dass das Grundstück nicht, wie ursprünglich geplant, von einem auswärtigen Unternehmen erworben worden sei. «Das hätte neue Arbeitsplätze in die Region gebracht.»

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