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Der Wunsch nach Wasser wächst weiter

Gerade in Tagen wie diesen wird sich Winterthur bewusst, was der Stadt fehlt: ein Badegewässer. Der Waldeggsee blieb Vision, doch Eulach, Töss und die Walcheweiher werden badetauglicher getrimmt.

Kürzlich haben wir es von höchster Stelle wieder gehört. In Winterthur finde man «alles, was man braucht, ausser vielleicht einem See», sagte der abtretende Stadtpräsident in einem Interview. Ernst Wohlwend sprach aus, was spätestens seit den 1990er-Jahren in den Köpfen vieler Winterthurer verankert ist: der Wunsch nach einem offenen Gewässer, in dem sich baden lässt. Der Waldeggsee, die Vision Einen fünf Hektaren grossen und bis 10 Meter tiefen See zwischen Mattenbach und Eschenbergwald hatte der Holzbildhauer Erwin Schatzmann 1996 mit einer Volksin­itia­ti­ve gefordert. Die technische Machbarkeit wurde abgeklärt, und der Stadtrat veranschlagte die Kosten auf rund 18 Millionen Franken – war aber aus Sparsamkeit gegen den Bau: Die Stadt verfüge «auch ohne See über vielerlei landschaftliche Reize» und biete «in vielen anderen Bereichen beste Voraussetzungen für gute Lebensqualität», schrieben die Stadtoberen und liessen mitten im Winter 1999 über den Waldeggsee abstimmen. Nur 7000 sagten Ja, 20 000 lehnten ihn ab. Und doch: So nah wie damals war Winterthur einem Badegewässer noch nie und seither nie wieder. Der Vision, die sich in vielen Köpfen festgesetzt hat, verleihen wir die Note 6. Das Naturbad, wenigstens das Einen Miniaturersatz bot die Stadt erst zehn Jahre später mit dem Bau des Naturteichs im Freibad Geiselweid. Manche scheuen sich freilich, ins schlammig getrübte Wasser einzutauchen. Und wer ein paar kräftige Züge schwimmt, muss nach gut 20 Metern am Beckenrand bereits wieder wenden. Doch muss man festhalten: So schlammarm wie diesen Sommer hat sich der Biopool noch nie präsentiert. Es scheint, dass man die erneuerte Reinigungstechnik mittlerweile besser im Griff hat, was die Note 5 rechtfertigt. Die offene Eulach, das Potenzial Die Eulach ist das einzige Gewässer im Zen­trum – wenn denn etwas von ihr zu sehen wäre. 1984 wollte der damalige Bauvorsteher Peter Arbenz dies ändern und präsentierte eine Studie mit offener Eulach zwischen der Turmhalden- und der Lagerhausstrasse. Auch ein frei zugängliches Becken sollte gestaut werden. Es blieb bei der Studie. Erst als zwanzig Jahre später die Archüberbauung spruchreif wurde, erinnerten sich die Grünen an die schubladisierten Pläne und verlangten Freiheit für die Eulach, fanden aber kein Gehör. In Oberwinterthur freilich hat die Stadt gezeigt, was sich mit einer offenen Eulach erreichen lässt. Entlang des Eulachparks und der farbigen Stabilo-Überbauung darf die Eulach ihr enges tief liegendes Korsett verlassen. Die Ufer sind flach, und das Flüsschen windet sich um Steine, was fleissig zum Planschen genutzt wird. Zum Schwimmen aber fehlt ein gestautes Becken. In den kürzlich präsentierten Plänen für die ZHAW taucht die Eulach beim Technikum nun wieder auf. Man will sie wieder sicht- und erlebbar machen. Von Baden ist jedoch nicht die Rede. Fürs bisher Erreichte gibts die Note 4–5, mit mehr in Reichweite. Die Töss, Lust auf mehr Nach wie vor das beliebteste Badegewässer ist die Töss. Spricht man allerdings vom Schwimmen, fällt sie in der Rangliste zurück. An einigen Stellen (etwa zwischen Sennhof und Kyburgbrücke sowie neben der neuen Insel) aber lassen sich ein paar Züge machen. Mehr solche Schwimmgruben wären wünschenswert, vor allem im Bereich des Reitplatzes, der als wichtigster und bestfrequentierter Ort an der Töss gilt. Note über weite Strecken 4–5, schreitet der Ausbau voran, locken 5 oder 5–6. Walcheweiher, bald Geheimtipp Die Walcheweiher im Lindbergwald sind ein Bijou, waren als Badegewässer aber bisher nicht zu brauchen, obschon das Baden erlaubt wäre. Zu steile Ufer, zu düster, zu viele Wasserpflanzen. Derzeit wird an den drei Weihern mit schweren Maschinen gebaggert, ausgelichtet ist schon, und die Umgestaltung verspricht einen 1-a-Badeteich. Sollten aber Badegäste nächstes Jahr die Picknicker und Pfadfinder verdrängen, heisst es bei der Stadt, müsse man sich Massnahmen überlegen. Behandeln wir die Walcheweiher also als Geheimtipp und geben ihnen nur eine 4 – damit nicht allzu viele hingehen.

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