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Deutsche Zöllner fassen mehr Schmuggler

Den deutschen Zoll hält nicht nur die Kaufwut der Schweizer auf Trab. Im letzten Jahr stieg auch die Zahl der Schmuggelfälle um 50 Prozent.

Im Mai vergangenen Jahres wollte ein Rentnerpaar im Alter von 75 und 78 Jahren den Grenzübergang Dettighofen im Landkreis Waldshut Richtung Deutschland passieren. Als die Zöllner von den Senioren wissen wollten, ob sie Bargeld über 10 000 Euro mit sich führten, verneinten beide. Bei einer Kontrolle fanden die Beamten aber fast 20 000 Euro in der Handtasche der Frau und knapp 10 000 Euro im Portemonnaie des Mannes. Also fragten sie nach, ob sie noch mehr Geld dabeihätten. Auch diese Frage verneinte das Paar vehement. Doch die Zöllner liessen nicht locker und fanden prompt noch mehr Geld: 27 000 Euro, versteckt in den Schuhen des Ehepaars. Insgesamt 57 000 Euro wurden so sichergestellt.

Dieser Fall, den das Hauptzollamt Singen gestern bei der Präsentation seiner Jahresbilanz mit «Teures Schuhwerk» betitelte, ist einer von 6300 Schmuggelfällen, die 2013 im Zuständigkeitsgebiet des Zollamts zwischen Bad Säckingen und Konstanz aufgedeckt wurden. Die Zahl der Fälle hat damit im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent zugenommen.

Laut Udo Kohlschreiber, Leitender Regierungsdirektor des Zollamts, lässt sich die markante Zunahme mit einer Reorganisation erklären: Die einen Teams sind nur noch für Kontrollen, die anderen fürs Abstempeln der Ausfuhrzettel zuständig. Zudem hat das Zollamt Singen im vergangenen Jahr seine Strategie geändert. Die Beamten haben begonnen, nur noch an jenen Orten Kontrollen durchzuführen, wo sie ein Schmuggelrisiko vermuteten. Dazu haben sie vorgängig die Tages- und Jahreszeiten sowie die regelmässig verwendeten Schmuggelrouten ausgewertet. Dank der neuen Strategie waren die Zöllner laut Kohlschreiber erfolgreicher, obwohl sie weniger oft kon­trol­liert haben.

Vor allem Geld wird versteckt

Massiv zugenommen hat 2013 der Geldschmuggel von der Schweiz nach Deutschland: Bei den Kontrollen fanden Zöllner 18,9 Millionen Euro unangemeldetes Bargeld – sieben Millionen mehr als 2012. Neben dem Rentnerpaar mit dem «teuren Schuhwerk» flogen unter anderem zwei Brüder auf, die rund 200 000 Euro über den Grenzübergang Bietingen/Gottmadingen schaffen wollten. Denselben Zoll mit noch mehr Geld beabsichtigte ein Vater mit seinem Sohn zu passieren: Bei der Kontrolle des Autos fanden Zöllner 250 000 Euro in einem Schuhkarton im Kofferraum. Verdacht hatten sie geschöpft, als sie im Portemonnaie des Vaters eine Visitenkarte einer Liechtensteiner Bank entdeckten.

Geschmuggelt wurden vergangenes Jahr unter anderem auch vier Vogelspinnen, ein Klavier, zwei Sportwagen und 73 Kilogramm Wasserpfeifentabak und Autogrammkarten mit den Unterschriften von Fussballern wie Uwe Seeler im Wert von 10 000 Euro.

So viele Einkäufe wie noch nie

Mit rund neun Millionen Ausfuhrscheinen hat das Zollamt auch einen neuen Rekord erzielt, was den legalen Gütertransfer über die Grenze angeht. Pressesprecher Michael Hauck pro­gnostiziert, dass die Zunahme nun abflachen werde. «Aber solange das Verhältnis zwischen Euro und Franken gleich bleibt, wird es sicherlich keine Abnahme geben.» Derzeit prüfe eine Arbeitsgruppe, ob eine elektronische Abwicklung der Mehrwertsteuerrückerstattung möglich sei.

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