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Dialog von hier nach da

Es geht um Gefühle und Politik, um Geld und Freundschaft – drei Jahre lang führen die Schriftsteller Paul Auster und J. M. Coetzee einen Dialog in Briefform.

Vor sechs Jahren haben die beiden Literaten, der Südafrikaner J. M. Coetzee und der US-Amerikaner Paul Auster, begonnen, so etwas wie eine Brieffreundschaft auf Zeit zu pflegen. Drei Jahre lang haben sie sich regelmässig geschrieben und das Ergebnis nun in Buchform veröffentlicht. Der grosse Reiz für den Leser besteht dabei darin, jenseits ihrer Werke einen Einblick in ihre Arbeit, ihren Alltag, aber auch ihre Vorlieben und Sorgen zu bekommen. Die Briefe drehen sich um Sport, Liebe, Essen, Kritik oder auch Politisches.

In «Von hier nach da» gelingt Auster und Coetzee ein sehr persönlicher und offener Dialog, der aufgrund der eher knapp gehaltenen Briefe nie langatmig oder zu eitel zu werden droht. Stattdessen gewährt der Literaturnobelpreisträger und zweimal mit dem Booker Prize ausgezeichnete Coetzee unter anderem einen überraschenden Einblick in seine eigene Hilflosigkeit im Umgang mit Lesern, die nicht zwischen Romanfigur und Autor trennen können.

Als ihm eine Leserin die antisemitische Bemerkung einer Protagonistin in «Zeitlupe» (Diary of a Bad Year», 2007) als persönliche Überzeugung auslegt, weiss Coetzee nicht, was er der Ungeheuerlichkeit des Vorwurfs entgegenhalten und ob er überhaupt dar­auf reagieren soll.

Immer wieder rücken die beiden aber auch eigene Befindlichkeiten ins Zen­trum ihrer Überlegungen. Etwa wenn Coetzee seine Sorge vor den ersten Anzeichen für ein mögliches Nachlassen der geistigen Kräfte schildert. Oder die gesundheitlichen Folgen, die das unstete Leben als Literaturstar mit sich bringt: eine jahrelange, zermürbende Schlaflosigkeit.

Doch es sind nicht nur die persönlichen Belange, ihre Erfolge und Niederlagen, die die beiden umtreiben. Auch die Finanzkrise und der Nahostkonflikt sind Themen, die beide beschäftigen – und mehr oder weniger ratlos zurücklassen. Ben Reichardt, dpa

Paul Auster und J. M. Coetzee: Von hier nach da, Briefe 2008–2011. Frankfurt, Fischer-Verlag, 286 Seiten, 22.90 Fr.

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