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Die Adria wirklich einmal ganz anders

Drei Länder, eine ­Ferienregion. Der ehemalige österreichische Adriazugang putzt sich heute wieder für Touristen heraus: verwöhnt von mildem Klima, beschenkt mit venezianischen Hafenstädten und glasklarem ­Wasser.

Istrien ist im Trend. Vor allem bei süddeutschen, österreichischen und norditalienischen Urlaubern. Für sie ist die istrische Adriaküste fast ein Kurzreiseziel. Die sonnige Halbinsel weckte schon früh Begehrlichkeiten. Mittelalterliche Städtchen auf den bewaldeten Hügeln zeugen von feudalen Strukturen. Das fruchtbare Land wanderte von den Römern an die Slawen, wurde fränkisch, bayrisch und habsburgisch. Die Westküste ist noch heute von 400 Jahren venezianischer Herrschaft geprägt. Sie ist das Ziel von jährlich über drei Millionen Gästen. Die Reise beginnt in Muggia am Golf von Triest. Die kleine italienische Gemeinde gehört historisch zur Region Istrien und hatte ihre Blütezeit als grösste Werft der K.-u.-k.-Monarchie im 19. Jahrhundert. Touristisch relevanter ist der knapp 47 Kilometer lange slowenische Küstenabschnitt. Mit Piran erreicht man einen der stimmungsvollsten Orte auf der Route. Die Geburtsstadt Giuseppe Tartinis streckt sich über eine spektakuläre Land­zunge. In ihrem Zentrum liegt die Piazza als öffentlicher Salon. Von venezianischer Gotik bis zur Barockkirche strahlen die makellosen Fassaden. Auf den Plätzen der autofreien Altstadt wird im Sommer getafelt und getrunken. Und ringsherum rauscht das Meer her­an. Ein Fest für die Sinne, das am besten von der Dachterrassenbar des Hotels Tartini aus beobachtet werden kann. Trüffel, Honig, Lavendel Der Nachbarort Portoroz bietet High-Class-Hotellerie und eine belebte Amüsiermeile. Dabei fasst der aufgeschüttete Sandstrand 3300 Sonnenanbeter. Anhand der bestehenden Infrastruktur ist spürbar, dass Slowenien gegenüber Kroatien einen Vorsprung als EU-Mitglied hat. Doch nach der Fahrt über die Grenze wird klar, dass auch dort Investoren die Zeichen der Zeit erkannt haben. Neue Hotels und Eigentumswohnungen entstehen, deren Standard deutlich über dem bestehenden liegt. An strategisch guter Lage wachsen die Hafenstädtchen Umag und Novigrad oder Umago und Cittanova ­d’Istria, wie die Orte in der offiziell zweisprachigen Region auf Italienisch heissen. Die Gegend rund um Porec ist das touristische Zentrum im kroa­ti­schen Teil Istriens. Ob Hafenpromenade oder Kirchplatz, der Ferienort lädt zum Flanieren ein und ist gastronomisch gut ausgestattet. Vor allem die Weinstuben sind einen Besuch wert. Trüffel(öle), Honiggläser und Lavendelprodukte sind allgegenwärtig. Die Restaurants werben mit grossen Fotos für ihre Fischplatten. Ein Tipp: Es lohnt sich nicht, nach der günstigsten Fischplatte zu suchen. Die Preise sind aufeinander abgestimmt, und wer sie unterbietet, legt einfach ein paar kleinere Fische aufs Blech. Wiege des Christentums Ein Höhepunkt ist die Besichtigung der Euphrasius-Basilika aus dem 6. Jahrhundert (Unesco-Welt­erbe). Mit durchdringendem Blick schauen die Heiligen von den Mosaiken auf den Besucher. Seit 1500 Jahren finden hier christliche Gottesdienste statt. Die Basilika ist nach wie vor eine aktive Kirche im Bischofspalast. Auch den Glockenturm sollte man besteigen, um die herrliche Aussicht aufs Wasser zu geniessen. Etwas weiter südlich befindet sich Rovinj, das ähnlich wie Porec einst eine vorgelagerte venezianische Festung war. Auf glatten, abgelaufenen Pflastersteinen führen verwinkelte Gässchen zur Kirche mit dem charakteristischen Campanile. Der quadratische Turm mit dem spitzen Dach begegnet dem Reisenden auf der Adriaseite häufig. Weiter südlich wird die Landschaft immer tos­kanischer, mit Olivenhainen und Zy­pres­sen. Häufig weisen Strassenschilder auf Konobas, typische istrische Gasthäuser, hin. Hier trifft der Reisende nicht nur auf ein rustikales Ambiente, sondern auch auf deftige Hausmannskost. Im Landesinneren wird gerne Wildragout oder Boskarin-Rind gekocht. Dazu gibt es Polenta oder Fuzi-Nudeln. Kartoffeln und Mangold dürfen als Beilage nicht fehlen. An der Küste kommen Fische und Meeresfrüchte auf den Grill. Märkte sind Mangelware In der Saison ist es schwierig geworden, eine schöne Ferienwohnung zu ergattern. So bringt mancher seinen Caravan mit und stellt ihn auf einem der zahlreichen Plätze im grünen Hinterland ab. Die Selbstversorgung erfolgt über Discounter internationaler Ketten. Dabei haben die Preise in den Mega-Märkten westeuropäisches Niveau. Lokale Märkte sind Mangelware. Dies dürfte eine Nachwirkung der staatlich geregelten sozialistischen Warenverteilung sein. Eine Stadt mit einem offenen Markt ist Pula an der Südspitze der Halbinsel. Einst erstreckte sich das Römische Reich bis nach Istrien. Das Amphitheater, der Sergierbogen und der Augustustempel stehen als überwältigende Zeugen in der Altstadt von Pula. Selten kann man die Ausmasse einer römischen Stadt so gut nachvollziehen. Das geschäftige Treiben in der Fussgängerzone scheint sich seit Jahr­tausenden unverändert zu vollziehen. Titos Sommerresidenz Ein interessantes Ausflugsziel ist auch der Nationalpark Brijuni-Inseln nicht weit von Pula. Vom Hafenstädtchen Fazana gelangt der Besucher, nachdem er ein Nationalpark-Ticket gelöst hat, in 15 Minuten zum Hauptort Veli Brijun. Der Eintritt schliesst immer Überfahrt und dreistündige Führung ein, auch wenn man sich auf der Insel frei bewegen kann. Da die Mietfahrräder meist von den Hotelgästen auf der Insel reserviert sind, empfiehlt es sich, für den Halbtagesausflug entspannt im kleinen Touristenzug Platz zu nehmen, der die wichtigsten Sehens­würdigkeiten ansteuert: Ausser weiteren römischen Ruinen, einem Kirchlein und einem sehr überschaubaren Safaripark sind das vor allem die herrlichen Buchten, in denen das Baden aller­dings verboten ist. Nicht versäumen sollte man das kuriose Tito-Museum, das neben ausgestopften Tieren aus der Sammlung des letzten jugo­slawischen Staats- und Parteichefs auch das rege High-Society-Leben auf der Insel dokumentiert. Beliebtes Fotomotiv ist Titos Cadillac, der heute, so erzählt es Reiseführer Andrej, gerne von russischen Gästen für eine Ausfahrt gemietet wird. Ab 1947 hielt sich der mächtigste Mann des Vielvölkerstaates sechs Monate im Jahr auf dem paradiesischen Eiland auf, empfing mit Vorliebe Staatsgäste und Filmstars. Die Bevölkerung hatte keinen Zugang zu den Inseln. Auch heute befinden sich wieder Gästehäuser für Regierungsmitglieder auf Veli Brijun. Die istrische Halbinsel ist ein malerischer Flecken Erde, dessen mediterrane Landschaft zu allen Zeiten Besucher (und Besatzer) anzog. Die langjährige touristische Geschichte hat eine gastfreundliche Mentalität herausgebildet, die in den letzten Jahren wieder besonders kultiviert wird. Immer mehr Kulturfestivals, Weinfeste und Gastronomie-Events entstehen. Mit Entdeckerfreude und etwas Musse findet sicher jeder seinen privaten Lieblingsplatz in Istrien.

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