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Die amerikanische Geschichte schreibt ein Kanadier

Aussenseiter Dustin Cook muss sich im WM-Super-G einzig Hannes Reichelt geschlagen geben – die Swiss-Ski-Vertreter gehen leer aus.

Super-G ist Pokern auf Skiern. Trainingslauf gibt es keinen, nur eine Besichtigung. Will heissen, der Athlet muss im Schritttempo fahrend abschätzen, wie viel Risiko es in den jeweiligen Passagen verträgt, wenn er später im Autobahntempo durch die Tore rasen wird. Im WM-Rennen von Beaver Creek gestaltet sich diese Auf­gabe offensichtlich besonders schwierig. Kaum einer kommt ohne Missgeschick durch, der Wettkampf erinnert an ein Rodeo; wer über das Limit hinausgeht, wird unsanft abgeworfen. Prominentestes Opfer ist Bode Miller, der Rückkehrer, welcher im unteren Teil nach wildem, aber schnellem Ritt an einem Tor hängen bleibt, sich fliegend um die eigene Achse dreht und ausgerechnet auf der messerscharfen Kante seines Skis landet. Die Fleischwunde in der Wade sieht übel aus, seine Teilnahme an der Abfahrt vom Samstag muss infrage gestellt werden. Défago fehlt wenig Favorit Kjetil Jansrud ergeht es nicht viel besser. Der Norweger überdreht den Motor bereits in den ersten Toren; es scheint, als wolle er mit dem Kopf durch die Wand. Schnell ist er trotzdem, im Ziel trennen den Olympiasieger drei Hundertstel vom Podest und deren 27 von der Goldmedaille. Letztere wird sich Hannes Reichelt umhängen lassen dürfen, welcher im untersten Teil eine Schrecksekunde erlebt – bei Dominique Gisin führte ein vergleichbarer Verschneider in Cortina zur jener Schienbeinkopf-Fraktur, die sie die Teilnahme an den WM-Speedrennen kostet. Der Lauberhornsieger hat mehr Glück; er bestätigt seinen Triumph im Weltcuprennen an gleicher Stätte, obwohl der Kurs einen Tick stärker dreht als Anfang Dezember. Sein Jubel lässt erahnen, wie gross die Genugtuung sein dürfte. Im Januar 2014 gewann er den Klassiker in Kitzbühel, kurz dar­auf erlitt er einen Bandscheibenvorfall – der Gipfel in Sotschi fand ohne den passionierten Hornbläser aus dem Salzburgerland statt. Reichelt wird im Sommer 35, der Olympiazug dürfte abgefahren sein. Stehen die Österreicher nach zwei WM-Rennen mit zwei Goldmedaillen da, lassen sich die Schweizer nicht als gewiefte Pokerspieler bezeichnen. Didier Défago sucht im Zielraum nach Worten und findet jene, welche er fast immer ausspricht, wenn es keinen Grund gibt, sich zu freuen. «Ich muss weiter kämpfen», sagt der Walliser im Hinblick auf die samstägliche Abfahrt. Das Verdikt ist bitter, trennen ihn als Siebenten doch nur 15 Hundertstel von Bronzegewinner Adrien Theaux. Den Sprung aufs Podest vergab der 37-Jährige im Mittelteil, der Druck auf die Kanten dürfte zu hoch gewesen sein. Carlo Janka (12.), Patrick Küng (16.) und Mauro Caviezel (17.) waren chancenlos. Rufener wird beschenkt Die Geschichte des Tages, eine ­typisch amerikanische, schreibt Dustin Cook, ein Kanadier. Als sich der Puls bei den vermeintlichen Medaillengewinnern langsam zu senken beginnt, lässt die Startnummer 28 mit hervorragenden Zwischenzeiten aufhorchen. Nur elf Hundertstel fehlen dem 25-Jährigen zum ganz grossen Coup, der Freude tut die geringe Differenz keinen Abbruch. Martin Rufener – der Berner Oberländer amtet bei den Kanadiern als Alpinchef – spricht von einer «Sensation für uns alle». Für Rufener persönlich handelt es sich auch um ein verspätetes Geschenk, feierte der frühere Erfolgstrainer der Schweizer doch am Mittwoch seinen 56. Geburtstag.

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