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Die Anklage fiel in sich zusammen

Ein Mann aus der Region soll seine Ehefrau jahrelang misshandelt haben. Das Winterthurer Bezirks­gericht hat ihn dafür verurteilt. Das Obergericht sah es nun aber anders.

«Ich bin ohne Beweise und Zeugen vorverurteilt worden», beschwerte sich der heute 52-Jährige aus dem Bezirk Winterthur am Dienstag vor Obergericht. Sein Unmut richtete sich gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur. Es hatte den türkischen Staatsangehörigen im November 2013 wegen Gefährdung des Lebens, mehrfacher Körperverletzung, mehrfacher Nötigung, mehrfacher Drohung sowie Tätlichkeiten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren und einer Busse von 600 Franken verurteilt. Zudem sollte der Mann seiner aus der Slowakei stammenden Noch-Ehefrau eine Genugtuung von 3000 Franken bezahlen. Über ein Jahr im Gefängnis Der Beschuldigte wurde nach einer Anzeige der Ehefrau im November 2012 festgenommen und verbrachte danach über ein Jahr in Untersuchungshaft. Im Juli 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage und lastete dem nicht geständigen Beschuldigten diverse Übergriffe zulasten der Geschädigten an. Dabei war von Schlagen, Bespucken und Beschimpfen die Rede. Zum schlimmsten Vorfall soll es im Sommer 2010 gekommen sein. Laut Anklage ging der Mann mit einem Fleischmesser auf seine Frau los und verletzte sie am kleinen Finger. Zuvor hatte er ihr die Klinge an den Hals gehalten. Vor Obergericht beteuerte der Angeschuldigte vehement seine Unschuld. Es sei zwar zu Streitigkeiten gekommen, jedoch nicht so, wie in der Anklage geschildert. Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und sprach von einer Ehe, die von Misstrauen, Beschimpfungen und Anschuldigungen geprägt gewesen sei. Der Rechtsanwalt zog auch die Glaubwürdigkeit der sehr selbstsicheren und dominanten Frau in Zweifel. Sie habe sich während der Untersuchung nicht nur in Widersprüche verwickelt, sondern sich auch während der Ehe widersprüchlich verhalten, indem sie den Beschuldigten mehrmals verlassen habe, aber immer wieder zurückgekehrt sei. Freispruch, Schmerzensgeld Der zuständige Staatsanwalt verlangte nicht nur die Bestätigung der Winterthurer Schuldsprüche, sondern forderte eine Erhöhung der Strafe auf vier Jahre. Doch diesmal sprachen die Richter den Beschuldigten mangels Beweisen im Sinne der Unschuldsvermutung umfassend frei. Dies auch, weil die Anklage faktisch keine brauchbaren Zeugen eingebracht hatte. Aufgrund des umfassenden Freispruchs wurde dem entlasteten Mann eine Genugtuung von 37 500 Franken zugesprochen.

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