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Die Arbeit zu spät angepackt

Der EHC Winterthur verschläft in Romanshorn die ersten 40 Minuten und verliert sein zweites Spiel in der neuen 1.-Liga-Saison 0:3 (0:0, 0:1, 0:2).

«Talent macht nie den Unterschied aus, wenn man nicht hart genug arbeitet.» Das erklärte EHCW-Trainer Markus Studer nach der 0:3-Niederlage seines Teams gegen die Pikes. «Gewonnen hat diejenige Mannschaft, die das ganze Spiel dafür gearbeitet hat», lautete sein Fazit. Doch was heisst Arbeit im Zusammenhang mit Eishockey? Es bedeutet zu laufen, einen Schritt mehr zu machen als der Gegner. Es bedeutet, auf den Körper zu spielen. Und es bedeutet blaue Flecken: vor dem gegnerischen Tor, wo man herumgestossen wird, und vor dem eigenen, wo die Schüsse geblockt werden müssen. Diese Dinge hat der EHCW nicht konsequent genug erledigt, zumindest hat er zu spät damit begonnen. So richtig nämlich erst im letzten Drittel, als er bereits 0:1 und bald 0:2 zurücklag und bei den Pikes schon längst die Hoffnung genährt worden war, dass diesmal Punkte drin lägen gegen die Winterthurer, was in der Vergangenheit nur in Ausnahmefällen vorgekommen war. Starker Auftritt der Pikes Das Heimteam hatte sich freilich mit einer sehr guten Leistung in diese gute Ausgangslage verbracht, die es dann auch nicht mehr verspielte. Es verteidigte konsequent, räumte vor allem vor dem eigenen Tor rigoros auf und suchte den Gegenstoss, wenn immer sich die Gelegenheit dazu bot. Klar: In den letzten Minuten ging den Pikes zunehmend der Saft aus. Denn ihr Trainer Christian Modes hatte, anders als es in dieser Liga mittlerweile üblich geworden ist, nur auf drei Blöcke vertraut statt vier, oder wenigstens vier Sturmlinien. Aber die Kraft reichte. Als Christian Strasser 77 Sekunden vor Schluss mit seinem zweiten Tor, einem Schuss ins leere Gehäuse, das 3:0 erzielte, war alles klar. Zuvor hatte der EHCW ohne Torhüter und mit zwei Feldspielern mehr auf dem Eis vergeblich versucht nachzuholen, was er zu einem früheren Zeitpunkt verpasst hatte. Gestartet waren die Winterthurer gar nicht schlecht. Anfänglich schien es, als würden sie an die beim 2:0-Erfolg gegen Seewen gezeigte Leistung anknüpfen. Sie übernahmen das Kommando, verfielen aber schon bald in allzu langatmige und komplizierte Angriffszüge und wurden von den kecken Pikes auch immer wieder erfolgreich im Aufbau gestört. Trotzdem boten sich dem Studer-Team Chancen. So waren die ersten Powerplays nicht schlecht angelegt, «aber auch das war nicht zwingend, nicht konsequent genug», kritisierte Trainer Studer. Umgekehrt präsentierten auch die Thurgauer ein starkes Powerplay. Mehrmals musste EHCW-Goalie Remo Oehninger seine Mannschaft vor einem Rückstand bewahren, weit öfter, als er das gegen Seewen hatte tun müssen. Am Ende war es auch der individuellen Klasse von Einzelspielern zuzuschreiben, dass das Resultat zugunsten der Pikes ausfiel. Im Powerplay gingen sie in der 29. Minute durch Manuel Neff in Führung, nachdem sie die Scheibe zweimal durch die Winterthurer Box gespielt hatten. Und in der 45. Minute erhöhte Strasser mit einer sehenswerten Einzelaktion auf 2:0, wobei die Winterthurer nicht eben dezidiert eingriffen. «Chügele» statt Drecksarbeit Gewiss hätte der Match auch einen anderen Verlauf nehmen können: Beispielsweise traf Spencer Rezek kurz vor dem 0:1 nur die Latte. «Aber wie viele solche Möglichkeiten hatten wir in den ersten 40 Minuten?», fragte Studer danach. Es waren nicht viele. Vor allem schafften es Studers Stürmer nicht, sich vor dem Tor der Pikes so zu positionieren, dass sie auch einmal an einen Abpraller herankamen. Der Grund dafür war Studer klar: «Wir waren nicht bereit dafür, wollten lieber ‹chügele›, statt Drecksarbeit zu verrichten.» Erst nach dem 0:2 legte der EHCW zu. Er erspielte und erkämpfte sich noch einige gute Chancen und hatte auch nochmals Pech, dass Steven Schmid mit einem Ablenker nur die Torumrandung traf. Aber da war es schon zu spät. Längst hatte man den Eindruck erhalten, dass sich Pikes-Goalie Carlo Mazza an diesem Abend nicht bezwingen lassen würde, «obwohl er kaum eine Scheibe hat festhalten können», wie EHCW-Trainer Studer betonte. Gerichtet war die Kritik nicht an den tüchtigen Mazza, sondern an seine eigenen Spieler, die daraus keinen Profit zogen. «Reine Trainingssache» Es ist gut möglich, dass die umformierte Winterthurer Mannschaft noch Zeit braucht, bis sie wunschgemäss harmoniert. Diese Erfahrung machte auch Dübendorf, der andere grosse Favorit auf den Gruppensieg, beim 0:4 in Seewen. Aber die Winterthurer dürfen nicht noch einmal in den Verdacht geraten, nicht hart genug gearbeitet zu haben. Denn das weiss man aus der Vergangenheit: Wenn solche Tendenzen nicht frühzeitig abgestellt werden, ziehen sie sich durch die ganze Saison. Trainer Studer ist zuversichtlich: «Dreck fressen und Schüsse blockieren – das ist reine Trainingssache», ist er überzeugt. Die Gelegenheit, es besser zu machen, erhalten seine Spieler bald: Ab Mittwoch bestreiten sie drei Heimspiele hintereinander: erst gegen Herisau, dann gegen Arosa und Frauenfeld.

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