Zum Hauptinhalt springen

Die Augenblicke der Aufregung

Die Tour de Suisse hatte ihr Ziel gestern in Ossingen. Die Profis sind dreimal durch das Dorf gefahren. Die vielen Zuschauer machten daraus ein Fest.

Die Rennfahrer kommen das erste Mal die Zielgerade entlang und die älteren Herren in der Festbeiz, hundert Meter vor dem Ziel, klettern auf die Festbänke. Sie können über die Köpfe und Sonnenhüte der Zuschauer sehen, welche an den Banden stehen. Aus den Boxen schallt «We Will Rock You» und die vielen Jugendlichen schlagen mit der flachen Hand auf die Absperrungen, dass es klingt wie ein Gewitter. Dann schwebt der He­li­ko­pter über der Strasse, man blickt nach oben und winkt. Nun treten auch die hervor, die bislang im Schatten gewartet hatten, denn: Jetzt sind die Führenden da. Daniel Teklehaimanot aus Eritrea und der Belgier Laurens de Vreese ernten den Jubel Ossingens. Drei Minuten später folgt das Feld. Vreni Werner aus Schaffhausen schaut kon­zen­triert auf die vorbeiflitzenden Sportler. Sie sucht den Mann, der das Gelbe Trikot trägt: der Gesamtführende Tony Martin aus Deutschland. Ihr Mann Viktor steht etwas abseits. Er sagt: «Ich habe ihretwegen herkommen müssen.» Ihn interessiere das Velofahren schon auch, aber sie sei der Fan. Und Vreni sagt, sie finde es gut, dass Tony Martin so eine gute Tour de Suisse fahre. Sie verfolgt die Radsaison, schaut manche Rennen am Fernsehen. «Und wir fahren auch gerne Velo. Aber wir sind ja Rentner», sagt sie. Das Nachwuchstalent Die Zuschauer können das Rennen auf einer Grossleinwand schauen, die über der Zielgeraden hängt. Das führt bei jeder Durchfahrt des Feldes dazu, dass man ob der Fernsehbilder um ein Haar das Live-Erlebnis verpasst. Während das Feld die erste von zwei Schlaufen durch das Weinland zieht, stellen Raoul und Manuel Hofer aus Hagenbuch ihre Rennvelos an den Zaun, der das Festgelände für die Tour de Suisse vom Gelände für das Turnfest trennt, das auch in Ossingen stattfindet. Vater Raoul und Sohn Manuel unternehmen regelmässig Touren. Manuel ist Rennfahrer: Seit vier Jahren gehört er zum RMV Elgg. Zum Velofahren kam er nicht zuletzt, weil sein Vater in der Kindheit Radball gespielt hat. Manuel ist ein Bergspezialist und hat vor zwei Jahren die Züri-Metzgete in seiner Altersklasse, den unter Elfjährigen, gewonnen. «Es war ein Solosieg», sagt er stolz. In Ossingen möchte er die beiden Schweizer Fahrer Martin Elmiger und Mathias Frank aus der Nähe sehen. Als das Feld zum zweiten Mal auf Ossingen zukommt, zieht die Werbekarawane die Aufmerksamkeit auf sich. Die Zuschauer sammeln eifrig, was es gibt (siehe Text unten). Die Wartezeit könnte lang werden, bis die Fahrer wieder vorbeiflitzen, doch dank der lauten Musik und der vielen Geschenke vergeht sie im Nu. Der Olympiasieger stürzt Die Zuschauer empfangen die Fahrer wieder mit Begeisterung, an der Rennsi­tua­tion hat sich nichts geändert. Mit einem Sirren und Zischen fahren die Profis zwischen den Abschrankungen hindurch und zurück bleiben, 250 Meter vor dem Ziel, Bradley Wiggins und der Pole Jaroslaw Marycz. Sie sind hinten im Feld gefahren, gestürzt und sitzen nun am Boden. Olympia- und Tour-de-France-Sieger Wiggins hat zwei Wunden oberhalb der Kniescheibe. Marycz ist unverletzt, doch an seinem Velo ist der Wechsler abgerissen. Während er auf ein Ersatzvelo wartet, kümmert sich ein Betreuer um Wiggins’ Knie. Die Fotografen machen ihre Bilder. Die Zuschauer treten heran als Zeugen eines Sturzes. Einer sagt: «Das ist schnell gegangen, gell?» Wiggins sitzt endlich auf mit blutendem Knie, fährt los. «Hopp, hopp, hopp», ruft der Mann und sagt zu seiner Frau: «Das ist eigentlich schon brutal, gell?»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch