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Die Baronenscheune wird versteigert – die Kunstschule bangt um ihre Zukunft

Früher waren hier die Betrüger-Büros der konkursiten Krankenkasse KBV. Heute sitzen kreative Köpfe in der Badgasse 3. Doch deren Perspektive ist ungewiss, denn schon bald steht das Haus zum Verkauf.

«Wir haben hier ideale Bedingungen», sagt der Leiter der Kunstschule Alanus Oesterle. Er hofft, dass die Schule weiterhin in der Badgasse 3 bleiben kann.
«Wir haben hier ideale Bedingungen», sagt der Leiter der Kunstschule Alanus Oesterle. Er hofft, dass die Schule weiterhin in der Badgasse 3 bleiben kann.
Heinz Diener

Von aussen ist es ein unscheinbares Haus mit viel Weissfläche. Einziger Schmuck ist ein feines Giebelwerk unter dem Holzdach. Die orangen Backsteinmauern der Gewerbepolizei gegenüber sind jedenfalls deutlich auffälliger. Von Unscheinbarkeit kann im Innern der Badgasse 3, zwischen Neustadtgasse und Graben gelegen, jedoch keine Rede sein.

Auf vier Stockwerken entsteht in der sogenannten Baronenscheune in unzähligen Arbeitsstunden unendlich viel Kreatives. Im Erdgeschoss erlernen Kinder die Grundlagen des Malens, und Senioren gestalten erstmals 3D-Objekte am Computer. In den oberen Etagen absolvieren junge Erwachsene ihr Propädeutikum, das gestalterische Zwischenjahr vor einem Studium oder einer Lehre. Überall wird gezeichnet und geschnipselt. Mit dem Laptop auf den Knien werden Modedesigns entworfen. Das Kreativhaus wird von der Kunstschule Winterthur geführt. Die Schule gibt es auch in anderen Schweizer Städten, an der Badgasse ist sie seit 2010. Doch nun droht Ungemach, denn das Gebäude hat, zumindest in geschäftlicher Hinsicht, eine düstere Vergangenheit.

Millionen mit falschen Senioren

Es war kurz vor der Jahrtausendwende als vier Geschäftsmänner in den Badgasse-Büros einen Mega-Betrug starteten. Als Direktoren der damaligen Winterthurer Krankenkasse KBV erfanden sie tausende neue Kunden, vor allem Pensionierte. Von diesen fiktiven Personen fälschten sie Arzt- und Spitalrechnungen und erhielten so Geld vom Ausgleichsfonds. Sie erbeuteten gesamthaft neun Millionen Franken, und sie wurden erst 2003 von den Statistikern des Ausgleichsfonds überführt und von der Polizei verhaftet. 2012 bestätigte das Bundesgericht ihre teils mehrjährigen Haftstrafen.

Nicht nur die Strafverfahren sondern auch die Liquidation der konkursiten Krankenkasse zog sich über Jahre hin. Die Gläubiger hofften vor allem auf die rasche Versteigerung des einstigen Firmensitzes, der Baronenscheune an der Badgasse. Nun gibt es endlich grünes Licht: Ende November lagen die Versteigerungsbedingungen beim Winterthurer Konkursamt öffentlich auf, Einwendungen gingen keine ein. Damit darf das Haus ab sofort versteigert werden. Beim zuständigen Notariatsinspektorat des Kantons nennt man noch keinen konkreten Termin.

Voraussichtlich werde die Versteigerung aber im nächsten halben Jahr stattfinden. Das Geschäft ist für die Notare speziell: «Das ist definitiv keine 0815-Angelegenheit sondern eine grössere Versteigerung», heisst es auf Anfrage. Das hiesige Konkursamt schätzt das Gebäude auf etwas über drei Millionen Franken.

Kunstschule hofft auf gütigen Käufer

Über diese Summe verfügt die Kunstschule Winterthur nicht mal ansatzweise. «Deshalb suchen wir jemanden, der das Haus für uns kauft», sagt der Schulleiter Alanus Oesterle. Er blickt der Versteigerung mit Bangnis entgegen und hofft, dass die Kunstschüler wenigstens in einem Teil des Gebäudes bleiben können. «Wir haben hier ideale Bedingungen.»

Doch auch im schlimmsten Falle, dem Rauswurf durch einen neuen Besitzer, will Oesterle in der Stadt bleiben. «Die Kunstschule ist eng mit Winterthur verbunden, die Schüler und Kunden kommen aus der Region und den angrenzenden Kantonen.» Interessierte können das Haus bald besichtigen. Schon in einigen Wochen will das Notariatsinspektorat im Vorfeld der Versteigerung Führungen anbieten.

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