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Die Bayern aus Rücklage

München. Der FC Barcelona scheiterte in den Viertelfinals der Champions League an Atletico Madrid. Bayern München aber eliminierte Manchester United nach einem Rückstand mit einem 3:1.

Der FC Bayern hat in der Bundesliga seine Pflicht schon lange erledigt und seinen Titel verteidigt. In der Champions League hat er das selbe Ziel, und für seinen Viertelfinal galt er als klarer Favorit gegen Manchester United. Er war das nach der Auslosung und nach dem 1:1 im Hinspiel in Old Trafford noch mehr. Aber dann hatten die Münchner im Heimspiel in der heimischen Arena eine sehr harte Aufgabe zu lösen, um den Erwartungen gerecht zu werden. Aber sie schafften es schliesslich.

Gegner Manchester United war in der Endphase einer für ihn völlig enttäuschenden Saison zwar fähig, dem Favoriten einen harten Kampf zu liefern, ihn zwischendurch gar an den Rand des Scheiterns zu schieben. Aber dann waren die Briten doch nicht stark genug, der überlegenen spielerischen Klasse der Deutschen zu widerstehen. So lange sie sehr defensiv spielten, ging die Rechnung der Briten auf. Ein 0:0 hätte ihnen aufgrund des Münchner Auswärtstors zwar nicht gereicht. Dann gingen sie durch ein sensationelles Tor ihres Linksverteidigers Patrice Evra in der 57. Minute gar in Führung. Nun schien gar sehr vieles für sie zu sprechen. Aber 69 Sekunden später schoss Mario Mandzukic nach einem Flankenball Franck Ribérys per Kopf das 1:1.

Fortan liessen sich die Briten auf ein offeneres Spiel ein und wurden dafür von der an Klasse reicheren Mannschaft schnell bestraft – mit zwei weiteren Toren in den nächsten 17 Minuten. Massgeblichste Figur dabei war Rechtsaussen Arjen Robben. Zuerst bereitete er mit einem flachen Querpass auf Thomas Müller dessen 2:1 per Direktschuss vor. Dann dribbelte er sich der Strafraumgrenze entlang an Evra und Nemanja Vidic vorbei – und hatte am Schluss das Glück, dass sein eher harmloser Flachschuss von Vidic für David De Gea unerreichbar abgelenkt wurde.

In dieser zweiten Halbzeit, die nach Vidics halbem Eigentor wie die gesamte Begegnung entschieden war, wurde dem Publikum sehr viel an Unterhaltung und Dramatik geboten. Vorher war der Anlass fast nur von Taktik geprägt gewesen, und zumindest in dieser Beziehung lieferten die Briten den Deutschen einen sehr anspruchsvollen Fight. Bayerns Coach Pep Guardiola hatte seine Mannschaft nominell beinahe verwegen offensiv aufgestellt, mit fünf fast reinen Offensivkräften, mit dem Duo Müller/Mario Götze hinter dem Trio Robben/Mandzukic/Ribéry. Dazu interpretierten die beiden Aussenverteidiger Philipp Lahm und David Alaba ihre Rollen sehr offensiv. Lahm war zeitweise zusätzlicher zentraler Mittelfeldspieler. Nach der Einwechslung des Rechtsverteidigers Rafinha für Götze übernahm Lahm definitiv die Rolle als «Sechser», die er in dieser Saison so oft spielte.

So gingen am Schluss nicht die Rechnungen von Manchesters Manager David Moyes auf, sondern jene es spanischen Tüftlers Guardiola, der hinterher vor allem die Geduld seiner Mannschaft rühmte. Die hatte sich eigentlich nur eine schwächere Phase geleistet, die paar Minuten nach der Pause, die «eine Katastrophe» waren, wie hinterher Robben feststellte. Aber Guardiola hat eben auch das bessere Personal als Moyes im ersten Jahr, in dem er an die grossen Zeiten seines legendären Vorgängers Sir Alex Ferguson anknüpfen soll.

Wie schwer diese Aufgabe ist, weiss er nicht erst seit gestern, seit er in der Champions League ausgeschieden ist. Er weiss es, seit seine Mannschaft in der Premier League kein Anwärter mehr ist auf einen Platz in der «Königsklasse». Also steht nun fest, dass die Champions League in der kommenden Saison erstmals seit 1995/96 ohne ManUnited laufen wird. Nach 18 Teilnahmen in Serie wird Englands Rekordmeister erstmals fehlen.

Das Ergebnis von München hat aber auch Konsequenzen für die Schweiz. Es ist nun definitiv, dass der Schweizer Meister im September direkt in der Gruppenphase der Champions League eingreifen kann. Manchester United war letztes Team in den Viertelfinals der Champions League, der sich mangels ausreichendem Ergebnis in der nationalen Meisterschaft nur als Gesamtsieger wieder für die Königsklasse hätte qualifizieren können. Und dann wäre der Meister des Landes auf Platz 13 des Uefa-Rankings nicht direkt für die Gruppenphase qualifiziert gewesen. Platz 13 aber belegt die Schweiz, die für die übernächste Saison gar noch auf Platz 12 vorrücken kann, wenn sich der FCB heute über Valencia hinwegsetzt.

Derlei Rechnungen aber müssen die Bayern nicht anstellen. Sie haben jetzt «nur» noch die Aufgabe, das Triple der vergangenen Saison zu wiederholen – mit Siegen im deutschen Cup und in der Champions League. In beiden Wettbewerben stehen sie mittlerweile unter den letzten Vier. Gestern lösten sie die bisher wohl schwierigste Aufgabe in dieser Saison. Dazu leisteten wieder mal Robben und Ribéry einen entscheidenden Anteil. Robben, im vergangenen Mai Schütze des Siegestors im Final gegen Borussia Dortmund, war am Ende der Mann des Tages. Nicht Wayne Rooney, dem auf der andern Seite kein massgeblicher Akzent glückte. (red)

Das Aus von «Barça» auf Seite 26

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