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Die Bedeutung der Zentralbanken hat abgenommen

Knapp 20 Prozent des weltweit geförderten Goldes liegt in den Untergeschossen der Zentralbanken. Früher waren es deutlich mehr.

Für Insider unvergessen ist der April vergangenen Jahres: Der Goldpreis sackte an zwei Handelstagen um 15 Prozent in die Tiefe. Es war der grösste Einbruch seit 30 Jahren. Was waren die Gründe? «Um ehrlich zu sein, wir wissen es nicht. Wir können selbst im Nachhinein nicht genau sagen, was passiert ist, denn fundamental hat sich am Goldmarkt nichts geändert,» erklärte damals der Rohstoffexperte der Commerzbank gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen». Andere spekulierten, der Kurssturz könnte mit den Goldverkäufen der zypriotischen Zentralbank zu erklären sein. Nicht dass die Zyprioten so viel Gold besässen, um den Markt nachhaltig beeinflussen zu können. Doch die Marktteilnehmer befürchteten, dass auch andere von der Schuldenkrise besonders betroffene Staaten wie Italien, Frankreich, Portugal oder Griechenland einen Teil der Goldreserven verkaufen könnten. Bis vor 10 Jahren waren die Zentralbanken auf dem Goldmarkt die noch grösseren Player als heute. 2002 erklärte Neil Gregson der Wirtschaftszeitung «Cash»: «Die Goldreserven der Zentralbanken sind das grösste Risiko für den Goldmarkt.» Gregson leitete damals den Goldfonds der Credit Suisse. Das in den Untergeschossen der Notenbanken gelagerte Metall könnte den Goldbedarf für die Schmuck- und Elektroindustrie 10 Jahre stillen, ohne dass nur ein zusätzliches Gramm gefördert würde. Allein die US-Notenbank hortete damals wie heute über 8000 Tonnen, entsprechend dem Bedarf von 2 Jahren. Die Zeiten haben sich geändert. So spielt die Anlagepolitik der Zentralbanken nur noch eine untergeordnete Bedeutung, erklärt Peter Frech, Manager des Quantex Strategic Precious Metal Fund. Was die Zentralbanken mit ihrem Gold vorhaben, sei weitgehend bekannt. Laut Peter Frech sind es die Zins- und Inflationserwartungen, die heute den Goldpreis bestimmen. Rechnen Anleger mit höheren Preisen, sichern sie sich mit Edelmetall ab. Derzeit geistert eher das Gespenst der Deflation als der Inflation durch Europa. Folgerichtig konstatiert Benjamin Summa von Pro Aurum in München: «Gold hat in den vergangenen 3 Jahren deutlich an Attraktivität verloren – viele institutionelle Anleger haben sich aus dem Goldmarkt verabschiedet und in Aktien umgeschichtet, das Thema Inflation ist in den Hintergrund getreten.» Bisher wurden in der Geschichte rund 160000 Tonnen Gold gefördert. Und jedes Jahr kommen gegen die 3000 Tonnen hinzu. Gemäss Schätzungen des World Gold Council befinden sich knapp 20 Prozent in den Bunkern der Zentralbanken. Zu Zeiten, als das Notenbankgeld mit Gold hinterlegt werden musste, waren es über 50 Prozent. cch

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