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Die bedrohliche Tendenz des FC Aarau

Nach zehn Spielen oder fast fünf Monaten ohne Sieg ist der FC Aarau am Tabellenende der Super League angelangt. Heute Nachmittag tritt er beim FC Zürich an.

Als René Weiler Ende vergangener Saison das Brügglifeld verliess, begründete er seinen Abgang damit, mit dem FC Aarau erreicht zu haben, was zu erreichen sei. Nach dem Aufstieg hatte er die Mannschaft in der Super League gehalten, ohne je ins Zittern zu geraten. Am Ende waren die Aarauer zwar «nur» Neunter, aber meilenweite 18 Punkte vor Lausanne.

Als Weilers Nachfolger Sven Christ mit dem FC Aarau nach einem 3:2 gegen die Young Boys am 5. Oktober mit 14 Punkten aus elf Spielen Tabellensechster war, waren die Kritiker des Lobes voll. Es war, mit Seitenblicken oder -hieben auf Weiler, zu vernehmen, der Neue sei nicht nur nach Punkten erfolgreich, er lasse seine Mannschaft auch offensiver, mithin attraktiver spielen als der Vorgänger. Der wartete zu jener Zeit noch auf einen neuen Job.

«Knackpunkt» gegen FCZ

Aber jetzt, knapp fünf Monate später, sieht in Aarau alles anders aus. Die Mannschaft ist nach zehn Spielen mit sieben Niederlagen und drei Unentschieden erstmals Tabellenletzter, nach Plus- wie nach Minuspunkten, vor allem aber nach Tendenz. Vor allem die letzten beiden Spiele liessen grösste Befürchtungen aufkommen, zuerst das 0:1 daheim gegen den FC Vaduz, den Aufsteiger, der eigentlich als Abstiegskandidat Nummer 1 in die Saison gegangen war. Dann ein 0:4 in Luzern gegen den Tabellenletzten, der davor keines von zehn Heimspielen ­gewonnen hatte.

Auf dem immer beschwerlichen Weg von Anfang Oktober bis Ende Februar verlor der FC Aarau fast alles von jenem Schwung, der ihn noch Anfang Saison ausgezeichnet hatte. Er musste gar einen Match hinnehmen wie im November den bisher letzten gegen den FCZ, den sie in Aarau mittlerweile einen «Knackpunkt» nennen. Es war die 0:1-Niederlage, nach der tagelang Schlagzeilen über den FC Aarau und dessen «Bösewicht» Sandro Wieser zu lesen waren. Der hatte Gegenspieler Gilles Yapi schwer verletzt. Heute wäre die Sperre für jenes Vergehen abgelaufen, aber Wieser kann nicht spielen: Er ist verletzt, er wurde vor einer Woche in einem Testspiel mit der U21 gegen Schöftland an seinem kürzlich operierten Knie getroffen, was ihn zu einer dreiwöchigen Pause zwingt. Neuerliche Schlagzeilen machte allerdings, dass Wieser deswegen seinen Gegenspieler aus Schöftland beleidigte, vom Platz gestellt wurde und dafür auch noch eine – in einer Woche abzusitzende – Sperre erhielt.

Grössere mediale Erwähnung fand in der Vorbereitung auch, dass von Daniel Gygax in einem Freundschaftsspiel mal eine unbotmässige Geste gegen Christ zu sehen war, nachdem er ein Tor geschossen hatte. Christ nahm Gygax, der öfter Ersatz war als ihm lieb sein konnte, dann demonstrativ vom Platz und liess mit zehn Mann weiterspielen. Es war vom FCA und seinem Trainer nicht sehr viel Positives zu vernehmen. Also mehrten sich, spätestens nach der Doppelniederlage gegen Vaduz und Luzern, die Stimmen, die den Trainer in Zweifel zogen.

Von der Vereinsführung kamen sie (noch) nicht. Christ nahm sich die Mannschaft nach dem Spiel in Luzern auch energisch zur Brust. Aber Fakt ist natürlich, dass ein kleiner Verein wie der FC Aarau jederzeit mit dem Abstiegskampf rechnen muss. Nicht immer gibt es, wie in der vergangenen Saison Lausanne, einen Gegner, der nicht konkurrenzfähig ist. Und wenn dann jener Konkurrent mit den bescheidensten Ressourcen, wie diesmal Vaduz, sehr gute Arbeit leistet und eine offen­sichtlich Super-League-taugliche Mannschaft beisammen hat, wird es bedrohlich eng. Denn in dieser Saison haben sich die Aarauer in ihrer Transferpolitik nicht mit Ruhm bedeckt. So ist es ihnen nicht gelungen, den Moldawier Artur Ionita als zentrale Figur im Mittelfeld auch nur halbwegs gleichwertig zu ersetzen. Das sei, lässt Sportchef Urs Bachmann wissen, auch schwierig, wenn ein geeigneter Kandidat zu einem ­andern Verein gehe, «weil er dort das Doppelte verdienen kann». In Erinnerung ist, dass die Aarauer Gilles Yapi an der Angel hatten. Der trainierte bei ihnen – und ging dann zum FCZ.

Weniger gutes Auge

Mittelfeldspieler Moreno Costanzo, eine Leihgabe der Young Boys, Stürmer Petar Sliskovic, eine Leihgabe von Mainz 05, und Innenverteidiger Richard Magyar aus Schweden sind die ­jüngsten Hoffnungen. Costenzo schoss beim Rückrundenstart immerhin das Tor zum 1:1 in Thun, Magyar aber überzeugte in seinem ersten Match, in Luzern, überhaupt nicht.

Man muss also schon sagen, dem FC Aarau (und Christ) fehle nun das geübte Auge für geeig­nete und bezahlbare Spieler, das Weiler ausgezeichnet hatte, als er den Verein binnen dreieinviertel Jahren vom Abstiegskandidaten in der Challenge League zum Super-League-Teilnehmer gemacht ­hatte. Dabei war für Weiler der FC?Aarau genauso der erste Eliteverein, den er trainierte, wie er es nun für Christ ist.

Die unsägliche Stadionfrage

Also ist die Stimmung beim FC Aarau nicht eben positiv, wenn er heute im Letzigrund gegen den FCZ antritt. Dazu passt, dass dieser Tage eine weitere Verzögerung beim Bau des eigentlich längst bewilligten neuen Stadions eingetreten ist – provoziert durch den Weiterzug einer Beschwerde durch eine einzelne Privatperson. Das zermürbt, schliesslich war der Spatenstich nahe beim Bahnhof für den Herbst … 2014 vorgesehen gewesen.

Nun spielt Christ im Letzi­grund auch darum, nicht weiter infrage gestellt zu werden. Wenn sein Match beginnt, hat Weiler den seinen mit dem 1. FC Nürnberg schon hinter sich. Aus dem Nürnberger «Club» ist in neun Spielen unter Weiler – mit sechs Siegen und einem Unentschieden – aus einem Abstiegskandidaten eine Mannschaft entstanden, die als Tabellensechster gegen den Tabellenvierten aus Karlsruhe um den Anschluss an die Aufstiegsplätze in die Bundesliga kämpft. Seit Weiler in Nürnberg wirkt, war in der 2. Bundesliga niemand so erfolgreich wie Nürnberg. hjs

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