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«Die Begegnungen sind der Lohn»

Reich wird man als Kantonsrat nicht. Zwischen 20 000 und 25 000 Franken jährlich «verdient» ein Mitglied des Zürcher Kantonsparlamentes. Zudem erhält jede und jeder auf Wunsch gratis ein Erstklassticket für alle Bahnfahrten im ZVV-Gebiet. Dem materiellen Ertrag steht ein beträchtlicher Aufwand gegenüber. Gemäss Einschätzung von Kantonsratsmitgliedern entspricht das Amt einem 20- bis 30-Prozent-Job. «Kantonsrat wird man nicht wegen des Geldes», sagen alle.

So auch Marcel Lenggenhager (links oben), der vor vier Jahren für die BDP im Wahlkreis Winterthur-Stadt überraschend gewählt wurde und das Fraktionspräsidium übernahm. «Die Begegnung mit interessanten Leuten, die Freundschaften über die Parteigrenzen hinweg: Das ist eigentlich der Lohn», sagt Lenggenhager. Er habe etwa die einmalige Gelegenheit gehabt, den früheren Staatschef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, kennen zu lernen. Als selbstständig Erwerbender könne er sich die für das Amt nötige Zeit gut organisieren. Den Zeitaufwand habe er aber wie die meisten Anfänger massiv unterschätzt.

Als «unglaubliche Bereicherung» erlebt auch SP-Fraktionschef Markus Späth (oben) aus Feuerthalen den Kantonsrat, dem er seit 2007 angehört. Seine Erfahrungen als Politiker könne er auch im Unterricht verwerten, sagt der 62-jährige Geschichtslehrer, der in der Gemeinde zudem als Sozialvorsteher amtet. Späth nennt ebenfalls die Kontakte und Freundschaften als wichtigen Gegenwert für die politische Tätigkeit. Keinesfalls sehe er seine Arbeit als Opfer für die Gesellschaft. «Man macht so etwas immer, weil man selber etwas davon hat.» Als Staatsangestellter hat Späth das Privileg, dass ihm der Arbeitgeber zehn Prozent Arbeitszeit für den Kantonsrat zur Verfügung stellt. Er hat sein Lehrerpensum aber ohnehin auf die Hälfte reduziert. Benno Scherrer (unten), GLP-Fraktionschef aus Uster, hat sein Pensum als Berufsschullehrer ebenfalls halbiert. Auch er findet, der Kantonsrat sei eine «Super-Ergänzung» zu seiner Lehrertätigkeit.

Weniger euphorisch blickt die ehemalige GLP-Kantonsrätin Rahel Walti (oben rechts) aus Horgen auf ihre Parlamentserfahrung zurück. Die 43-Jährige, die während der Legislatur aufhörte, räumt ein, dass sie zu hohe Erwartungen hatte. Sie habe geglaubt, schnell viel bewirken zu können. «Ich habe gesehen, dass das nicht geht.» Sie findet, der Kantonsrat arbeite ineffizient. tsc

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