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Die «Biber-Hotline» berät bei Problemen mit dem Nager

Der Biber ist im Kanton Zürich wieder heimisch. Gerade in der Kulturlandschaft führt das auch zu Konflikten. Die neu geschaffene Biberfachstelle hilft, Lösungen zu finden – zum Beispiel in Mar­tha­len.

Biologin Laura Walther begutachtet den Drahtzaun, der über den Bach gespannt ist. Etwa zehn Zentimeter über der Oberfläche umrundet er einen Staudamm. «Dieser Elektrozaun soll den Biber davon abhalten, noch höher zu stauen», erklärt Walther. «Bis jetzt scheint es zu funktionieren.» Walther leitet zusammen mit Forstwart Urs Wegmann die neu geschaffene Biberfachstelle des Kanton Zürichs. Seit dem ersten Juli funktioniert die Fachstelle mit ihrer «Biber-Hotline» als Drehscheibe für alle Informationen rund um den Nager, aber auch als Anlaufstelle bei Schwierigkeiten. Wie zum Beispiel in Mar­tha­len: In einem Waldstück in der Nähe der Rütenenhütte hat ein Biber einen Staudamm angelegt. Die umliegenden Bäume reagieren aber empfindlich auf Staunässe, weshalb der zuständige Förster nach einer Lösung suchte. Dabei wandte er sich an die Biberfachstelle. Denn der Biber ist geschützt, und Eingriffe an seinen Bauten benötigen eine Bewilligung durch die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung. Elektrozaun oder Abflussrohr Die Biberfachstelle vermittelt in solchen Fällen. «Wir machen uns ein Bild vor Ort und beraten die betroffenen Personen», erklärt Walther. Im Falle vom Mederbach in Mar­tha­len wurde entschieden, einen Elektrozaun aufzurichten. So wird verhindert, dass der Biber den Bach noch höher staut. Auch hätte man Abflussrohre durch den Damm legen können. «Wenn wir den Damm aber einfach komplett abgebaut hätten, hätte der Biber wahrscheinlich einfach weiter oben oder unten wieder gestaut», sagt Walther. Landwirte, Landeigentümer oder Förster melden sich bei der Fachstelle. «Seit wir am 1. Juli unsere Arbeit aufgenommen haben, erhalten wir etwa drei bis vier Telefone pro Woche», sagt Walther. «Zum Teil sind es auch einfach interessierte Leute, die etwas über den Biber wissen wollen.» Mehrheitlich geht es aber um konkrete Konfliktfälle. «Wir rücken etwa zweimal pro Woche aus», sagt Walther. «Probleme entstehen vor allem dort, wo bewirtschaftete Flächen direkt ans Wasser grenzen.» Der Biber gestaltet seinen Lebensraum aktiv mit. Er fällt Bäume, staut Bäche oder untergräbt Strassen und Wege. Davon profitieren viele andere Tierarten wie zum Beispiel der seltene Eisvogel. Das führt zu Schäden oder auch zu Sicherheitsrisikos. «In Unterstammheim haben wir zum Beispiel einen Staudamm ganz abtragen lassen», sagt Walther. «Hier bestand die Gefahr, dass der Biber die Eisenbahnschienen untergraben hätte.» Eine klare Anlaufstelle Die neu gegründete Fachstelle hat bis jetzt positive Rückmeldungen erhalten. «Viele sind auch einfach froh, dass es jetzt eine klare Anlaufstelle gibt», sagt Walther. «Denn mit dem Biber muss man sich in gewissen Gebieten auseinandersetzen. Auch dann, wenn man über seine Rückkehr nicht glücklich ist.» Das in der Schweiz einst ausgerottete Nagetier ist heute wieder verbreitet. Im Kanton Zürich leben gemäss einer Zählung von 2011 rund 250 Tiere, die meisten davon im Norden des Kantons. Dies wertet der Kanton gemäss Mitteilung als Erfolg, und es ist sein erklärtes Ziel, eine langfristig überlebensfähige Population zu etablieren. Der Kanton hat die Greifensee-Stiftung in Uster mit dem Führen der Biberfachstelle beauftragt. Laura Walther ist bei der Stiftung auch als stellvertretende Leiterin der Ranger tätig. Die neue Tätigkeit findet sie aber besonders spannend: «Der Biber fasziniert mich: Er lebt nicht dort, wo für ihn ideale Bedingungen herrschen, sondern baut seinen Lebensraum so um, dass er für ihn passend wird.» Claudia Peter

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