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Die Chance auf den Idealstart

LUZERN. Schweiz – Albanien ist das Spitzenspiel der 2. Runde der WM-Ausscheidung. Wer gewinnt, führt die Gruppe E verlustpunktlos an.

Die drei Punkte, welche die Schweiz am vergangenen Freitag mit einer starken Leistung in Slowenien gewann, waren erhofft. «Budgetiert», wie es auch Nationalcoach Ottmar Hitzfeld sagt, sind im «WM-Fahrplan» dagegen die drei Punkte, die heute gegen Albanien im ersten Heimspiel zu holen sind. Denn in der Sechsergruppe E gelten die Schweiz, Norwegen und Slowenien gemeinhin als Favoriten, Albanien, Island und Zypern als Aussenseiter.

Natürlich wäre besonders ärgerlich, heute gegen die Albaner Punkte einzubüssen, weil damit der Wert des Sieges von Ljubljana gemindert würde. Zwei Siege aber wären ein Idealstart, wie ihn die Schweiz in ihrer Ausscheidungsgeschichte nur selten zustande brachte. Zuletzt war dies – jeweils unter Roy Hodgson – der Fall vor der WM 1994 in den USA (gegen Estland und Schottland) und vor der EM 1996 in England (gegen Schweden und Island).

In früheren Jahren glückte es vor der EM 1972 und der WM 1986, aber beide Male war der starke Start nicht mit einer Qualifikation verbunden. Vor 1986 fiel die Schweiz nach einem 1:0 in Norwegen und einem 1:0 gegen Dänemark noch hinter die Dänen und die Sowjetrussen zurück. Vor 1972 reichten nicht mal je zwei Siege gegen Griechenland und Malta, denn danach gab es aus den beiden entscheidenden Matches gegen England nur noch einen Punkt, für das legendäre 1:1 in Wembley.

Relativ selten sind überdies zwei Siege an den neuerdings üblichen Doppel-Spieltagen. Zuletzt gelang dies gleich zweimal in der ersten WM-Ausscheidung unter Hitzfeld, im Herbst 2010 mit einem 2:1 gegen Lettland und dem 2:1 in Griechenland, dann im Frühjahr 2011 in Hin- und Rückspiel gegen Moldawien.

Den Reiz des heutigen Spieles macht aber auch aus, dass die Aussenseiter aus Albanien ebenfalls schon drei Punkte auf dem Konto haben. Und weil sich die in der Startrunde geschlagenen Norweger und Slowenen heute in Oslo treffen, droht einem der Mitfavoriten ein Fehlstart mit null Punkten aus zwei Spielen, aber schon sechs Längen Rückstand auf einen Sieger von Luzern (und vielleicht auch auf Island).

Besonderheiten

Natürlich ist auch zu reden von der Besonderheit des Spiels, dass heute für die Schweiz mehrere Fussballer antreten, die albanische, vor allem kosovarische Wurzeln haben. Und für die Albaner Burim Kukeli spielt, der in der Schweiz aufgewachsen ist, in Jugendjahren mit Gökhan Inler zusammenspielte und erst mit 28 Nationalspieler wurde – Burim Kukeli vom FCZ. Es werden viele Albaner auf den Tribünen der mit 15 600 Zuschauern ausverkauften Luzerner Arena sitzen. Und Ottmar Hitzfeld sagt: «Es wird ein Spiel, in dem wir mit Pfiffen rechnen müssen.»

Aber Dinge wie diese sind doch nicht neu – seit die Schweiz in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit eingebürgerten Italienern wie Raimondo Ponte, Umberto Barberis oder Serge Trinchero spielte – auch gegen Italien. Oder später mit eingebürgerten Türken vom Schlage Kubilay Türkyilmaz’ und der Brüder Yakin. Immer wieder waren Länderspiele gegen Italien, Spanien, Portugal oder Teams vom Balkan nur bedingt Heimspiele. Es verspricht heute jedenfalls ein stimmungsvoller Match zu werden. Und sollten in der Tat 6000 Albaner im Stadion sitzen, die auch den Gast unterstützen, wären ja noch immer deutlich mehr Schweizer da.

Stocker statt Mehmedi

Zum Sportlichen ist zu sagen, dass Hitzfeld seine Wahl getroffen hat, wen er als Vertreter des gesperrten Tranquillo Barnetta aufstellt. Obwohl der Coach noch etwas Spekulationsstoff zu liefern beliebte, ist klar, dass Valentin Stocker spielt. Er wird Admir Mehmedi, einem der Schweiz-Albaner, vorgezogen. Stocker wirkt zwar nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder in der Form bester Tage. Aber er ist der typischere Flügelmann als Mehmedi, dessen Aktien überdies belastete, dass er zuletzt bei Dynamo Kiew bestenfalls höchst marginal eingesetzt wurde.

Sonst gab es nichts zu zweifeln an der Aufstellung, zu solide war der Auftritt in Slowenien gewesen. Dass sie erneut mit einem sehr aggressiven Gegner rechnen müssen, wissen die Schweizer. «Die Albaner werden nach ihrem Sieg gegen Zypern, den ich nicht unbedingt erwartet hätte, euphorisch antreten», sagt Hitzfeld gar. Aber die Mannschaft mit den grundsätzlich besseren Spielern – man könnte gar sagen: den besten Albanern – hat doch die Schweiz. Wenn sie bereit ist, weiter so kon­zen­triert und so solidarisch um einen guten Start in die Ausscheidung zu kämpfen wie in Slowenien. (hjs)

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