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Die Deutschen starten in eine neue Ära

Seit neun Monaten arbeitet der neue GM-Europa-Chef Steve Girsky an der Gesundung von Opel. Beim Produktionsstart des Cabrios Cascada sagt er, wie die Zukunft der Marke aussieht.

Mit einem breiten Lächeln steigt Steve Girsky aus dem Opel Cascada aus. Es macht dem Präsidenten von General Motors Europe sichtlich Spass, das neuste Modell der Opel-Familie noch vor der offiziellen Weltpremiere am Genfer Auto-Salon zu präsentieren und den Produktionsstart im polnischen Werk Gliwice zu feiern. Die Arbeiter in blauen Overalls applaudieren gemeinsam mit Vertretern der polnischen Regierung und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Janusz Piechocinski. «Heute ist ein wichtiger Tag für alle Opel-Mitarbeiter in ganz Europa», betont Steve Girsky, der die Anzugsjacke gleich nach dem offiziellen Händeschütteln gegen eine braune Flanelljacke mit Markenlogo getauscht hat. Die in Polen investierten 900 Millionen Euro seien nicht nur ein Bekenntnis zum Standort, sondern auch zur Zukunft von Opel. Das Cabrio Cascada ist einer der Bausteine dieser Zukunft. Eine erste Sitzprobe zeigt: Da ist den Deutschen nach dem Adam ein zweiter Wurf gelungen. Das harmonische Design überzeugt. Das Heck des offenen Viersitzers ist im Gegensatz zu vielen Konkurrenten nicht die Problemzone, sondern die Sonnenseite (Details und Schweizer Preise siehe Kasten). Kein Wunder, sagt Opel-Aufsichtsratsvorsitzender Girsky: «Ich nähme am liebsten gleich frei und machte eine Ausfahrt.» Doch er kann sich das momentan kaum leisten, zu viel gilt es anzupacken. Vor neun Monaten ist der Amerikaner zu einer Mission aufgebrochen – und dass er daran wirklich glaubt, merkt man beim Gespräch beim Abendessen in kleiner Runde schnell. «Wir verkaufen eine Million Autos in Europa. Es muss doch zu schaffen sein, damit auch Geld zu verdienen», sagt er. Eine ganz neue Führungscrew soll diesen Turnaround schaffen: Von den 18 Spitzenleuten von Opel sind 14 erst im Laufe der Krise dazugestossen. Das Ziel der neuen Struktur: die Marke Schritt für Schritt aus den roten Zahlen zu holen und ihr so eine Zukunft innerhalb des General-Motors-Konzerns zu sichern. Wie dramatisch die Situation ist, zeigen die Zahlen von 2012: Da hat Opel 1,3 Milliarden Euro Verlust gemacht. Das Wichtigste, was Steve Girsky für die Rettung braucht, hat er von der Führung des General-Motors-Konzerns zugestanden bekommen, nämlich Zeit. «Drive! 2022» heisst das Massnahmenpaket, das Opel bis in zehn Jahren wieder in eine blühende Automarke verwandeln soll. Die Ziele: Marktanteil erhöhen, eine angemessene Rendite erzielen, aber auch bei der Kundenzufriedenheit Spitzenplätze zu erreichen und ein Arbeitgeber zu sein, bei dem die Bewerber Schlange stehen. Ein viel Unruhe stiftendes Problem hat Girsky diese Woche geregelt. GM einigte sich mit den Gewerkschaften in Deutschland, wie der Stellenabbau im Werk Bochum verlaufen soll. «Nun werden die Leute wieder über unsere Autos reden», hofft Girsky. Unumgänglich ist der Abbau, weil in Europa die Kapazitäten im Automobilbau immer noch 25 Prozent zu hoch sind. Opel als Volumenhersteller steht zusätzlich unter Druck: von den Premiummarken, die ihre Marktanteile genauso ausweiten wie Billigmarken. Mit ganz unterschiedlichen Massnahmen versucht sich Opel im Markt zu behaupten. So dringt man mit Modellen wie dem kleinen SUV Mokka, dem Lifestylekleinwagen Adam, dem Cabrio Cascada oder dem Ende Jahr kommenden neuen, luxuriösen Insignia in profitable Marktbereiche vor. Bis 2016 will Girsky 23 neue Modelle und 13 neue Motoren lancieren. Zudem werden laufend Kosten reduziert, auch dank der Allianz mit dem PSA-Konzern, die bis zur gemeinsamen Entwicklung von Plattformen und Autos führen soll. Zur Diskussion steht auch, ob in Europa Fahrzeuge anderer GM-Marken wie Chevrolet gebaut werden. Während der Opel-Chef das Bekenntnis zur Marke überzeugend vermitteln kann, bleibt die Frage der Partnerwahl umstritten. Ob sich der kriselnde PSA-Konzern und die Deutschen wirklich gegenseitig helfen können, werden die nächsten Jahre zeigen.

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