Zum Hauptinhalt springen

Die Dicken geben mehr Wärme

Soll ich am Anfang bieten, wenn die Auswahl noch gross ist, die Preise aber hoch sind? Oder erst gegen Schluss und riskieren, dass ich nicht mehr zum Zuge komme? Soll ich dicke oder dünne Trämel wählen? Die rund 50 Personen, die an der Kleinandelfinger Holzgant auf Traktoranhängern an vier Standorte geführt werden, stehen zuweilen vor schwierigen Entscheiden.

Für einen älteren Mann ist klar: Er will fünf Ster, die an der Sonne stehen, sodass das Holz rascher trocknet. In der Tat muss der Verbrauch gut geplant sein: Man sollte rund drei Jahre warten, aber nicht länger als fünf – sonst ist das Holz vom Wurm zerfressen.

Was die Dicke der Trämel betrifft, ist für Förster Karl Schwarz, der die Gant leitet, klar: «Wenn man die Dicken noch zersägt und spaltet, bekommt man mehr Wärme.»

Schwarz («So heisse ich, auch wenn mein Bart grau ist») ruft Lose von einem, drei und fünf Ster aus, Eiche, Esche, Buche, Nadelholz, gemischt. Er nennt den Mindestpreis, worauf in 2-Franken-Schritten rege geboten wird. Seine Frau Lilo Schwarz führt das Protokoll. Da ist exakte Arbeit nötig, denn das Verwechslungsrisiko ist gross – und in zehn Tagen soll ja den Käufern die Rechnung zugestellt werden.

Die Kleinandelfinger Brennholzgant hat Jubiläum: Sie wickelt sich seit ihrer «Auferstehung» zum 25. Mal ab. Nachdem sie längere Zeit nicht mehr durchgeführt worden war, lancierte sie Karl Schwarz 1989 neu. «Ich schätze diese Verkaufsart sehr», sagt er, «denn die Käufer sehen ja das Holz und entscheiden selber, wofür sie bieten wollen. So können sie nachher nicht reklamieren.» Er ruft insgesamt 280 Ster in Rundballen aus, die ein externes Unternehmen in vier Tagen aufbereitet hat. Nicht alles findet Abnahme. Was Schwarz aber eher gelegen kommt: So kann er im Holzwerkhof seinen Vorrat wieder auffüllen. Denn es gibt immer wieder auch Leute, die sich dort mit Brennholz eindecken.

Schwarz leitet den Kleinandelfinger Forstbetrieb seit 1984. Das Revier umfasst 245 Hektaren Gemeinde- und 80 Hektaren Privatwald. Der Betrieb, zu dem auch Aufgaben wie der Strassenunterhalt und der Winterdienst gehören, zählt heute sieben Mitarbeiter, davon zwei Lehrlinge. Der Forst verursacht der Gemeinde jedes Jahr ein Defizit von rund 80 000 Franken. «Das ist es uns wert», sagt der zuständige Gemeinderat Peter Stoll, «die Landschaftspflege ist uns ein grosses Anliegen.»

Der erste Teil des Anlasses war einem andern Jubiläum gewidmet: Der Verband Zürcher Forstpersonal kann heuer sein 100-jähriges Bestehen feiern. Die Gemeinde Kleinandelfingen hat zum Jubiläum eine Ruhebank gesponsort, welche die Lehrlinge des Forstbetriebs mit der Motorsäge aus Eichenholz hergestellt haben.

Die Bank ist jetzt, mit dem Verbandslogo «Wald bewegt» versehen, am Abhang des Grosssees platziert und soll, so Gemeindepräsident Peter May, «den Wanderern auf dem Weg zum Husemersee die Möglichkeit bieten, sich auszuruhen und die Aussicht zu geniessen». Der Grosssee ist einer der 18 Söllseen der Gegend, die in der Würm-Eiszeit entstanden sind.

Der Verband seinerseits schenkt allen 100 Forstrevieren des Kantons je einen Roten Nussbaum. Jener für Kleinandelfingen hätte eigentlich vor der Gant gepflanzt werden sollen, neben der neuen Ruhebank, sodass die Wanderer nicht der prallen Sonne ausgesetzt sind. Weil es sich jedoch beim Roten Nussbaum um ein Nacktwurzelgewächs handelt (das ohne Wurzelballen geliefert wird), musste die Pflanzung verschoben werden. Jetzt in die kalte Erde gepflanzt, würde der Baum unweigerlich absterben. (lü)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch