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Die dreckige Seite des Fracking-Booms

Fracking hat die USA zum grössten Energie-produzenten der Welt gemacht. Jetzt entdecken die Amerikaner, dass die neue Technik nicht nur ein Segen ist.

Schon seit Tagen witterte Steve Jensen den süsslich-erdigen Geruch in der Luft. Erst dachte sich der Farmer nichts dabei, als er mit dem Mähdrescher über seine Weizenäcker zog, die sich über der gewaltigen «Bakken»-Öl- und Schiefergas-Formation ausbreiten. Doch dann erspähte er etwas wie einen schwarzen Teich. «Das sah ziemlich übel aus», erinnert sich Jensen. «Die Pflanzen waren so zersetzt, dass sie als Weizen nicht mehr erkennbar waren.» Gegen Ende des Tages tauchten Vertreter des Ölunternehmens Tesoro auf, um sich ein Bild der Lage zu machen. Der Pool war auf die Grösse von sechs Football-Feldern angewachsen. An einigen Stellen schoss das Öl in kleinen Fontänen aus dem Boden. Ein sicherer Hinweis auf eine beschädigte Pipeline. All das trug sich am 30.September 2013 zu. Der Vorfall sollte sich als grösste Ölverseuchung auf US-Boden in der jüngeren Geschichte herausstellen – ein Nebenprodukt des wenig regulierten Fracking-Booms.

Vergessene Bedrohung

Wie sich nun dank einer investigativen Recherche der «New York Times» herausstellt, handelte es sich nicht um den einzigen Schmutzfleck der Fracking-Lobby. So nahm die Zahl der Lecks, Risse, Feuer und Explosionen in den vergangenen Jahren rapide zu. In den ersten 10 Monaten des Jahres setzten die Produzenten in North Dakota mehr toxische Substanzen in die Umwelt, als sie zusätzlich an Öl förderten. Vor lauter Begeisterung über das Potenzial für die einheimische Wirtschaft verzichteten Politiker lange Zeit darauf, das Hydro-Fracking kritisch unter die Lupe zu nehmen. Sie vertrauen den Beteuerungen der Industrie, die Technologie stelle keine Gefährdung dar. Bei dem seit 2008 praktizierten Hydro-Fracking wird ein Gemisch aus 34 Millionen Litern Wasser, Chemikalien und Sand unter Hochdruck in ein L-förmiges Bohrloch gepresst. Durch den Druck bersten die Gesteinslagen und setzen Öl oder Gas frei. Das erlaubt Reserven zu erschliessen, die tief unter der Erdoberfläche zwischen Felsformationen festsitzen und lange als unerreichbar galten.

Wirtschaft vs. Umwelt

Während Investoren mit dem klassischen Bohren riskierten, Millionen in den Sand zu setzen, ist der wirtschaftliche Erfolg der neuen Methode garantiert. Das erklärt, warum der Wettlauf um Rechte für die Erschliessung neuer Öl- und Gasquellen von North Dakota bis Texas zu einem Markenzeichen des Booms geworden ist. Um der Regulierung durch staatliche Behörden zuvorzukommen, schuf die Industrie im Eiltempo Fakten. In 36 Bundesstaaten der USA gibt es nach Angaben der Umweltschutzorganisation Climate Central 1,1 Millionen durch Fracking erschlossene Bohrlöcher. Der Staat schaute weg, weil die Energierevolution dringend benötigte Jobs schuf, die in der Finanzkrise verloren gegangen waren. Ökonomisch ging die Rechnung auf, die USA stiegen zum grössten Energieproduzenten der Welt auf. Unter den wirtschaftlichen Erfolg mischt sich aber ein wachsender Chor an Kritikern, denen die Risiken des Frackings dämmern. Zum Beispiel der Umweltforscher Anthony Ingraffea, der in einer viel beachteten Studie für die Cornell University festhält, Fracking trage mehr zum Treibhauseffekt bei als Kohle. Mit Sorge machen Geologen zudem auf die wachsende Zahl an Erdbeben aufmerksam. Sehr zum Verdruss der Öl- und Gasindustrie formiert sich lokaler Widerstand. Während sich die Gliedstaaten und die Bundesregierung bei der Regulierung zurückhalten, schmieden Umweltschützer Anti-Fracking-Bündnisse auf lokaler Ebene. Von New York State über Pennsylvania bis hin nach Colorado und Kalifornien haben Dutzende Gemeinden eigene Vorschriften erlassen.

«Die Demokratie lebt»

In Denton, Texas, versucht die Fracking-Industrie mittels Gerichtsentscheid einen per Referendum beschlossenen Fracking-Bann aufzuheben. Der Bürgermeister des Orts denkt aber nicht im Traum daran, sich einschüchtern zu lassen. «Die Demokratie lebt», erklärt Chris Watts, einstiger Befürworter des Frackings. Er stehe hinter dem Willen der Einwohner

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