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Die Dummheiten eines jungen Rasers

Er raste mit 211 Stundenkilometern auf der Autobahn um Winterthur, wurde dabei geblitzt und hätte trotzdem ohne Strafe davonkommen können. Doch dann beging der 24-Jährige einen weiteren Fehler.

Ja, er sei ein Autofreak, gibt Stojan Pfister (Name geändert) zu, nachdem ihm der Gerichtspräsident den Begriff erklärt hat. Er fahre gerne und habe Freude an Autos. Einen besonderen Reiz, mit hoher Geschwindigkeit über die Autobahn zu brettern, verspüre er jedoch nicht, sagt der grosse, blonde Mann. Später muss er aber eingestehen, mit seiner Raserfahrt schon tags dar­auf auf Facebook geprahlt zu haben. Vor Bezirksgericht stand gestern der 24-jährige Sohn einer Polin und eines Schweizers. In Winterthur geboren, zog er mit seiner Familie einige Jahre später nach Polen, wo er zusammen mit Geschwistern aufwuchs und mittlerweile selbst einen dreijährigen Sohn hat. Nach der Schule lernte Pfister Landmaschinenmechaniker, ar­bei­te­te ab 2012 aber jeweils während neun Monaten pro Jahr in der Schweiz bei einem Gartenbauunternehmen. Pfister war geständig, im Juli 2013 mit 211 Stundenkilometern auf der A1 in Richtung St. Gallen gefahren zu sein. «Seither mache ich mir die ganze Zeit Gedanken darüber.» Trotz dem vielen Nachdenken kann er aber den Grund nicht nennen, war­um er an jenem Sonntag um 3 Uhr auf dem Heimweg aus Zürich so fest aufs Gas gedrückt hat. Er habe sich einfach dumm verhalten, sagt Pfister nach einigem Zögern und wird in dieser Selbsteinschätzung vom Richter sofort bestätigt. Nummernschild aus Polen Den Blitz des Radargerätes bei Hagenbuch habe er natürlich wahrgenommen, sagt Pfister. Er habe danach gebannt auf den Brief der Polizei gewartet, doch es sei keiner bei ihm eingetroffen. Dies darum, weil die Staatsanwaltschaft die Fotos von Pfisters Audi A4 vorerst zu den Akten legte. Sie ging aufgrund des polnischen Nummernschildes am Wagen davon aus, es handle sich beim Fahrer um einen Polen. Später hätte dort ein Amtshilfegesuch gestellt werden sollen. Zwei Monate dar­auf geriet Pfister aber in eine Polizeikontrolle. Er hatte in Rotkreuz ein Auto gekauft und wollte dieses in die Ostschweiz lenken, wo er während seiner Aufenthalte bei einem Bruder wohnt. In Cham jedoch wurde seine Fahrt gestoppt und weil die Nummernschilder fehlten und ebenso eine Haftpflichtversicherung, musste er Namen und Adresse angeben, was die Behörden zur Raserfahrt führte. Um einen klassischen Raserfall handle es sich nicht, sagt der Gerichtspräsident bei der Urteilseröffnung. Auch wenn Pfister ein hohes Risiko eingegangen sei, habe er spätnachts auf der Autobahn andere Verkehrsteilnehmer nicht im gleichen Masse gefährdet, wie es bei einem riskanten Überholmanöver oder gar einem Rennen der Fall gewesen wäre. Gleichwohl habe Pfister eine «gravierende und massive Verkehrsregelverletzung» begangen. Die Strafe legte das Gericht auf 12 Monate sowie eine Busse von 1400 Franken fest, mit einer Probezeit von zwei Jahren. Vom Strassenverkehrsamt wurde er vorsorglich mit einem Fahrverbot von zwei Jahren belegt. Ein oft gehörtes Versprechen «Ich verspreche, nie mehr so schnell zu fahren», sagt Pfister während der Verhandlung. Das habe er schon oft gehört, antwortet ihm der Gerichtspräsident. Oft habe es aber nicht lange gedauert, bis derselbe Angeklagte wegen desselben Delikts erneut vor ihm habe Platz nehmen müssen. Das werde bei ihm anders sein, sagt Pfister. Das Verfahren vor Gericht in Winterthur sei ihm eine Lehre fürs Leben.

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