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Die Eltern fiebern aus der Ferne mit

Patrick Costinha, ein 18 Jahre junger Torhüter aus Lufingen, hat alles auf eine Karte gesetzt und spielt jetzt Fussball in Portugal. Seinen Eltern hat das viel abverlangt.

Stolz breitet der Lufinger Bodenleger Egidio Costinha die portugiesische Sportzeitung «Record» auf dem Tisch aus. Darin abgebildet ist Sohn Patrick: Der 18-jährige Fussball-Torwart hat den Sprung ins Ausland geschafft und spielt jetzt in der portugiesischen Primeira Liga bei Vitória Setúbal. Jenem portugiesischen Traditionsverein, dem Real-Madrid-Trainer José Mourinho privat die Daumen drückt – sein Vater Félix stand da einst im Tor. Ganz so bekannt ist Patrick Costinha als dritter Setúbal-Torhüter noch nicht. Aber Vater Egidio ist überzeugt: «Goaliekarrieren fangen in den höchsten Ligen eben erst mit 22, 23 Jahren an.» Zur Erinnerung: Nati-Torhüter Diego Benaglio brachte seine Karriere in der gleichen Liga ins Rollen. Mit 22 Jahren. Bruder in den Startlöchern Während das Nachwuchstalent also auf seine nächste Chance wartet, haben die Eltern Egidio und Dalia schon jetzt viel zu erzählen aus ihrem Leben als Fussballmama und -papa. Als Sohn Patrick nämlich noch beim Grasshopper Club Zürich spielte, liefen die Tage so ab: Direkt nach der Arbeit holt Egidio Patrick von der Schule ab und bringt ihn nach Zürich ins Training. Am späten Abend holt er ihn ab. An den Wochenenden dann Fahrten an Spiele und Turniere in der ganzen Schweiz, manchmal auch im Ausland. Und die Mutter Dalia? Sie macht derweil das gleiche Programm mit dem 12-jährigen Kevin durch, der seinem grossen Bruder nacheifert und beim FC Zürich spielt. «Wir haben viel Zeit investiert und sind unzählige Kilometer gefahren», sagt Egidio. Die Bereitschaft habe auch ihr Gutes: «Viele Eltern sind nicht dabei, wenn ihre Kinder Fussball spielen. Was, wenn dann etwas passiert? Ich war immer dabei.» Dies führte so weit, dass die Costinhas einen engen Teamkollegen von Patrick als Pflegesohn aufnahmen; dessen ivorische Familie wohnte in Solothurn, zu weit weg für den Jugendlichen. «Eltern müssen ihren Kindern Nähe und Wärme bieten», sagt Costinha. Jetzt ist Patrick Costinha aber ganz weit weg. Vor anderthalb Jahren hatte der Ruf von Ricardo Sá Pinto gelockt, Trainer von Sporting Lissabon. Für den damals 17-jährigen Costinha stellte sich die Frage, wie sie viele ambitionierte Nachwuchssportler kennen: Sport oder Beruf? «Wie du dich auch entscheidest: Wir sind für dich da und unterstützen dich», sagte ihm Mutter Dalia damals. Er entschied sich für den Sport. Seine KV-Lehre, die er nur mit Müh und Not gefunden hatte (viele Betriebe schrecken aus Zeitgründen vor Nachwuchssportlern zurück), brach er im ersten Jahr ab. Die Mutter: «Auch wenn es mit dem Fussball nicht klappt: Eine Lehre kann er nachholen. Eine solche Chance kommt nicht wieder.» Als das Sporting-Lissabon-Kader schon voll war, interessierte sich Setúbal für den jungen Schweizer mit portugiesischen Wurzeln. Wegen der Fifa-Richtlinien für Minderjährige klappte der offizielle Transfer erst mit der Vollendung seines 18. Lebensjahrs. Jetzt ist Patrick Costinha auch im offiziellen Setúbal-Kader gelistet. Er sammelt Spielpraxis im Nachwuchsteam und trainiert mit der A-Mannschaft. Ricardo Pereira, ehemaliger Torwart der portugiesischen Nationalmannschaft und 2011/12 bei Setúbal, hat das Talent Costinhas einmal im portugiesischen Fernsehen gelobt – ein Highlight für Vater Egidio, von dem er heute noch schwärmt. Gemeinsam kochen – per Skype Mit seinen Eltern spricht er täglich via Skype und iPad. «Auf diese Weise haben wir schon gemeinsam gekocht», erzählt Dalia Costinha. «Ich koche vor und er macht es mir Schritt für Schritt nach.» Meistens aber gehe Patrick auswärts essen. In den Restaurants und in der Wäscherei in Setúbal kennt man ihn: «Sie wissen alle, dass unser Patrick alleine ist, und kümmern sich um ihn.» Jetzt meldet Patrick Costinha selbst noch per Skype – sein Abbild auf dem iPad erzählt vom letzten Training und vom Match am Vortag und vom anstehenden Training. «Neben Fussball spielen mache ich nicht viel», sagt er. «Sonst habe ich keine Hobbys … Fussball ist ja schon mein Hobby.»

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