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Die erste Quartierkirche der Stadt feiert

Die Zwinglikirche feiert ab Freitag und am Wochenende ihr 75-Jahr-Jubiläum. Der Weg zur Realisierung war hürdenreich. Eine Festschrift beschreibt den kirchlichen Alltag dieser ersten «Quartierkirche».

Wie füllt man die Kirche am Sonntagmorgen, das fragten sich schon 1940 die Festredner bei der Einweihung der Zwinglikirche. Die Kirche, so lautete eine Antwort, müsse sich wieder stärker ihren Mitgliedern nähern. Eine Möglichkeit sei die Errichtung von kleineren, dezentralen Kirchen mit organischen Kirchgemeinden. Die Rede war von einer «Missionskirche», wie Historiker Peter Niederhäuser die damalige Stimmung beschreibt: «Zu missionieren galt es nicht die fernen Bewohner von Afrika oder Asien; für den christlichen Glauben galt es vielmehr jene Leute zurückzugewinnen, die sich von der Landeskirche entfernt hatten.» Das Thema ist nach wie vor aktuell. Die Festschrift zum 75-Jahr-Jubiläum beginnt denn auch nicht mit der Vergangenheit, sondern mit der Gegenwart: Wo steht die Zwinglikirche heute? «Klein, aber fein», heisst die Antwort der Winterthurer Quartierkirche. Zwar sieht sich die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Mattenbach zerschnitten durch Strassen mit viel Verkehr, ohne richtigen Dorfkern, sie liegt irgendwo zwischen der Stadt und Seen. Trotzdem hält sich die Gemeinde mit 3500 Mitgliedern gut. Wie viel Schmuck mag eine Kirche leiden? «Von der Mission zur Gemeinde» heisst das von Niederhäuser verfasste Büchlein. Es bietet nicht nur einen detailreichen Einblick in das hürdenreiche Bauprojekt «Zwinglikirche». Vielmehr ist es auch ein Blick auf die Geschichte Winterthurs aus der Perspektive der reformierten Kirche. Die Zwinglikirche steht als erstes reformiertes Gotteshaus in einem neuen Stadtteil und als erste im 20. Jahrhundert gebaute Kirche für eine neue Orientierung der damaligen städtischen Kirchgemeinden hin zu den Rändern. In der Festschrift wird aber nicht nur die Idee hinter der Zwinglikirche erläutert, spannend und kurzweilig wird auch der Entstehungsprozess beschrieben: von der Standortfrage über den Architekturwettbewerb bis hin zur umstrittenen Frage, wie viel Schmuck und bunte Glasfenster eine reformierte Kirche verträgt. Und auch die damals nicht ganz reibungslose Nachbarschaft mit der katholischen Kirche wird mit aus heutiger Sicht humorvollen Anekdoten erklärt. Mit Sitzbänken gegen Disziplinlosigkeit Niederhäuser geht weiter auf den kirchlichen Alltag in der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart ein: Fragen des Alkoholkonsums, der Öffnungszeiten der Kirche und die «Disziplinlosigkeit eines Teils der Jugend» beschäftigen die junge Kirche. Um letztgenannter Problematik beizukommen, so beschreibt Niederhäuser, installierte die Kirchgemeinde «auf dem Vorplatz der Zwinglikirche eigens Bänke, um diese Jugendlichen beim Zwingliplatz besser kontrollieren zu können». Längst ist diese Überwachung einer modernen Jugendarbeit gewichen. Und von Bildungsveranstaltungen zu Generationenkirche, Freiwilligenarbeit, Musik und Liegenschaftenbewirtschaftung entfaltet die Zwinglikirche die breite Palette kirchlicher Tätigkeit. Damit komme sie, so schliesst die Festschrift, dem Gründungsleitbild einer «Quartierkirche» bis heute nach.

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