Zum Hauptinhalt springen

«Die FDP hat sehr gute Frauen»

Interview mit Ursula Gut, der Zürcher Finanzdirektorin, nach deren angekündigten Rücktritts.

Frau Gut, war­um treten Sie im kommenden Jahr nicht mehr zu den Regierungsratswahlen an? Ursula Gut: Ich werde im nächsten Jahr 62. Wenn ich noch eine Amtsperiode anhängen würde, wäre ich 66. Ich will nicht über das Pensionsalter hinaus in diesem anspruchsvollen Amt tätig sein. Ich will mit 62 aufhören und noch offen sein für neue Herausforderungen – und das Privatleben mehr zum Zug kommen lassen als in der Vergangenheit. Was für Herausforderungen? Ich habe noch nichts im Köcher. Es wird sich sicher etwas ergeben. Kommt ein politisches Amt in Frage? Nein. Dieses Kapitel ist zu Ende. Haben Sie die Nase voll von Politik? Nein, aber ich war seit meiner Zeit bei den Jungliberalen politisch aktiv: Ich trat mit 20 der FDP bei, wurde Präsidentin der Jungfreisinnigen, war in Küsnacht Finanzvorsteherin und Gemeindepräsidentin, dann Zürcher Baudirektorin und am Schluss während acht Jahren Finanzdirektorin. Sie können lange nach jemandem suchen, der so viele Jahre in der Politik war. War das am Schluss ermüdend? Nein. Ich gehe noch voll motiviert in das letzte Jahr. Aber es ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Dem Kanton drohen Einbussen wegen der Unternehmenssteuerreform. Ist Ihr Rücktritt auch eine Flucht? Überhaupt nicht. Wir werden noch dieses Jahr die Vernehmlassungsvorlage des Bundes dazu erhalten. Dann wirds konkreter. Im Moment gibt es ja erst Modellrechnungen. Der Entscheid, wie der Kanton Zürich sich in dieser Frage positioniert, fällt noch in meine Amtszeit. Die FDP legte zuletzt bei den Zürcher Gemeindewahlen zu. Ein guter Moment für Ihren Abgang? Ich habe den Entscheid unabhängig davon für mich getroffen. Er fiel schon im letzten Herbst, rund um meinen 60. Geburtstag. Aber es ist natürlich trotzdem ein guter Moment, wenn die FDP im Aufwind ist. Abgesehen davon hat sich immer gezeigt, dass die FDP gute Köpfe hat. Ich bin überzeugt, dass sie den nun frei werdenden Sitz halten kann. Ist es Ihnen ein Anliegen, dass die FDP erneut mit einer Frau antritt? Die FDP hat sehr gute Frauen. Frausein allein ist jedoch nicht der Punkt. Es gibt auch andere Aspekte: Es braucht eine fähige Persönlichkeit, die viel zu arbeiten vermag und gute Nerven hat. Wer für meine Nachfolge antritt, ist jedoch Sache der Partei. Da halte ich mich zurück. Was hat Sie als Regierungsrätin am meisten bewegt? Die schwerste Zeit war jene, als der Korruptionsfall bei der Pensionskasse BVK auftrat. Zudem war es anspruchsvoll, ihre Sanierung aufzugleisen. Das ist gut gelungen, genauso wie der Gewinn der folgenden Volksabstimmung. Ich bin froh, dass ich das gut bewältigt habe. Interview: Matthias Scharrer

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch