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Die Fussballer aus dem Land des Basketballs

Litauen kommt zwar mit sechs Punkten in die Schweiz, gilt aber selbst im Kampf um Playoff-Platz 3 in dieser Gruppe als klarer Aussenseiter.

Gegen Estland beschritt die Schweiz im Sommer 1992 unter Roy Hodgson mit einem 6:0 in Tallinn den erfolgreichen Weg an die WM 1994 in den USA. Vier Punkte gegen Lettland halfen Ottmar Hitzfeld an die WM 2010 in Südafrika. Und jetzt ist auch Litauen, der dritte Kleinstaat aus dem Baltikum, in einer Ausscheidung erstmals Gegner der Schweiz. Das am südlichsten gelegene Litauen ist mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste baltische Land, vor Lettland mit zwei und Estland mit gar nur 1,3 Millionen. Fussballerisch siehts anders aus, auch wenn Estland (Fifa-Nummer 88) zurzeit nur wenig besser eingestuft ist als Litauen (92). Und Lettland (99) gar schwächer.

Aber seit sich die drei Länder Anfang der 90er-Jahre von der Sowjetunion unabhängig erklärten, hat sich Lettland immerhin einmal für eine Endrunde qualifiziert, für die EM 2004; und Estland brachte es in die Playoffs zur EM 2012. Litauen aber hatte bestenfalls einmal eine leise Chance. Das war vor der WM 1998, als es den Iren längere Zeit einen Kampf um den Playoff-Platz lieferte, dann aber das entscheidende Heimspiel 1:2 verlor. Vor allem aber ist die Tendenz der Litauer sinkend. Vereinzelt reichte es allerdings immer wieder zu Überraschungen wie in der letzten EM-Ausscheidung zu einem 1:0 in Tschechien oder vor der EM 2004 zu einem 1:1 in Deutschland. In den Statistiken steht überdies, aus den Jahren der (ersten) Unabhängigkeit zwischen den zwei Weltkriegen, auch ein 0:9 gegen die Schweiz. Das war an den Olympischen Spielen 1924 in Paris, als die Schweizer schliesslich den Final gegen Uruguay erreichten. Jenes 9:0 ist bis heute der höchste Sieg in 748. Länderspielen der Schweiz.

Der grosse Sabonis

Aber Litauen ist ja auch nicht ein Land des Fussballs, sondern des Basketballs. Die Basketballer sind die Sporthelden der Litauer. Zu sowjetischen Zeiten waren Litauer Stützen der Mannschaft der UdSSR. Noch 1988 in Seoul holten die Sowjets nicht zuletzt dank dem grossen Arvydas Sabonis Gold. Seit der neuen Unabhängigkeit gabs allein an Olympischen Spielen drei Bronzemedaillen. Die WM 2014 schlossen die Litauer auf Platz 4 ab. Nach dem Halbfinal gegen die USA verloren sie das Spiel um Platz 3 gegen die Franzosen ganz knapp.

Immerhin, die seit einem Jahr vom 1,93-m-Riesen Igoris Pankratjevas (50) geführten Fussballer starteten erfolgreich zur Ausscheidung für die EM 2016 – mit dem budgetierten Sieg in San Marino, einem allerdings bescheidenen 2:0, und dann mit einem 1:0 daheim gegen Estland. Aber ehe grössere Hoffnungen aufkeimen konnten, wurde in Vilnius gegen Slowenien 0:2 verloren. Platz 3 hinter England und der Schweiz und damit in den Playoffs ist die Hoffnung, welche die Litauer insgeheim hegen. Vor allem die Slowenen sehen sie dafür als Gegner. Weil nun aber gegen diese selbst daheim verloren wurde, müssen sie das wettmachen mit Punktgewinnen gegen höher eingestufte Teams – wie eben die Schweiz.

Kein bekanntes Gesicht

Hierzulande bekannte Fussballer brachte Pankratjevas nicht mit nach St. Gallen. Der bekannteste wäre der langjährige Captain Marius Stankevicius gewesen, der auch schon in Italien spielte und seit dem Sommer bei Hannover 96 einen Vertrag hat. Aber zum einen ist er zurzeit verletzt, zum andern spielt er mit seinen 33 Jahren aus Altersgründen in den Planungen des neuen Trainers keine Rolle mehr. Verteidiger Tadas Kijanskas von Hapoel Haifa, der neue Captain, ist mit seinen 29 Jahren zusammen mit Mittelfeldspieler Gediminas Vicius der Älteste im aktuellen Kader. Zur jungen Garde gehört Offensivkraft Arvydas Novikovas (24), bei Erzgebirge Aue in der 2. Bundesliga Stammspieler. Das stärkste Kontingent stellt Landesmeister Zalgiris Vilnius. Dessen Anlauf Richtung Champions League war im Sommer allerdings schon nach zwei Spielen zu Ende, nach zwei 0:2 gegen Dinamo Zagreb.

«Wir wollen einen Punkt», formulierte Tadas Kijanskas die Zielsetzung für heute. Damit hielten die Litauer die – unerwarteten – drei Punkte Vorsprung auf die Schweiz. Pankratjevas stellte die litauische Sicht auf die Ausscheidung so dar: «Die Tabelle zeigt die Qualitäten der Schweiz nicht. Ich sah ihre Spiele gegen England und Slowenien, und sie verdiente weder im einen noch im andern die Niederlage.» hjs

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