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Die Golfmonarchien erörtern einen Schwulentest

Kuwait. Die Kuwaiter schlagen den anderen Golfstaaten vor, ausländische Arbeiter vorab einer Analuntersuchung zu unterziehen. Die Idee hat laut Beobachtern durchaus Chancen.

Ausländer, die in den arabischen Golfmonarchien arbeiten wollen, sollen sich erst einem «Schwulentest» unterziehen – mit diesem Vorschlag hat der Staat Kuwait die scharfe Kritik von Amnesty International auf sich gezogen. Die Idee sei «ungeheuerlich», teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

Mit der entwürdigenden Untersuchung würden Menschen noch zusätzlich stigmatisiert, die «aufgrund ihrer wirklichen oder wahrgenommenen sexuellen Orientierung» ohnehin bereits stark diskriminiert würden, betonte der für den Nahen Osten verantwortliche Direktor von Amnesty International, Philipp Luther, am Wochenende. Stattdessen sollten die Behörden an der arabischen Golfküste die Gesetze widerrufen, die einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen kriminalisieren.

Zertifikat: «nicht anständig»

Der Aufruf dürfte auf der Arabischen Halbinsel auf taube Ohren stossen. Gleichgeschlechtliche Liebe wird dort bestraft mit dem Tod (Saudi-Arabien), mit langen Gefängnisstrafen und mitunter auch mit Folter. Beobachter glauben, dass die Mitglieder des Golf-Kooperationsrats, dem alle arabischen Monarchien angehören, bei ihrem Treffen am 11. November dem kuwaitischen Vorschlag zustimmen könnten.

Nach einem Bericht der kuwaitischen Zeitung «Al Rai» sieht der Plan medizinisch äusserst fragwürdige Analuntersuchungen vor. Anschliessend soll offenbar eine Art Zertifikat ausgestellt werden, auf dem «nicht anständig» oder «nicht gemäss» vermerkt wird.

Grassierende Doppelmoral

Nach Ansicht eines arabischen Schwulenaktivisten, der ungenannt bleiben möchte, wollen die Golfaraber mit den geplanten Untersuchungen ihrer Bevölkerung «eine heile Welt mit einer intakten sexuellen Gesundheit» vorgaukeln, die es nicht gibt. Der Anthropologe Khaled Hakami von der Universität Wien sagt, es sei in der gesamten arabischen Welt ein offenes Geheimnis, dass in Staaten wie Saudi-Arabien «unter der scheinheiligen Decke des wahabitischen Islam erst recht sexuelle Ausschweifungen zu Hause sind».

Was auf der Arabischen Halbinsel verboten sei, würde im innerarabischen Tourismus anderswo nachgeholt. Besonders die libanesische Hauptstadt Beirut sei als liberalste Stadt des Nahen Ostens mittlerweile zum Reiseziel von Männern aus anderen arabischen Staaten geworden, die dort Sex mit Männern suchten, sagt Hakami. Es käme nicht selten vor, dass arabische Männer, die im Ausland «Verbotenes täten», sich in ihrer konservativen Heimat als Moralapostel aufspielten.

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