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Die gute Bilanz gegen die «Grossen»

Ottmar Hitzfeld und seine Spieler erinnern sich, gegen Prominenz immer wieder gut ausgesehen zu haben. So soll es auch morgen gegen die Franzosen sein.

Aus der Perspektive der Fifa-Weltrangliste ist die Schweiz morgen in Salvador Favorit, als Nummer 6 gegen die Nummer 17. Aus Sicht der Schweizer Fussballer ist aber natürlich Frankreich noch immer einer der «Grossen» und wäre ein WM-Sieg gegen die «Bleus» eine entsprechend grosse Sache. So sagt denn auch Johan Djourou: «Gegen die grossen Nationen haben wir immer gut verteidigt.» Auch von Ottmar Hitzfeld ist zu hören, «dass wir gegen die ‹Grossen› immer gut ausge­sehen haben». Das stimmt zumal mit Blick auf Hitzfelds Amtszeit durchaus. Denn er hat beispielsweise die miesen Serien gegen Spanien und Deutschland beendet. Das 1:0 gegen die Spanier vor vier Jahren in Durban war, im 19. Anlauf, der erste Sieg überhaupt gegen die Iberer. Und gegen Deutschland hatte die Schweiz bis zum 5:3 im Mai 2012 in Basel 56 Jahre lang nicht mehr gewonnen. Seit dem Juni 2011, als mit dem 2:2 gegen England in London der Umbruch Hitzfelds nach dem Rücktritt des Duos Alex Frei?/?Marco Streller markant vorangetrieben wurde, hat die Schweiz noch vier weitere Matches gegen «Grosse» bestritten – und immer gut gespielt. Beim 0:0 im November 2011 in Holland hat sie, um mit Djourou zu sprechen, in der Tat «gut verteidigt». Beim 1:3 im Frühjahr 2012 in Bern gegen Argentinien in Bestbesetzung spielte sie insgesamt gut. Nur einer verteidigte schlecht, François Affolter, dem die Schnelligkeit des dann dreifachen Torschützen Lionel Messi offenbar unbekannt war. Affolter spielt seither in der «Nati» auch keine Rolle mehr. Und dann folgte das 5:3 gegen die Deutschen. Ein «unangenehmer» Gegner Gegen prominente und nominell überlegene Mannschaften gut auszusehen – das war auch unter Hitzfelds erfolgreichen Vorgängern Roy Hodgson und Köbi Kuhn so. Denn auch in deren Zeiten zeichnete die Schweiz stets die gute defensive Organisation aus. Sie war also immer wieder ein «unangenehmer» Gegner, weil auch besser als ihr Ruf. Heutzutage ist das insofern nicht mehr so, denn es braucht sich um seinen Ruf nicht zu sorgen, wer statistisch die Nummer 6 der Welt ist. Und das mit zahlreichen Siegen gegen weniger gute Gegner in der letzten Ausscheidung, weil die Schweiz mittlerweile mit ihren jungen Offensivspielern eine Mannschaft ist, die auch die Qualität hat, «in jedem Spiel ein, zwei Tore zu schiessen» (Hitzfeld). Auch die Geschichte der letzten Pflichtspiele gegen die Franzosen ist die einer weniger hoch eingestuften Mannschaft, die schwer zu besiegen ist. 2004, als die Schweiz an der EM in Portugal nach acht Jahren ihr Comeback an einem grossen Turnier gab, war sie allerdings zu schwach, um ein 1:3 zu verhindern. In Erinnerung blieb nur, dass Johan Vonlanthen das einzige Turniertor der Schweiz schoss, als jüngster Spieler, der je an einer EM traf. Doch dann folgten drei Spiele, in denen die Schweizer selbst dem nachmaligen WM-Finalis­ten Frankreich standhielten. In der Qualifikation zur WM in Deutschland gab es im Frühjahr 2005 ein 0:0 in St-Denis, mit ei­nem starken Pascal Zuberbühler und einem erstaunlichen Debü­tanten Philippe Senderos. Im Berner Rückspiel im Herbst hätte die Schweiz nach einer gar ausgezeichneten Leistung mehr als ein 1:1 verdient. Und schon im Startspiel zur Endrunde trafen sich die beiden Teams wieder – und trennten sich in Stuttgart 0:0. «Es ist ganz offensichtlich, wir können die Schweiz nicht schlagen», konstatierte danach Frankreichs Coach Raymond Domenech mit resignativem Unterton. Mehmedi vor dem Start Heute sagt Guy Stephan, der Assistent von Domenechs Nachfolger Didier Deschamps: «Es ist kein Zufall, dass die Schweiz Sechster der Fifa-Rangliste ist – weit vor uns.» Und: «Sie ist eine gute Mannschaft – auf dem Papier, aber auch auf dem Platz.» Und wie Stephan so spricht, lässt erkennen: Die Franzosen haben ihren wohl stärksten Gruppengegner natürlich genau beobachtet. Die Schweizer trainierten gestern Morgen in Porto Seguro hinter wie meist nach einer Viertelstunde geschlossenen Toren. Sie treten heute Freitag den kurzen Flug nach Salvador an, in die frühere Hauptstadt Brasiliens, die rund 400 Kilometer nordwärts an der Atlantikküste liegt. Dort kann es ein wenig wärmer, ein wenig feuchter sein als in Porto Seguro. Aber an dieses Klima sind sich die Schweizer mittlerweile ja gewöhnt. Wer spielen wird, wirkt klar: Zehn vom Sonntag und Admir Mehmedi, der Valentin Stocker diesmal von Beginn weg ersetzt. Alles andere wäre nach den Ereignissen des Spiels gegen Ecuador unlogisch. hjs

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