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Die Hoffnung heisst Salatic

Der FC St. Gallen ist die Mannschaft der Stunde in der Super League. Heute spielt er beim kriselnden Rekordmeister GC, dessen Hoffnung ein Rückkehrer ist.

Es gibt kaum einen Klub, bei dem zurzeit so vieles zusammenpasst wie beim FC St. Gallen. Seit Ende August ist er ungeschlagen, mit sieben Siegen und zwei Unentschieden in neun Pflichtspielen hat er sich zum einen in der Super League aus der zweiten Tabellenhälfte auf Rang 3 geschoben und zum andern für die Cup-Viertelfinals qualifiziert. Zum Vergleich: In derselben Zeit gewannen selbst die beiden Topteams FCB und FCZ sechs Punkte weniger – elf aus sieben Matches statt 16 wie die St. Galler. Es ist wieder mal von einem Herbsthoch unter dem Trainer Jeff Saibene zu reden. Also fährt der FCSG heute voller Selbstvertrauen in den Letzi­grund, wo er vor zwei Wochen schon dem FCZ selbst nach einem Rückstand ein 1:1 abrang. Es hätte sehr wohl ein weiterer Sieg sein können. Von Fakten wie diesen träumen sie beim heutigen Gegner nur. Die Grasshoppers haben aus den letzten sieben Spielen zehn Punkte weniger geholt als die St. Galler. Der Tag der letzten Niederlage des FCSG, den 31. August, haben sie gar in besonders schlechter Erinnerung: Am Morgen teilten sie die Suspendierung ihres Captains Vero Salatic aus disziplinarischen Gründen mit, nachmittags verloren sie daheim gegen den Aufsteiger Vaduz 0:1. Die neue Si­tua­tion Salatic ist auch jetzt wieder grosses Thema, bei GC sogar das Thema schlechthin. Am Mittwoch erhielt er wieder seinen «normalen» Platz im Kader der Grasshoppers, heute steht er erstmals seit jenem Augusttag, an dem GC in Aarau 2:1 gewann, auf dem Matchblatt. Und gestern hat sich Trainer Michael Skibbe erstmals öffentlich zur jüngsten Entwicklung geäussert, nicht gerne natürlich, aber immerhin. Also sagte Skibbe beispielsweise: Er und Salatic hätten am Freitagmorgen zusammen mit dem neuen Sportchef Axel Thoma ein Gespräch geführt. Ihr Ziel: GC zusammen aus dem Tief führen. Die interne Suspension übrigens sei damals, sagte Skibbe, «nicht der Entscheid des Trainers, sondern des Verwaltungsrats gewesen. Für mich ist wichtig, klarzustellen, dass es zwischen mir und Vero Spannungen gab. Aber die waren nicht der Hauptgrund für die Suspendierung.» Zu Salatic und dem Match heute: «Er wird sicher im Kader stehen. Ob er auch spielen wird, kann ich nicht sagen.» Auf die Frage, ob er nach seinen unmissverständlichen Äusserungen (Stichwort: «Das Tischtuch ist zerschnitten») mit der Rückkehr nicht sein Gesicht verloren habe, sagt Skibbe: «Die Si­tua­tion hat sich in den letzten Tagen grundlegend verändert. Ich verliere mein Gesicht nicht! Es ist gute Erziehung, wenn man sich an einen Tisch setzen kann und gemeinsam Lösungen suchen kann.» Fehler auf «allen Seiten» Es hat sich, in einem Radio- und Fernsehinterview, auch der Verwaltungsratsvorsitzende Stephan Anliker gemeldet, der ja sagte, es sei sein «präsidialer Entscheid» gewesen, den (Gerichts-)Fall Salatic mit dessen Rückkehr ins Kader zu beenden. Es seien, sagte Anliker da, «auf allen Seiten Fehler gemacht worden». Aber es sei «in den letzten zwei Monaten ein Prozess abgelaufen». Also sei die «Si­tua­tion jetzt anders als vor zwei Monaten». Natürlich haben die Grasshoppers auf allen Seiten so viele Fehler gemacht, dass sie nun mit Kritik bis Häme leben müssen. Es haben sich in dieser Zeit wohl manche überschätzt, auch Skibbe und Salatic ihre Positionen. Anderseits bleibt zu sagen, es sei doch von der Vernunft diktiert gewesen, Salatic zurückzuholen – als teuren Spitzenspieler, den brach liegen zu lassen sportlich ein grosser Fehler gewesen wäre. Und was die Si­tua­tion Skibbes betrifft: Der steht nun nicht mehr in der Kritik, als ein Trainer stehen kann, der mit einem Rekordmeister in Abstiegsgefahr geraten ist. Nachdem er Anfang Saison noch gesagt hatte, diese Mannschaft sei – wieder – fähig, national vorne mitzuhalten, aber auch international für eine Überraschung zu sorgen. Skibbe muss jetzt einfach wieder gewinnen – ohne Salatic weiter zu verlieren, wäre jedenfalls nicht besser, als mit dem ungeliebten Captain zu gewinnen ... Skibbe entscheidet allein Das wird schwer genug sein, schon heute gegen St. Gallen. «Skibbe entscheidet alleine, ob Salatic spielt», sagt sein Präsident. Skibbe will sich dazu eben noch nicht äussern. Dennoch ist zu erwarten, dass der Trainer seinen Rückkehrer und neuen Hoffnungsträger von Anfang an einsetzt. Schliesslich trainiert der seit geraumer Zeit wieder und hat er, glaubt man Skibbe, «im Training seine Qualitäten gezeigt». Skibbe und Salatic stehen heute im Fokus, Uli Forte und seine Young Boys morgen. Verliert Forte mit seiner Mannschaft in der Super League gegen Sion zum vierten Mal in Folge, dann wird in Bern mit Sicherheit sehr entschieden diskutiert – auch über den Trainer. Der FCZ (in Aarau) und der FCB spielen nach ihren Europacupsiegen erst morgen. Die Frage zum Basler Auftritt in Vaduz: Kann sich Trainer Paulo Sousa dazu durchringen, eine gewisse Konstanz in seiner Personalpolitik durchzuziehen? Man hat so seine Zweifel.

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