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Die hohe Kunst des Kunst-Events

Morgen öffnet die beste Jungkunst der letzten Jahre, so spektakulär inszeniert wie noch nie. Kein Wunder, buhlen diverse Städte um die Winterthurer Kunstausstellung.

«The medium is the message» lautet der berühmte Satz des kanadischen Medientheoretikers Marshall McLuhan: Das Medium ist die Botschaft. Das gilt übertragen auch für die Jungkunst. Die Kunstausstellung ist seit ihrer ersten Auflage so etwas wie ihr eigenes grösstes Kunstobjekt, spektakulär inszeniert in alten Industriehallen. Und jedes Mal lassen sich die Organisatoren etliches Neues einfallen. Das ist auch in diesem Jahr so. Es ist bereits die 9. Austragung – und auch die 10. ist laut den Veranstaltern schon in der Pipeline. Sie wird ein letztes Mal in der Halle 52 am Katharina-Sulzer-Platz stattfinden, bevor diese einem Neubau der ZHAW Platz machen muss. «Wer hätte gedacht, dass unsere Bieridee einmal so lange bestehen würde», sagte Mitgründer und Co-Kurator Andreas Schmucki am Pre-Opening für Gönner am Montag. Ein buntes Lichterspiel Längst buhlen diverse Städte um die Jungkunst, am lautesten Baden und Zürich, die den Event gerne zu sich holen würden. 7500 Eintritte zählte die Jungkunst im letzten Jahr. «Aber solange wir noch so tolle Hallen finden, bleiben wir in Winterthur», verspricht Schmucki, der letzte der drei Gründer, der noch hier lebt. Er deutet an, dass es auch nach 2015 weitergeht. «Irgendwo da hinten», sagt er viel bedeutend und zeigt Richtung Werk-1-Areal, dem letzten noch nicht umgebauten Fleck auf dem Sulzer-Areal. Ihrem Konzept sind die Jungkunst-Organisatoren auch 2014 treu geblieben. Was funktioniert, wird beibehalten oder weiterentwickelt. Wie die beleuchteten Kuben, die über dem Katharina-Sulzer-Platz hängen. Im letzten Jahr noch weiss, sind sie jetzt bunt. «Wir hatten eine so grosse Resonanz, dass wir entschieden, wir bringen sie nochmals», sagt Schmucki. Ausserdem verschaffe das etwas Luft, um am Konzept für das nächste Jahr zu feilen. Denn die zehnte Ausgabe der Jungkunst soll noch mehr Spektakel bieten. Kunst für das kleine Budget Unverändert präsentiert sich das kuratorische Konzept. Ausgestellt wird, wer unter 35 Jahre alt ist, hier künstlerisch arbeitet oder gearbeitet hat. Alle Sprachregionen sollen vertreten sein und möglichst viele künstlerische Techniken: Videoinstallationen, Malerei, Fotografie, Skulpturales und interaktive Spielformen. Fast alles ist zu erwerben, zu Preisen zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Franken. Für das kleinere Budget gibt es den Kunst-Kiosk, mit Drucken und Miniaturen – oder den Ausstellungskatalog, mit einer Bildauswahl und Kurzinterviews mit den Künstlerinnen und Künstlern. Google-Kunst und Dickdarm Insgesamt 250 Bewerbungen sind für die Jungkunst 2014 eingegangen. 40 Künstler hat sich das Team genau angeschaut, 26 wurden schliesslich ausgewählt. «Es ist eine grossartige, vielleicht unsere beste Auswahl», sagt Schmucki. Das behaupten Veranstalter gerne – doch der erste Rundgang durch die Halle bestätigt die Einschätzung. Viele treiben ein Spielchen mit den Sehgewohnheiten. Eva Streit aus Bern hängt ein Tischbein an einen grünen Kleiderbügel, was durch Schweizer Augen wie eine Armbrust aussieht, um nur ein Beispiel zu nennen. «Dunkel wie in einem Kuharsch» Die Ausstellung ist nicht apolitisch, aber angenehm frei von jedem didaktischen Unterton. Stattdessen ist da viel Humor. Tamara Janes zum Beispiel hat Bilder von den Wänden der Halle 52 gemacht, von Details – sei das ein Farbfleck oder ein kleiner Technikkasten. Dann hat sie Google nach ähnlichen Bildern suchen lassen und das Original mit den Topergebnissen zu teils abstrusen Bilderquartetten ergänzt. Sie hängen verteilt in der Halle an ihrem bildlichen Ausgangspunkt wie verstreute Pointen. Am dominantesten ist der Beitrag von Katharina Mayrhofer, einer Wienerin mit St. Galler Vergangenheit. «Knick» nennt sich ihr 25 Meter langer, 10 Meter hoher Schlauch aus schwarzer Silofolie, der sich wie ein riesiger Dickdarm in der Halle aufplustert und gemächlich wieder entleert. Innen sei es «dunkel wie in einem Kuharsch», sagt die Künstlerin. Viele fühlten sich aber auch an einen Geburtskanal erinnert. Zur Ausstellung angereist Sie hat ihren «Knick» schon mehrfach gezeigt, je nach Raum entfalte er eine andere Wirkung. Das Objekt hätten sie ausnahmsweise gebucht, ohne es je gesehen zu haben, erzählt Co-Kurator Schmucki. «Wir haben quasi den grossen Sack gekauft, ohne die Katze.» Dieser Spruch muss sein, sonst lässt er die Künstlerin reden. Auch das gehört zum Konzept. Die jungen Leute sind zur Ausstellung angereist und selbst Teil der grossen Installation, der Jungkunst. Marc Leutenegger Die Jungkunst findet vom 23. bis 26. Oktober in der Halle 52 am Katharina-Sulzer-Platz statt. An den ersten drei Tagen gibt es ab 19 Uhr ein Rahmenprogramm mit Slam-Poetry und Konzerten. Eintritt: 10 Fr. www.jungkunst.ch

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