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Die Käserei am Stadtrand

Auf einem Hügelrücken zwischen Räterschen und Schottikon liegt der Bettlihof, ein Biolandwirtschaftsbetrieb. Während der Sommermonate verarbeitet Klaus Lamatsch dort die Milch seiner Kühe zu Eulachtaler Käse – womit Winterthur einen eigenen Käse erhält.

Bei schönem Herbstwetter geniessen Penelope, Anippe, Enziana und ihre Kolleginnen den Auslauf, den ihnen die Weiden rund um das idyllisch gelegene Gehöft bieten. Ihr sanfter Blick mag – dieweil sie gelassen saftiges Gras mampfen – in nordöstlicher Richtung zu den Reben des Schnasbergs schweifen, im Westen erkennen sie gerade noch die obersten Häuser am Zinzikerberg. Doch die nahe Stadt mit ihrer Hektik bleibt ihnen verborgen, obwohl es nur wenige Kilometer zum Zen­trum sind: So nahe liegt ihr kleines Paradies. Klaus Lamatsch hat den Bettlihof 2005 übernommen. Er ist ganz in der Nähe, in Elgg, aufgewachsen – und hat ursprünglich Radio- und Fernsehelek- troniker gelernt. Doch wie kommt er zu seinem Biolandwirtschaftsbetrieb? «Mit der rasanten Entwicklung der Technik veränderte sich mein Beruf», sagt er. «Früher konnte man technische Geräte noch reparieren, doch durch die Miniaturisierung ging das Handwerk- liche zusehends verloren.» Gleichzeitig nahmen auch die Servicearbeiten bei Kunden ständig ab, ein «zwischenmenschlicher» Aspekt seines technischen Berufs, den er ebenfalls sehr geschätzt hatte. Bio aus Überzeugung Zunächst wandte er sich deshalb sozialen Tätigkeiten zu und ar­bei­te­te als Erzieher. Später unternahm er Auslandreisen nach Kanada und Mittelamerika. Und schliesslich erfüllte er sich einen Traum und ging einen Sommer auf eine Alp: Einen «etwas schwierigen Start» habe er da gehabt, dann aber einen guten Sommer erlebt, erzählt er, sodass er nach Weiterbildungskursen die Sommer der folgenden acht Jahre jeweils auf der Alp verbrachte – da hatte er bereits Frau und Kinder dabei. In seinem letzten Alpsommer kaufte er die Milch selber auf und vermarktete den daraus entstandenen Käse auf eigene Rechnung, indem er auf dem Winterthurer Wochenmarkt einen Stand betrieb – eine Erfahrung, die ihm später viel nützen sollte. 2003 machte er eine Zweitausbildung als Landwirt. «Da Biolandwirtschaft nicht als eigene Ausbildung angeboten wird, habe ich zusätzlich noch spezielle Biokurse besucht», erklärt er. Die Biolandwirtschaft überzeugt ihn auch heute noch: «Sie ist viel interessanter, auch wenn sie mehr Handarbeit braucht.» Trotzdem ist er überzeugt, dass sich nachhaltige Wirtschaftsweise lohnt: «Das ist für mich gar keine Frage: Die ganze Spritzerei fällt weg, das bedeutet klar weniger Aufwand und weniger Kosten.» Greenhorn macht das Rennen Der Bettlihof entstand vor rund 60 Jahren als Aussiedlung. Er umfasst 12 Hektaren Land, die den Hof in idealer Weise umgeben. Der Sohn der Gründerfamilie, Edwin Hofmann, führte ihn sein Leben lang, dann fand er 1996 eine Nachfolgerin, die den Betrieb auf Biolandwirtschaft umstellte. Bereits zwei Jahre später erfuhr Lamatsch, dass für den Bettlihof eine Nachfolgeregelung gesucht werde – und bewarb sich. Auf die Ausschreibung meldeten sich 27 Bewerber. Doch ausgerechnet er als Quereinsteiger machte das Rennen. «Dem Eigentümer war es sehr wichtig, dass der Milchwirtschaftsbetrieb erhalten bleibt und dass man vom Hof leben kann. Dass ich Erfahrung mit Kühen, Milch- und Käseproduktion hatte, schuf offenbar Vertrauen – denn sonst war ich schon eher ein landwirtschaftlicher Anfänger …», erzählt Lamatsch. Überzeugt hat den Besitzer aber auch ein Projektpapier «Der Bettlihof in fünf Jahren», das jeder Bewerber einreichen musste. Darin präsentierte Lamatsch die Idee, auf dem Hof zu käsen: «Die Voraussetzungen dafür sind fast wie auf der Alp: Durch das angrenzende Weideland kommen die Tiere häufig und ohne grosse Umstände heraus und haben zu 95 Prozent Frischfutter zur Verfügung», sagt er. «Ausserdem war ein geeigneter Raum für einen Käsekeller vorhanden.» Aufs Gschpüri kommts an Heute noch hat er mit seinem Verpächter – der unterdessen 76 Jahre alt ist und im Stöckli nebenan wohnt – ein sehr gutes Verhältnis. Klaus Lamatsch gefällt insbesondere, dass «hier alles relativ einfach gelöst» wird. Andere Höfe seien in der Zwischenzeit schon mehrmals umgebaut worden, dabei brauche es das gar nicht: «Mein Verpächter schaut gut zu seinem Hof und macht, was gerade nötig ist; zudem hilft und arbeitet er immer noch gerne mit», sagt er. «Wenn jemand mit viel Erfahrung auf den Hof gekommen wäre, dann wäre es wohl schwierig geworden. Ich aber konnte und durfte viel von ihm lernen, das schätze ich sehr.» Schliesslich sei er ja nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen und um sich diese Erfahrung anzueignen, brauche es Jahre. «Aber langsam kommts!», ist er zuversichtlich. Mit dem Käsen sei es ja nicht unähnlich: «Ich mache seit 15 Jahren Käse und am Anfang war es nicht viel anders als Kochen nach einem Rezept», sagt er. «Aber bis man das Käsen im Gschpüri hat, dauert es halt schon viel länger …» Der Hof bestimmt das Leben Das einfache und harte Leben gefällt Klaus Lamatsch: «Man arbeitet viel und braucht wenig Geld», sagt er. «Und durch den Stand auf dem Markt komme ich auch unter die Leute.» Das Privatleben und die Arbeit gehen allerdings nahtlos ineinander über: «Man ist eingespannt und hat verbindliche Termine, die man einhalten muss; so kann man das Melken nun mal nicht aufschieben!», sagt er. Seit er auf dem Bettlihof sei, gebe es bei ihm jedenfalls keine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit mehr – das sei wohl mit ein Grund gewesen, weshalb sich seine Frau inzwischen von ihm getrennt habe. Aber etwas Freizeit könne man auch als Landwirt durchaus haben, man müsse sich einfach organisieren, so Lamatsch weiter. Dank einem Mitarbeiter, den er im arbeitsintensiven Sommer ohnehin beschäftigt und der das Melken und Käsen übernimmt, kann er sich dann jeweils sogar Ferien gönnen.

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