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Die Kantine wird doch gerettet

Obwohl die Axa Winterthur eine Abbruchbewilligung für ihr beliebtes, 43-jähriges Personalrestaurant in Händen hat, will sie es nun doch aufwendig umbauen. Die einstigen Abbruchgegner führen das auf ihren Druck und auf geschickte Auflagen der Stadt zurück.

Die Axa-Angestellten an der Museum­strasse und die Fans der 43-jährigen Kantine mit Parkanlage werden die Botschaft freudig vernehmen: Die Axa will ihr Personalrestaurant auf den neusten Stand der Technik bringen, statt einfach abzureissen. Geplant ist der vollständige Umbau des zweistöckigen Interieurs in ein grosszügiges Selbstbedienungsrestaurant mit kleinerer Küche und einer neuen Cafeteria im Erdgeschoss. Wie aus den Plänen ersichtlich ist, soll an der äusseren Struktur des Gebäudes nur wenig verändert werden.

Gerade daran aber hatte sich 2010 ein Disput entfacht, nachdem die Stadt der Axa eine Abbruchbewilligung erteilt hatte. Ein Dutzend Künstler und Architekten wehrten sich in einer «Interessengemeinschaft Personalrestaurant Axa» gegen den Abriss. Ein architekturgeschichtliches Gutachten räumte dem Gebäude zwar «sozialpolitische Bedeutung und architektonische Relevanz» ein. Die Behörden sahen aufgrund eigener sowie externer fachlicher Beurteilungen aber keine Möglichkeit, es unter Schutz zu stellen. Die Axa indes schrieb einen Studienauftrag für einen Neubau aus, im Wissen, dass ein solcher die Dimensionen des bestehenden Baus nicht überschreiten darf. Ausserdem empfahl die Stadt, dass die Planung des Neubaus in einem Wettbewerb mit Beteiligung städtischer Ämter erfolgen sollte.

Überraschendes Umbauprojekt

Am Wettbewerb nahmen mehrere lokale wie auswärtige Architekturbüros teil. «Einige wollten das Personalrestaurant tatsächlich abreissen und durch irgendwelche Fantasiebauten ersetzen», sagt ein Mitglied der Interessengruppe. Doch zur Überraschung aller setzten sich auswärtige Architekten durch, welche das Gebäude strukturschonend umbauen wollen. Dass ein Umbau ähnlich teuer wie ein Neubau kommt, wurde schon 2010 moniert. Umso erstaunlicher ist, dass die Axa nun das Projekt der für öffentliche Bauten geschätzten Staufer & Hasler Architekten aus Frauenfeld mit einer Bausumme von fast 15 Millionen Franken zur Bewilligung ausschreiben lässt. Bei der Axa selbst will die Botschaft noch niemand kommentieren: «Wir stecken mitten im Baubewilligungsprozess und haben auch die Mitarbeiter noch nicht im Detail informiert», sagt Mediensprecherin Nicole Horbelt.

Identitätsstiftende Wirkung

Umso gesprächiger sind ehemalige Abbruchgegner, die das Projekt mehrheitlich begrüssen: «Das ist eine freudige Botschaft für alle, die den Abbruch bedauert hätten», sagt Walter Hollenstein, Vorsteher der IG. Der Vizepräsident des Hauseigentümerverbandes lobt auch die Behörden: Sie hätten erkannt, dass das Gesamtensemble von zwei mächtigen Gebäuden mit dem niedrigen Personalrestaurant in der Mitte und die Campuslandschaft mit Plastik wegen ihrer identitätsstiftenden Wirkung für Generationen erhalten bleiben sollte: «Im aktuellen Tempo der Stadterneuerung müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu viel Tabula rasa machen und die Stadt weitere Identitätsorte verliert», erklärt Hollenstein.

«Für den Heimatschutz ein guter Fall», findet auch Beat Schwengeler, Co-Präsident der Heimatschutzgesellschaft. Nach ihm hätte sich ein Neubau für die Axa kaum gelohnt, weil er angesichts der geschützten Gebäude rundherum zu enge Parameter hätte einhalten müssen. «Jetzt bleiben Struktur und Volumetrie erhalten. Was ändert, ist verschmerzbar», so Schwengeler, der die Umsetzung des Projektes «wohlwollend beobachten» will. Der pensionierte Axa-Architekt Hans Weisshaupt, der das Personalrestaurant 1970 erbaute und bis vor Kurzem gegen dessen Abriss mitkämpfte, kann die Notwendigkeit der Umbauten zwar nachvollziehen, bedauert aber, dass seine straffe, mit Metallrastern klar gegliederte Architektur einer grossflächigen Glasfassade weichen soll.

Für alle drei Freunde des Personalrestaurants augenfällig ist, dass der Umbau aus heutiger Sicht auch ökonomisch Sinn macht: 2010 sei man sich bei der Axa wohl alles andere als sicher gewesen, ob man das Restaurant nach dem Umzug zahlreicher Angestellter in den Superblock noch benötigt. Diese Gewissheit und damit wohl auch die Arbeitsplatzsicherheit am alten Hauptsitz scheint in der Zwischenzeit wieder gewachsen zu sein.

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