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Die Königsschwester soll vor Gericht

Wegen Geldwäsche und Beihilfe zur Steuerhinterziehung soll die Schwester des spanischen Königs Felipe vor Gericht gestellt werden. Die Staatsanwaltschaft hält sie für unschuldig.

Wegsehen schützt nicht vor Strafe. Davon geht der Ermittlungsrichter José Castro in Palma de Mallorca aus und will die Schwester von König Felipe VI. auf die Anklagebank setzen: Cristina de Borbón y Grecia. «Die Finanzdelikte, die Don Iñaki Urdangarin zur Last gelegt werden, können nur schwerlich ohne das Wissen und die Einwilligung seiner Ehefrau begangen worden sein», sagt der Richter. Sie sei an Geldwäsche und Steuerbetrug ihres Ehemanns beteiligt.

Staatsanwalt mit Beschwerde

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruptionsfälle hält die Infantin Cristina nach wie vor für nicht schuldig. Sie hat Beschwerde gegen den Beschluss des Richters eingelegt. Auch die Anwälte der Infantin haben das angekündigt. Staatsanwalt Pedro Horrach hatte schon mehrfach versucht, den Untersuchungsrichter zunächst von der Beschuldigung und jetzt der Anklage gegen Cristina abzubringen. Im Januar noch hatte er vor deren Vernehmung «als Beschuldigte» dem Ermittlungsrichter vorgeworfen, einer «Verschwörungstheorie» anzuhängen. In ihrer Aussage in Palma, der ersten eines Mitglieds des spanischen Königshauses vor einem Gericht, bestritt die Infantin am 8.Februar jede Beteiligung an oder Wissen von krummen Geschäften ihres Mannes Iñaki Urdangarin. Immer wieder sagte sie: «Ich erinnere mich nicht» oder «Davon weiss ich nichts». Und sie habe ihrem Mann «voll vertraut». Ob Cristina in die Anklage gegen ihren Ehemann einbezogen wird, muss nach den Einsprüchen nun das oberste Provinzgericht von Mallorca entscheiden.

Zwei verschiedene Verfahren

Die Hauptanklage richtet sich gegen den ehemaligen Handballstar Urdangarin. Der hat mit seinem damaligen Geschäftspartner Diego Torres die Stiftung Noos gegründet, um Sportereignisse auszurichten. Sie soll den Landesregierungen der Balearen und Valencias insgesamt 5,6 Millionen Euro (6,8 Mio. Franken) abgeluchst haben, widerrechtlich, durch überhöhte Rechnungen. Iñaki und Ehefrau Cristina gründeten ihrerseits die Firma Aizoon, die beiden zu 50 Prozent gehörte. Die wiederum bezog durch mutmasslich fingierte Rechnungen 1,4 Millionen von Noos. Die Ermittlungen gegen Urdangarin und Torres sind ein Nebenprodukt eines anderen Verfahrens, in dem es um Korruption der früheren Inselregierung beim Bau von Sportstätten ging. Erst dabei entdeckten Richter Castro und Staatsanwalt Horrach die Machenschaften des Schwiegersohns von Ex-König Juan Carlos. Ermittlungsverfahren werden in Spanien nicht von der ermittelnden Staatsanwaltschaft, sondern von einem Untersuchungsrichter geleitet. Der muss die Anklageeröffnung beim zuständigen Gericht beantragen. Richter Castro tat das gestern mit einem 167 Seiten starken Schriftsatz. Die 49-jährige Cristina de Borbón hat die Entscheidung von Richter Castro in Genf abgewartet, wo sie mit ihrem Mann und den vier Kindern wohnt. Ihre Mutter, Ex-Königin Sofia, hatte sie noch am Vortag des Richterspruchs dort besucht. Cristina gehört formell nicht mehr der «familia real» an, der Königsfamilie. Sie war auch nicht bei der Proklamation ihres Bruders zum König in der vergangenen Woche eingeladen. «Wir rechnen nicht mit Ihrer Anwesenheit», hiess die Formulierung in der Ausladung. König Felipe reagierte knapp auf den Richterbeschluss von Palma. Das Königshaus betonte seinen «vollen Respekt für die Entscheidungen der Justiz».

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