Zum Hauptinhalt springen

Die Krone gibt er nicht gerne ab

madird. Nach der Abdankung der holländischen Königin Beatrix steigt der Druck auf andere langjährige Monarchen, ebenfalls der jüngeren Generation Platz zu machen. Vor allem in Spanien.

Spaniens Kronprinz Felipe wird aufmerksam die Nachrichten vom Hofe in den Niederlanden verfolgen. Dort hat die holländische Königin Beatrix diese Woche ihre Abdankung angekündigt und den Weg für Prinz Willem-Alexander auf den Thron freigemacht. Nun wird in Spanien heftig dar­über diskutiert, ob der alte König und Staatschef Juan Carlos I. sich nicht ebenfalls endlich zugunsten von Felipe zurückziehen sollte. Doch es sieht nicht so aus, als ob Juan Carlos, der gesundheitlich angeschlagen ist und dessen Ansehen auf dem Tiefpunkt ist, dem öffent­lichen Druck nachgeben wolle. «Der König wird niemals abdanken und bis zu seinem Tod regieren», sagte Spaniens Königin Sofia schon vor geraumer Zeit. Dabei sind die Parallelen nicht zu übersehen: Spaniens Prinz Felipe feierte gestern seinen 45. Geburtstag und ist damit im gleichen Alter wie der niederländische Thronfolger Willem-Alexander. Der spanische König Juan Carlos beging Anfang Januar seinen 75. Ehrentag und ist damit im gleichen majestätischen Alter wie Beatrix. Diese kündigte an, dass es Zeit sei, «die Verantwortung für das Land in die Hände einer neuen Generation zu geben». Spaniens Juan Carlos, der immer wackeliger und volksferner wirkt, klammert sich derweil an seinen Thron und erklärte vor Kurzem noch: «Ich bin in guter Form, mit Ener­gie­ und vor allem mit Lust weiterzumachen.» Es scheint, dass die Stimmung im Volk noch nicht recht am Hofe angekommen ist. Umfragen spanischer Medien sprechen dafür, dass immer mehr Spanierinnen und Spanier frischen Wind im Palast herbeisehnen oder sich sogar zunehmend ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt vorstellen können. «Könige können doch abdanken», prescht die nationale konservative Zeitung «El Mundo» jetzt in einem Kommentar vor, in dem sie das Staatsoberhaupt auffordert, sich zurückzuziehen. «Er sollte Felipe endlich die Krone übergeben, wenn er wirklich möchte, dass Spanien in den nächsten Jahrzehnten ein Königreich bleibt.» Viele Spanier seien inzwischen der Meinung, dass das wankende Königshaus «eine dringende Machtübergabe» brauche. Verdacht: Steuern hinterzogen Vor allem, weil sich der Eindruck festigt, dass das Könighaus unter Juan Carlos zuletzt vor allem durch Affären und Skandale von sich reden machte. Für besondere Empörung sorgt der Verdacht, dass der königliche Schwiegersohn und Ehemann von Prinzessin Cristina, Inaki Urdangarin, sich öffentliche Gelder in Millionenhöhe erschlichen und auch Steuern hinterzogen haben soll. Eine luxuriöse Elefantenjagd des Königs in Afrika mitten in schlimmen Krisenzeiten verstärkte den Eindruck, dass Juan Carlos auch selbst die Bodenhaftung verloren hat. Ganz zu schweigen von unendlichen Berichten über Liebesabenteuer, die seiner Ehe mit Königin Sofia und auch seinem Ruf ganz offensichtlich schadeten. Ein würdigerer Repräsentant «Thronfolger zu sein, bedeutet, sich dar­auf vorzubereiten, einmal König zu sein», sagte Prinz Felipe einmal. Es gibt keinen Zweifel, dass der jüngste Königsspross sehr gut auf seine Zukunft vorbereitet ist. Er spricht mehrere Sprachen, durchlief eine Offiziersausbildung, studierte Recht, Wirtschaft sowie internationale Politik. Immer ­öfter vertritt er seinen Vater in der Öffentlichkeit. Der Prinz gilt als wür­diger Staatsrepräsentant, der zudem nicht durch Skandale belastet ist. Vor neun Jahren heiratete Felipe die frühere TV-Journalistin Letizia Ortiz – eine Bürgerliche, die in erster Ehe geschieden ist. Die beiden haben zwei Töchter: Die ältere, Prinzessin Leonor, ist sieben Jahre alt, steht in der Thronfolge gleich hinter Felipe und könnte irgendwann einmal Spaniens erste königliche Staatschefin werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch