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Die Kunst der Trockenübung

Das Künstlerduo Andri Köfer und Robert Hess ist bekannt für seine Bricolagen. In der Kunsthalle Winterthur unter­ziehen sie ihren «temporären Heimatbau» derzeit einem Testlauf.

Man kennt sie in Winterthur, dank Ausstellungen im Kunstkasten und am Skulpturensymposium im Weiertal. In den vergangenen vier Wochen haben Andri Köfer und Robert Hess nun die Kunsthalle umgebaut. Im vorderen Saal wurde ein erhöhter Bretterboden eingezogen, auf dem nun zwei provisorische Behausungen stehen. Das eine Gebilde ist ein architektonischer Hy­brid zwischen überdimensionalem Tomatenhaus und Jägerhochsitz. Kon­struiert ist es aus Holzlatten. Feste Wände gibt es nicht; als Wind- und Wetterschutz dient eine transparente Plastik­folie. Die zweite Behausung ist eine zeltartige Hütte mit Stoff­dach. Diese ganz nach Heimwerkerart gebauten Unterschlupfe werden nach der Ausstellung über den Zürichsee auf die Insel Lützelau verschifft, um Andri Köfer und seiner Partnerin Daniela Villiger während des Sommers als Schlaf- und Kochstelle zu dienen.

Mit auf die Insel kommt dann neben dem jüngst (einen Tag vor der Vernissage) zur Welt ge­kommenen Nachwuchs auch eine Aus­wahl an Robinson-Crusoe-Lite­ratur. Die insulare Bibliothek alimentiert sich aus Beständen des «Kunst(Zeug)Hauses» in Rapperswil, die der Kunstsammler Peter Bosshard zusammengetragen hat. Oliver Kielmayer, Kurator der Kunsthalle, erläuterte in seiner Eröffnungsrede an der Vernissage, die Installation sei ein Testlauf. Trockenübung wäre die passendere Bezeichnung, denn erst wenn das «Luetzelow Project» die Komfortzone des Kunstbetriebs verlässt, kommt der eigentliche Reality-Check. Dann wird man sehen, ob es sich um mehr als nur ein Schönwetterprojekt handelt.

Ist Kunst ein Freiraum?

Das Duo Köfer und Hess auf die Funktionalität behaften zu wollen, wäre allerdings der falsche Ansatz. Mit ihrer Do-it-yourself-Haltung stellen die beiden Künstler indirekt Expertenwesen und Normierung in Frage. Auch könnte man in diesem Zusammenhang die politische Diskussion um Kleinbauten ins Feld führen; als temporäre Indoor-Kunst-Bauten brauchen diese Konstruk­tionen keine Baubewilligung.

Die aktuelle Ausstellung thematisiert die Kunst(-halle) als kreativen Freiraum. Mit der Ein­richtung einer Büro- und einer Werkstattsi­tua­tion im hinteren Saal wird auf die Pro­du­k-tionsbedingungen der Kunst ver­wiesen – jedoch nur anekdotisch. Für den Besucher wäre es auf­schluss­reicher gewesen, mehr über die reellen Produktionsbe­din­gungen des Künstlerduos und dessen Form von Zusammen­arbeit zu er­fah­ren. Denn in der Regel sind die künstlerischen Produ­ktions­bedingungen prekär. Doch das hat weniger mit Kunst als mit dem wirklichen Leben zu tun.

www.kunsthallewinterthur.ch

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