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Die Leiden der jungen Volksvertreter

Obwohl Politik ihre Passion ist, haben gestern zwei junge Parlamentarierinnen den Rücktritt angekündigt. Aus demselben Grund wie andere vor ihnen: Die Zeit reicht nicht.

Die jungen Kantonsrätinnen und Kantonsräte sind in Zürich eine Minderheit mit eher schlechten Prognosen. In jüngerer Vergangenheit hat ein Fünftel aller Parlamentarier unter 35 das Amt nach wenigen Jahren wieder abgegeben, meist vorzeitig. Seit gestern ist diese Quote sogar auf einen Viertel gestiegen, denn mit Leila Feit (FDP) und Alma Redzic (Grüne) haben gleich zwei junge Frauen am selben Tag verkündet, dass sie nicht weitermachen. Obwohl die Lebensumstände der beiden unterschiedlich sind, begründen sie ihren Entscheid im Grund sehr ähnlich: Die Politik sei zwar sehr spannend gewesen, aber es komme der Punkt, an dem man Prioritäten setzen müsse. Wenn man sich nicht mit halbbatzigen Dingen zufriedengebe, bringe man einfach nicht alles unter einen Hut. Bei Feit sind es ihre drei kleinen Kinder und ihr 60-Prozent-Pensum als Geschäftsführerin der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, auf die sie sich kon­zen­trie­ren will. Bei Redzic sind es der Broterwerb und das zeitaufwendige Jura-Studium. «Es geht einfach nicht mehr», sagt Redzic. Sie habe in den letzten fünf Jahren ein einziges Mal Ferien machen können. Zudem hätten sich Familie und Freunde zu lange nach ihrem üppig befrachteten Terminkalender richten müssen. Auch Feit sagt: «Ich stehe dazu, dass ich sage: Jetzt ist genug.» E-Mails um 3 Uhr morgens Esther Guyer, Fraktionschefin der Grünen, kennt solche Sätze gut. Ihre Partei ist quasi zu einem Kompetenzzentrum geworden für Jungpolitiker, denen ihr Mandat zu viel wird: Gleich fünf grüne Kantonsrätinnen und Kantonsräte unter 35 haben in den letzten Jahren aufgehört – was daran liegt, dass die Partei besonders viele Junge aufstellt. Der Grund fürs Aufhören sei stets Überlastung, sagt Guyer. Lars Gubler, mit 21 Jahren einst jüngster Kantonsrat aller Zeiten, begann eine Ausbildung. Andere wie Redzics Vorgänger Matthias Kestenholz oder Sandro Feuillet gründeten eine Familie und machten Karriere oder starteten ein Unternehmen. Von diesen Jungpolitikern bekam Guyer manchmal noch morgens um 3 Uhr E-Mails zu Sachgeschäften. Unter solchen Umständen sei das Zürcher Parlament mit seinem enormen Arbeitsaufwand zu viel. Trotzdem glaubt die grüne Fraktionschefin, dass es sich lohnt, weiter auf junge Politiker zu setzen. Auch Feit und Redzic wollen Nacheiferer nicht entmutigen. Ein Kantonsratsmandat sei in jungem Alter machbar, solange man sein Umfeld und seine Lebensumstände entsprechend einrichten könne. Anders gesagt: Es geht, wenn man anderswo Abstriche macht, bei der Ausbildung, beim Job oder der Familie. Es gibt durchaus Beispiele für jung gewählte Kantons­räte, die einen Weg gefunden haben: die SP-Geschwister Nicolas und Chantal Galladé etwa, er heute Winterthurer Stadtrat, sie Nationalrätin. Im Nationalrat politisieren heute auch Natalie Rickli (SVP) und Thomas Maier (GLP).

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