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«Die letzten kompetitiven Momente»

london. Michael Phelps steht vor der abschliessenden grossen Woche seiner einzigartigen Karriere.

2008 in Peking holte Michael Phelps in acht Starts acht Goldmedaillen – eine noch nie von einem Sportler je erreichte Menge an einzelnen Olympischen Spielen. «Vor vier Jahren versuchten wir, alles zu erobern. Jetzt sind wir die Sache etwas entspannter angegangen. Wir hatten Spass», meint der Amerikaner über sich und seine Trainer, «die aufschreiben, was das Beste für mich ist. Und ich mache es dann.»

Das mit dem Spass wiederum ging zweimal ins Auge. 2008 tauchte ein Bild von Phelps mit Wasserpfeife auf, worauf ihn der US-Schwimmverband drei Monate sperrte. 2009 erlitt er schuldlos einen Autounfall; es stellte sich heraus, dass er leicht alkoholisiert und zugleich ohne gültigen Fahrausweis unterwegs gewesen war. «Wir ­befanden uns in den letzten vier Jahren auf einem soliden Weg», sagt er noch, «abgesehen von ein paar Schlaglöchern …»

Der Wert der Arbeit

Insgesamt zog Phelps das weiter, was er seit Beginn seiner einmaligen Karriere immer getan hatte. «Ein Superstar braucht alles: Talent, das Umfeld, der Wille, die Motivation und die Fähigkeit, den Fokus zu behalten», zählt Bob Bowman, sein erster und jetziger Trainer, auf. «Was ihn aber wirklich gross gemacht hat, ist die Arbeit, die er leistet.»

Sein Körper sei vier Jahre älter geworden, die Erholungszeit werde immer wichtiger, meint Phelps. Das gilt natürlich auch für seine olympische Woche ab morgen Samstag. «Ich bin vorbereitet, das Beste zu tun. Alles andere wird sich ergeben. Ich kann nur mich selbst kontrollieren, nicht die anderen Schwimmer. Was im Wettkampf passiert, das passiert.»

Ge­gen­über Peking hat Phelps die 200 m Crawl gestrichen. Er wird über 100 und 200 m Delfin, 200 und 400 m Lagen sowie in drei Staffeln antre- ten. Eigentlich gilt als sicher, dass er den Olympiarekord, den die russische Kunstturnerin Larissa Latynina seit 1964 mit 18 Medaillen hält, übertreffen wird. Zwei fehlen ihm dazu. «Rekorde sind für mich nicht wichtig. Ich will der erste Michael Phelps sein. Das wollte ich schon immer», sagt der 27-Jährige. «Ich bin sehr glücklich mit meiner Karriere. Mal schauen, was in ihrer letzten Woche geschieht. Ich werde meine letzten kompetitiven Momente erleben. Emotional wird das eine grosse Sache für mich.»

Zuerst das Duell

Seine Wettkämpfe im Aquatics Center beginnen morgen mit der heikelsten Disziplin. Die 400 m Lagen wolle er nie wieder schwimmen, hatte er nach Olympia 2008 gesagt. Seine Meinung änderte. Aber der Wettkampf am Samstag sei nun wirklich sein letzter in dieser Disziplin. «Es wird eine Herausforderung.» Zumal er auf Weltmeister Ryan Lochte, seinen Rivalen aus dem eigenen Team trifft, der das letzte Duell gewann. «Im Training haben wir seither ein paar Sachen geändert. Mal schauen, wie es sich auszahlt», bemerkt Phelps.

Für ihn sind es bereits die vierten Olympischen Spiele. Gefallen daran hat er immer noch. «Das Essen hier ist besser als in den paar Malen zuvor», lächelt er und freut sich über die «coolen Erlebnisse» im olympischen Dorf. «In den letzten Tagen war es aber auch hart, im Zimmer zu sitzen und auf den Wettkampf zu warten.»

Seine Erfahrungen, etwa wie Olympische Spiele zu bewältigen sind, hätte er gerne auch Missy Franklin vermittelt. «Ich sagte ihr, sie soll mich anrufen, wenn sie etwas wissen möchte. Sie tat es nicht …» Die 17-Jährige plant, wie Phelps, Starts in sieben Wettkämpfen. «Sie strotzt nur so vor Ener­gie­», meint der 14-fache Olympiasieger. «Ich hoffe, sie kann ihre emotionale Ener­gie­ auch kontrollieren» und in Leistungen umwandeln. Das, im Übrigen, zählt ebenfalls zu seinen Stärken.

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