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Die Linke bastelt an einer neuen Süd-Achse

Die neue spanische Partei Podemos zieht an den Sozialisten vorbei und rückt den Konservativen gefährlich nahe. Sie will im Herbst die Macht übernehmen. Ihr Chef Pablo Iglesias hofft auf den Tsipras-Effekt.

Eine gewaltige Menschenmenge macht sich gegenseitig Mut. «Podemos», sagen sie. Wir können. Und sie lauscht dem Mann, der die Partei Podemos vor einem Jahr gegründet hat, der ihnen das zurückgeben will, was sein griechischer Parteifreund von Syriza dort versprochen hat: die Würde und das Gefühl, etwas zu können, etwas wert zu sein. Sogar ein paar griechische Sätze sagt Pablo Iglesias deshalb vor den Spaniern hier an der Puerta del Sol, dem Platz im Herzen von Madrid, wo man sich bei politischen Umwälzungen sammelt. Wie 1978, als die erste Verfassung nach der Franco-Diktatur per Volksentscheid angenommen wurde. Damals wurde der Grundstein zum Zweiparteiensystem gelegt, das heute zu zerbröckeln beginnt.

Griechische Tragödie

Den weit über hunderttausend bei der Podemos-Kundgebung am vergangenen Wochenende scheint die Mitte zu fehlen. Viele junge Menschen ohne Zukunft sind dort. Und viele Alte ohne Hoffnung. Die griechische Tragödie spielt sich auch in Spanien ab. Die Wirtschaftszahlen werden besser, aber dem Volk geht es nicht gut, in Teilen sogar richtig schlecht. Wie in Griechenland drückt die hohe Arbeitslosigkeit von mehr als 23 Prozent und 48 Prozent bei den Jungen. Man fühlt sich verlassen, auch von den Politikern, die sich in ihren Reden stets auf die Seite der einfachen Menschen stellen. Spaniens Sozialdemokraten erfahren das schmerzlich.

Podemos mit Erfolg

Sie sind nur noch dritte Kraft im Parlament, das im Spätherbst neu gewählt wird. So sagen es die Umfragen seit Monaten. Die jüngste in dieser Woche kommt vom Centro de Investigaciones Sociales (CIS), einem staatlich finanzierten, aber anerkannt unabhängigen Institut. Aufsteiger ist hier Podemos, wie in allen anderen Befragungen. Sie liegen mit 24 Prozent an Nummer zwei. Die regierende konservative Volkspartei (PP) kommt auf 27 Prozent. Und die Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE), die Sozialdemokraten, sinken auf 22 Prozent. Bei den letzten Parlamentswahlen hatte der PP noch über 44Prozent. Jetzt kommen die beiden Volksparteien, die sich seit 1978 an der Spitze der Regierung abgelöst haben, zusammen auf nur noch 49 Prozent.

Augen nach Griechenland

Doch selbst wenn Podemos bei den Wahlen siegen sollte, kann es angesichts der vereinten Stärke von PP und PSOE nicht zu einer Regierung reichen. Die rechte, antieuropäische und nationalistische Partei, die Tsipras in den Sattel geholfen hat, gibt es bisher nicht in Madrid. Und Tsipras könnte auch ein Risiko für Iglesias sein: Die Programmansätze von Syriza und Podemos gleichen sich so sehr, dass Erfolg oder Misserfolg der Griechen zum Zünglein an der Machtfrage im späteren spanischen Wahlkampf werden kann.

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