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Die Lions wurden vorgeführt

Welch ein Fehlstart in die Halbfinalserie gegen Genf-Servette: Die ZSC Lions waren 40 Minuten lang optisch nicht schlecht, verloren aber 0:5 (0:1, 0:2, 0:2).

Zum Playoff-Auftakt waren die ZSC Lions vom Aufsteiger Lausanne kalt erwischt worden. Am 11. März verloren sie in der eigenen Halle 1:4 – und diese Niederlage, die eine Serie über sieben Partien einläutete, wirkt irgendwie immer noch nach. Nur zwei Tage nach dem 1:0, das sie in die Halbfinals brachten, erlitten die Zürcher, noch immer Titelkandidat Nummer 1, einen wahren Tiefschlag. 0:5, fünf Gegentore ohne Antwort – das war die schlimmste Heimniederlage der Saison. Und das im Playoff. Die ersten der nur 8377 Zuschauer wanderten schon nach 50 Minuten ab. Sie spürten, dass von ihrer Mannschaft nichts mehr kommen würde. Sie hatten recht. Die ZSC Lions spielten, als befänden sie sich mitten in der Saisonvorbereitung. Und das Verrückte dabei: Auch die Genfer präsentierten sich nicht als taktisch gefestigte Playoff-Equipe. Servette liess sich des Öftern ausspielen, leistete sich mehrmals katastrophale Fehlpässe – und gewann am Ende völlig unbedrängt und klar. Wie war so etwas möglich? Die Zürcher wirkten ohne Plan. Sie kannten zwar die Richtung – und die hiess Genfer Tor. Aber sie, die noch nach dem Dienstag und dem Triumph über Lausanne ihre Defensive als grossartig gelobt hatten, waren nach hinten zu wenig gut. Und im Abschluss fehlte ihnen die Konsequenz, die Genf an den Tag ­legte. Dazu war der Genfer Torhüter Tobias Stephan der beste der drei Goalies im Match. Lukas Flüeler musste sich nach einem Treffer an seine Maske von Lombardi für 83 Sekunden von Tim Wolf vertreten lassen. Der Einsatz der Nummer 2 fiel ausgerechnet in ein Genfer Powerplay, und er kassierte das 0:2 unglücklich. Er wollte einen abgeprallten Puck sichern – und schob ihn selber über die Torlinie. Das war nach 25 Minuten, noch immer wäre alles für die Lions möglich gewesen, wenn sie denn endlich einmal aus ihrem Kreisen heraus auch den Puck gefährlich Richtung Genfer Tor gebracht hätten. Genfer Effizienz Aber es ging nichts, bei einer angezeigten Strafe gegen Blindenbacher verwertete Alexandre Picard einen Querpass von Daugavins zum 0:3 (33.). Die Genfer Linie mit Matthew Lombardi, Daugavins und Picard erzielte vier der fünf Tore. Der Lette Daugavins erwischte nach einem gewonnenen Anspiel von Lombardi Goalie Flüeler zur überraschenden Genfer Führung nach elf Minuten, Picard war Schütze des 2:0 und 3:0, im letzten Abschnitt gelang Lombardi gar noch ein Tor in Unterzahl. Chris Rivera war der einzige Schütze aus einer andern Linie. Die Zürcher hatten keinen, der traf. Einem Tor am nächsten kamen Morris Trachsler (Lattenschuss) und Mathias Seger (Pfosten). Die Genfer Effizienz war beeindruckend. «Aber diese Partie darf man nicht als Massstab für die ganze Serie nehmen», nahm Genf-Coach Chris McSorley den Gegner in Schutz. «Die Zürcher verloren gegen Lausanne sehr, sehr viel Kraft. Sie werden einen Weg finden, um wieder zu Ener­gie­ zu kommen.» Sie selber hätten Glück gehabt, «jeder Abpraller, jeder misslungene Pass landete auf unseren Stöcken. Und wir hatten Tobias Stephan im Tor. Er war entscheidend.» Stephan ging mit einer Abwehrquote von über 96 Prozent ins Spiel, sein Wert ist nach gestern noch besser. «Sie hatten zwar viele Schüsse, aber meine Vorderleute liessen ihnen nicht viele klare Chancen zu», sagte der Klotener Schlussmann. Er war in die Viertel­finals gegen Lugano mit einem Shutout gestartet, er begann auch die Halb­finals ohne Gegentor. «Das gibt Selbstvertrauen», sagt er. Zürichs Coach Marc Crawford wollte nicht gelten lassen, dass sein Team von der Serie gegen Lausanne noch gezeichnet gewesen sei. «Das siebte Spiel im Viertelfinal darf doch keine Entschuldigung für diese Leistung sein.» Sie befänden sich jetzt in einer andern Serie. «Ich muss meine Spieler besser vorbereiten, aber sie müssen auch selber besser vorbereitet sein», fordert der Kanadier nach einer Leistung, die nichts mit Playoff zu tun hatte. Als taktisches Mittel hatte der Trainer selber nach dem Timeout (0:3) allerdings auch nicht viel zu bieten, ausser dass er wieder einmal die Linien neu zusammenstellte. Ohne Erfolg. Die Zürcher sind wieder in Rücklage, die Genfer dagegen haben von den letzten 12 Partien 11 gewonnen.

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