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«Die meisten haben Verständnis»

Sie begegnen mir... an der Verkehrsabschrankung: Salvatore Carfagno (48)

In den Sommermonaten bin ich zusammen mit meinen Kollegen für die Verkehrsregelung zuständig, wenn das Sommertheater spielt. Meinen Standort habe ich am Absperrgitter gleich beim Haupteingang beim Manor an der Bankstrasse. Vom Sommertheater weiss ich, dass dort vor allem Komödien gespielt werden. Während es für die Schauspielerinnen und Schauspieler ein Bühnenhaus gibt, sitzen die Zuschauer im Garten unter einem Zeltdach. Damit sie die Aufführung geniessen können, sorgen wir dafür, dass während der Vorstellungen keine Autos auf der Stadthausstrasse herumfahren. Mit den meisten Autofahrern habe ich bis jetzt gute Erfahrungen gemacht. Wenn man ihnen die Si­tua­tion freundlich erklärt, haben sie Verständnis und fahren woanders durch. In der Regel sind es vor allem auswärtige Chauffeure oder Touristen, denen ich erklären muss, weshalb die Strasse während der Theatervorstellungen gesperrt ist. Wenn ein Gewitter kommt oder es zu kalt ist, um draussen zu spielen, braucht es uns nicht. Dann finden die Vorstellungen im Saal des Restaurants Strauss statt. Ich arbeite für den Verein ‹Läbes- ruum›. Dort mache ich vor allem Gartenarbeiten. Ein grosser Garten gibt viel zu tun. Da muss man den Rasen mähen oder Hecken schneiden. Die Arbeit im Freien gefällt mir. Ich habe immer etwas zu tun, und meine Auftraggeber sind mit meiner Arbeit zufrieden. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Früher habe ich im Gastgewerbe gearbeitet und im Catering ausgeholfen. Als mein damaliger Chef seinen Betrieb aufgegeben hat, machte ich mir keine Sorgen. Ich sagte mir: Du findest sicher wieder eine Stelle in einem Restaurant. Aber es kam anders. Ich wurde arbeitslos und habe trotz vieler Bewerbungen nichts gefunden. Das ging bis zur Aussteuerung. Ich bin dem ‹Läbesruum› sehr dankbar, dass ich jetzt wieder Arbeit habe. Mein Chef hat immer Verständnis für meine Si­tua­tion gehabt. Dank ihm konnte ich wieder ins Berufsleben einsteigen. Ich stamme aus Avellino in Süditalien und habe ursprünglich Coiffeur gelernt. Noch heute kommt es vor, dass ich in meinem Bekanntenkreis ab und zu jemandem die Haare schneide. Das habe ich in all den Jahren nicht verlernt. In meiner Freizeit bin ich ein begeisterter Velofahrer. Auf meinen Touren fahre ich 50 bis 100 Kilometer am Stück, je nachdem, ob es bergauf geht oder die Strecke flach ist. Ich bin auch schon viel in der Welt herumgekommen. Ich war schon in Südasien, in der Karibik und auch einmal in Nepal. Es gibt aber immer noch einige Flecken auf der Erde, die ich kennen lernen will. Ich möchte noch nach Mittel- und Südamerika und dort Feuerland sehen. Das ist mein grösster Traum. Vorderhand geht es aber darum, dass ich mich bei meiner Arbeit bewähre. So wie es jetzt läuft, bin ich zufrieden. Wenn ich mich an früher erinnere, geht es mir heute viel besser, und ich habe ein gutes Gefühl. AUFGEZEICHNET VON CHRISTIAN LANZ

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