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Die Millionen versandeten in Deutschland

Für das Zürcher Obergericht ist Rolf Erb ein arglistiger Betrüger und Urkundenfälscher. Er habe Banken um Millionen gebracht, um ein Leben in Luxus führen zu können, sagte der Richter gestern während der zweistündigen Urteilsverkündung. Erb lauschte reglos.

Rolf Erb sass gestern mit eingezogenen Schultern vor Gericht. Der einstige Chef der milliardenschweren Erb-Gruppe hörte sich das Urteil mit steinerner Miene an und schloss zwischendurch minutenlang die Augen. Der Vorsitzende Oberrichter Christoph Spiess erklärte knappe zwei Stunden lang, weshalb die Richter den einstigen Winterthurer Wirtschaftsführer zu sieben Jahren Haft verurteilen, weshalb sie in vielen Punkten die Vorinstanz stützen und alle Anträge seines Spitzenverteidigers Lorenz Erni abgewiesen haben. Das rechtliche Gehör sei dem Angeklagten durchaus gewährt worden, sagte Spiess. Es liege keine Verletzung des sogenannten Beschleunigungsgebots vor. Das Verfahren habe auch über all die Jahre gedauert, weil Erb krank gewesen sei und seine Anwälte wechselte. Und auch alle anderen Rechte seien dem Angeklagten zugestanden worden. Banken über den Tisch gezogen Die Oberrichter lehnten es zudem ab, ein neues Gutachten über die Bilanzen der Erb-Gruppe hinzuzuziehen. Das hatte die Verteidigung gefordert, weil das amtliche Gutachten der Staatsanwaltschaft fehlerhaft sei. Und die Gutachter keine Ahnung gehabt hätten. Das sah Spiess anders: Sie konnten ihm schlüssig darlegen, wie Erb von 1998 bis 2002 mehrere Banken und den japanischen Autohersteller Mitsubishi mit geschönten Bilanzen über den Tisch gezogen hat. Diese hätten die Kreditwürdigkeit der Erb-Gruppe geprüft, doch wegen der falschen Abschlüsse nichts von der Schieflage geahnt. In diese geriet der Konzern, weil er am ostdeutschen Immobilienunternehmen CBB beteiligt war – und sich verpflichtet hatte, dessen Finanzlöcher zu stopfen. Diese seien immer grösser geworden. Die CBB schaffte es nie in die schwarzen Zahlen, verschlang allein im Sommer 2002 eine halbe Milliarde Franken. Die Erb-Gruppe brauchte immer mehr Geld – auch um den luxuriösen Lebensstil des Schlossherrn Rolf Erb zu finanzieren. Deshalb habe die Erb-Leitung zu betrügen begonnen. Während er das Urteil erläuterte, lächelte Richter Spiess mehrmals süffisant in die Runde. Meist dann, wenn er über einen Widerspruch sprach. Zum Beispiel als er begründete, weshalb der Erb-Familie alle Liegenschaften und auch die wertvolle Oldtimersammlung entzogen werden soll. Die Autos hatte Erb seiner Lebenspartnerin kurz vor dem Erb-Konkurs zur Geburt der Zwillinge geschenkt – mit der Begründung, sie seien ja nicht verheiratet, deshalb habe er sie absichern wollen. Für Spiess ist das bloss ein Vorwand: «Hätte er das tun wollen, hätte er ihr wohl kaum eine sperrige Sammlung vermacht, die sich schwer verkaufen lässt.» Erbs Verteidiger lauschten der Urteilsverkündung mit ernster Miene. Gleich dar­auf gab Anwalt Lorenz Erni den Weiterzug ans Bundesgericht bekannt, weil die Richter falsch lägen: «Mein Mandant ist unschuldig.» Während dieser das Gericht schnell und stumm verliess, zeigte sich Staatsanwältin Susanne Leu strahlend und erleichtert. Sie sagte: «Das ist ein deutliches Zeichen gegen Wirtschaftskriminelle.»

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