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Die Mutter der Winterthurer Industrie

Ohne sie wäre Winterthur kein bedeutender Industriestandort geworden. Katharina Sulzer-Neuffert war die treibende Kraft bei der Gründung der heute global tätigen Firma Sulzer 1834.

Ihr Name ziert seit gut fünfzehn Jahren einen Platz, der gleichzeitig für ein altes und ein neues Winterthur steht. Der Katharina-Sulzer-Platz ist der erste öffentliche Ort in Winterthur, der nach einer Frau benannt wurde. Geschichtsträchtig ist er, weil dort der Grundstein für die Firma Sulzer gelegt wurde. Heute symbolisiert der Platz das neue Winterthur, das seine Industrievergangenheit abgestreift hat und selbstbewusst geworden ist. Katharina Sulzer, geborene Neuffert, kam 1778 in Süddeutschland auf die Welt. Sie verliess die Heimat und kam als Dienstmädchen nach Winterthur. Sie ar­bei­te­te bei der Familie Clais, die im Lindengut lebte. Dort wurde sie sehr gut behandelt und lernte den jungen Messingdreher Johann Jakob Sulzer kennen. 1806 heiratete das Paar. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Die zwei Söhne, Johann Jakob und Salomon, waren die Gründer der Firma Sulzer. 1910 schrieb Alexander Isler eine Biografie über Katharina Sulzer. Heute gilt der Text als etwas gar blumig und beschönigend. Historiker Peter Niederhäuser spricht von einer «Gefälligkeitsbiografie». Allerdings gesteht auch er Katharina Sulzer eine wichtige Rolle zu. «Damals ging es in einem Handwerksbetrieb nicht ohne die Frauen.» Aus ihren Briefen an die Söhne, die ihre Gesellenjahre im Ausland verbrachten, geht dennoch hervor, dass Katharina Sulzer einen guten Sinn fürs Geschäft hatte. Sie animierte die jungen Handwerker etwa dazu, Industriespionage zu betreiben. «Der Vater wünscht zu wissen, ob Du nicht erfahren könntest, ob Herr Wieland etwa Herrn Wehrli in hier Mörsel schicke und zu welchem Preis? Desgleichen erkundige Dich auch wegen den Glöckli, wie teuer sie kommen? Aber sei vorsichtig. Du kannst ja dieses Blatt hier gleich zerreissen, damit es niemand in die Hände kommt.» Ausbau der Firma Die Mutter war sicher diejenige, welche die Fäden zusammenhielt. Wahrscheinlich war sie es auch, die ihre Söhne unterstützte, die Firma auszubauen. Die kleine Werkstatt in der Steinberggasse 16, wo die Familie auch wohnte, wurde gegen einen Neubau an der Zürcherstrasse getauscht. Dort entstand 1834 die Giesserei der Gebrüder Sulzer auf der grünen Wiese. Die Mutter half im Betrieb mit, kochte und beherbergte sogar die Arbeiter. Als sie 1858 starb, beschäftigte die Firma 200 Mitarbeiter. Für den Verein Frauenstadtrundgang ist Katharina Sulzer eine Figur, die so prägend war für die Stadt, dass er ihr im ersten Rundgang eine Station widmete. Somit machte er Frauengeschichte sichtbar, die sonst vergessen gegangen wäre. Dem Verein verdankt der neu gestaltete Platz auf dem Sulzer-Areal übrigens auch den Namen.

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