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Die nächste Kür des FCB Akanji und der FCB

Vor dem Start zur Rückrunde der Super League deutet nichts dar­auf hin, der FC Basel werde nicht seinen sechsten Titel in Serie gewinnen. Aber die Hälfte der Liga spielt gegen den Abstieg.

St. Gallen – FCZ, der Vierte gegen den Zweiten, ist morgen das erste Spitzenspiel 2015. Aus der unteren Tabellenhälfte liefern sich zwei Vereine gar schon in den Tagen vor dem Start ein Duell – noch nicht um Punkte, sondern um einen Spieler. Der FC Sion möchte von den Grasshoppers deren abgehalfterten Captain Vero Salatic (29) verpflichten; Salatic will aus seinem teuren Langzeitvertrag aussteigen und bekräftigte diese Absicht mit einem vereinskritischen Interview; GC aber sagt noch Nein. Jetzt sollen, so heisst es, heute die finalen Gespräche zwischen den beiden Klubs stattfinden. So sieht es dar­über hinaus bei den acht Gegnern der Zürcher Klubs aus: Favorit FCB – leicht entschlackt. Der Serienmeister hat eine Vorbereitung hinter sich, nach der Sportchef Georg Heitz sagt: «Mannschaft und Staff sind noch etwas enger zusammengerückt.» Seit der Trainer, Paulo Sousa, ja nachvollziehbarer arbeitet (und vor allem aufstellt), hat diese Entwicklung eingesetzt und sind die Resultate entsprechend. Alle in diesem aussergewöhnlich breiten Aufgebot waren allerdings nicht zufrieden, einzelne glaubten sich zu wenig berücksichtigt. Also nutzte der Verein die Gelegenheit, «personell abzuspecken», wie es Heitz formuliert, «wir gaben drei Nationalspieler ab, was doch bemerkenswert ist». Das ist es in der Tat, wenn Fussballer, die beim FCB nicht mehr erste Wahl waren, zu Hoffnungsträgern in der Bundesliga werden – wie Marcelo Diaz in Hamburg und Geoffrey Serey Die in Stuttgart. Dazu ging Giovanni Sio in die Ligue 1. Neu kam mit Adama Traoré ein Linksverteidiger, dem das Niveau der bisherigen Nummer 1, Berang Safari, nachgesagt wird. Das dergestalt leicht entschlackte Kader und sein Trainer müssen sich schon selber schlagen, soll die nationale Rekordserie nicht auf sechs Meistertitel in Folge ausgebaut werden. Ob die Saison ein schon fast üblich grosser oder gar ein sehr grosser Erfolg wird, entscheidet sich im Achtelfinal der Champions League gegen den FC Porto. Chancenlos, wie er es gegen Real Madrid oder die Bayern gewesen wäre, ist der FCB gegen die Portugiesen nicht. YB – Verfolger Nummer 1? Nach sieben Siegen in Folge sind die Berner auf gleicher Höhe wie der FCZ, der nur dank einem Plus von drei Toren noch Zweiter ist. YB hat das Zeug, gar zum FCB-Verfolger Nummer 1 zu werden, von Herausforderer wird man ja kaum reden können. Die Zuversicht der Berner nährt, dass sie ihren Angriff um den nach fast einjähriger Pause genesenen Alexander Gerndt ergänzen können. Sie haben so in der Breite das wohl etwas bessere Kader als der FCZ. Überdies gelang es Sportchef Fredy Bickel, das als zu dick gepolsterte Aufgebot auf die angestrebte Grösse von 23 Mann zu reduzieren. St. Gallen und Thun – die Aussenseiter. Die beiden Provinzklubs waren wieder mal die positiven Überraschungen. Beide sind auf gutem Weg, sich einen der fünf Europacupplätze zu sichern – mit zehn Punkten Reserve auf die zweite Tabellenhälfte. Die Thuner verloren zwar den vielseitigen Christian Schneuwly, die St. Galler den Linksverteidiger Ermir Lenjani. Aber an der Stabilität sollte das nichts Entscheidendes ändern. Für die Thuner ging es in diesem Winter ja auch darum, die bedrohliche und vor allem durch die hohen Stadionkosten verursachte Finanzlücke von rund einer Million Franken zu schliessen. Ganz gelang das trotz der Transfers nicht, aber doch so weit, dass der Klub mal diese Saison überstehen wird. Die Chance des Neulings. Der FC Vaduz galt als Abstiegskandidat Nummer 1, er gilt es manchen auch jetzt noch, obwohl er nur einen Punkt hinter GC liegt und fünf vor dem Tabellenletzten aus Luzern. Natürlich sind vielleicht mit Ausnahme Aaraus alle andern Teams nominell besser besetzt als Giorgio Continis Liechtensteiner. Aber die traten bisher so auf, dass sie eine absolut reelle Chance auf den Klassenerhalt haben – mit sehr realistischer Spielweise und Sicht auf die Dinge. Nach den zwei Startniederlagen haben sie nie mehr zweimal hintereinander verloren. Aarau – in Gefahr. Wer nicht Vaduz als ersten Abstiegsanwärter sieht, der stuft den FC Aarau so ein. Moreno Costanzo und Stürmer Petar Sliskovic könnten gute Verstärkungen sein, aber mehr als den Klassenerhalt können sich die Aargauer nicht zum Ziel setzen. Aber weil sie dies – genauso wie die Vaduzer – wissen, könnten sie im Vergleich mit strauchelnden «Grossen» wie GC, Sion und Luzern gar Vorteile haben. Sion – wieder Tholot. Der Franzose Didier Tholot (51) war Spieler im Wallis, jetzt ist er zum dritten Mal Trainer des FC Sion und Christian Constantins. Natürlich ist sein Kader, selbst ohne Wunschtransfer Vero Salatic, gut genug für den sicheren Klassenerhalt. Aber die Frage bleibt, ob Tholot so etwas wie Ruhe und Stabilität in die Mannschaft bringen kann. Im Herbst wurde nur jedes sechste Spiel gewonnen, nie gabs zwei Siege in Folge. Immerhin, Cupsieger kann der FC Sion noch werden. Luzern – Fringers Rückkehr. In Luzern ist nach einem lamentablen halben Jahr mit einem – mässig wirkungsvollen – Trainerwechsel von Carlos Bernegger (0,45 Punkte pro Spiel) zu Markus Babbel (1,14) nicht ein neuer Trainer, sondern ein neuer Sportchef Hoffnungsträger Nummer 1 fürs Frühjahr. Alex Frei wurde genauso ein Opfer der Unruhen wie vorher Bernegger, mit dem er allerdings auch nicht gut zusammenar­bei­te­te. Jetzt erhält Rolf Fringer nach gut einem Jahr ohne Job seine erste Chance, sich als Sportchef zu beweisen. Als Trainer hat er den FCL, vor sechs Jahren, ja schon mal als Tabellenletzter übernommen und dann über die Barrage gerettet. Diesmal ist sein Einfluss allerdings bescheidener. Rückkehrer sind auch die «neuen» Spieler, der rumänische Stürmer Cristian Ianu und der kroatische Verteidiger Tomislav Puljic, den der FCL vor der Saison noch verschmäht hatte. Massgeblich für Fringers zweite Rettungsaktion wird aber sein, dass endlich mal Ruhe im Verein und in seinem nahen Umfeld einkehrt. Hansjörg Schifferli Seit einem halben Jahr erst ist Manuel Akanji Stammspieler des FC Winterthur in der Challenge League. 18 Meisterschaftsspiele erst stehen in seinem Palmarès, aber auch der schnelle Aufstieg in die nationale U21-Auswahl. Und jetzt zeichnet sich schon der nächste Schritt ab, ein sehr grosser gar. Kein Geringerer als Meister FCB interessiert sich für ihn. Die Basler haben Akanji in dieser Saison durchgehend beobachtet und möchten ihn unter Vertrag nehmen – und ihn damit auch der ebenfalls interessierten Konkurrenz entziehen. «Wir beobachten seinen Entwicklungsstand genau», sagt Sportchef Georg Heitz. Am Geld wird es in Basel auch nicht fehlen, obwohl Akanji ja seinen Vertrag mit dem FCW jüngst bis 2018 verlängert hat. hjs

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