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«Die Nahrungsmittel sind heute zu billig»

Der SVP-Kantonsrat Hans Frei ist gestern an die Spitze des kantonalen Bauernverbands gewählt worden. Er will die Leute dazu bringen, mehr zu zahlen für Schweizer Produkte.

Ihr Vorgänger Hans Staub ist wegen einer internen Kontroverse über die Kulturlandinitiative von seinem Amt als Präsident des Zürcher Bauernverbands (ZBV) zurückgetreten. Spürt man die Gräben noch?

Hans Frei: Im Vorstand gab es nie Gräben. Wir haben uns mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt, aber immer auf einer sehr sachlichen Ebene. Was bis zur Basis nicht vorgedrungen ist, ist dass wir schon vor der Initiative einiges unternommen haben, um das Kulturland zu erhalten. So haben wir eine Forderung an den Kantonsrat gestellt, dass man den Fruchtfolgeflächen einen höheren Schutz einräumt.

Anders als Hans Staub waren Sie gegen die Kulturlandinitiative. Warum?

Sie wird nicht viel mehr zum Schutz von Kulturland beitragen, als unsere Arbeit im Vorfeld schon geleistet hat. Zudem hat der Bauernverband in den letzten vier Jahren erlebt, wie Personen aus dem Kreis der Initianten dem Kulturland selbst keinen hohen Schutz einräumten. Stattdessen haben sie auf Landwirtschaftsflächen den Humus abgetragen und neue Ökoflächen realisiert. Zudem kommt aus denselben Kreisen die Forderung, den Gewässerschutzraum zu vergrössern. Damit würde die Landwirtschaft wieder grosse und sehr wertvolle Flächen verlieren. Meiner Meinung nach verstricken sich damit die Initianten in Widersprüche.

Sie haben sich auch gegen zu viel Renaturierung ausgesprochen, etwa beim Gewässerschutz. Sind Sie der Schrecken der Umweltschützer ?

Nein, ich setze mich mit diesen Forderungen kritisch auseinander. Mit meinem Hof leiste ich selbst einen Beitrag zum Naturschutz. Ich bin aber dagegen, wenn er zulasten von bewirtschaftbaren Flächen geht.

Am 25. November steht erneut eine Abstimmung an, die die Landwirtschaft betrifft. Diesmal geht es um obligatorische Impfungen – auch ein Thema, das die Bauern spaltet. Ist sich der ZBV einig?

Eine Parole haben wir noch nicht gefasst. Persönlich bin ich aber davon überzeugt, dass die Revision des Tierseuchengesetzes eine Verbesserung für die Landwirtschaft darstellt. Im Kanton Zürich fand bereits eine Revision statt. Seither haben Tierhalter ein grösseres Mitspracherecht bei Impfungen und im Schadensfall wird der Staat stärker in die Verantwortung eingebunden.

Die aktuelle Agrardebatte sorgt unter den Landwirten für Zündstoff. Künftig sollen sie nicht mehr entsprechend der Anzahl Tiere ausbezahlt werden, die sie halten. Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf die Zürcher Bauern ein?

Die Entscheide gehen klar zulasten der Betriebe im Mittelland. Gerade hier wurden in den letzten Jahren grosse Investitionen in die Ställe getätigt, um den neuen Tierschutzbestimmungen gerecht zu werden und günstig produzieren zu können. Nun sollen die Bauern für die Tiere keinen Beitrag mehr erhalten. Es ist schwierig, wenn sie Investitionen für die nächsten 20 Jahre tätigen, die Politik aber alle vier Jahre wieder Kurskorrekturen vornimmt.

Eine Überproduktion von Milch und Fleisch drückt aber die Preise und fällt somit auf die Landwirte zurück.

Wenn man von Überproduktion in der Schweiz redet, muss man berücksichtigen, dass eine permanente Unterversorgung der Bevölkerung mit einheimischen Nahrungsmitteln herrscht. Dies wird natürlich mit Importen gedeckt. Allerdings werden importierte Lebensmittel nicht unter gleichen Rahmenbedingungen produziert wie hierzulande.

Wo liegen die Unterschiede?

Wir haben viel höhere Anforderungen an die Qualität, den Tierschutz, den Gewässerschutz und so weiter. Das hat natürlich seinen Preis. Die einzige Hilfe für die Landwirtschaft wäre, wenn die Bauern einen höheren Erlös für ihre Produkte bekämen. Die Nahrungsmittel sind heute einfach zu billig.

Viele Konsumenten kaufen aber gerne möglichst günstig ein.

Hier sind wir gefordert. Wir müssen dem Konsumenten vor Augen führen, was wir alles leisten. Öffentlichkeitsarbeit ist hier das A und O, um bei der Bevölkerung ein gewisses Verständnis für uns zu schaffen. Die Veranstaltung «Vo Puur zu Puur» ist hier ein grossartiges Beispiel. Das Echo war riesig.

Ein Echo lösten Sie jüngst auch mit der Anti-Littering-Kampagne aus: Abfall töte Kühe. Wie akut ist das Problem?

Das Problem ist verbreitet. Das zeigt auch die grosse Resonanz auf unsere Kampagne. Viele Bauern haben sofort mitgemacht und die Plakate bei sich aufgestellt. Auch unsere Kühe waren von Littering bereits betroffen. Eine Kuh mussten wir metzgen, weil sie Abfall geschluckt hatte.

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